zur Navigation springen

Wedel-Schulauer Tageblatt

07. Dezember 2016 | 23:25 Uhr

Wenn Wedel vermessen wird : Drohnen im Einsatz für die Stadtplanung

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Auf neuen Wegen zum B-Plan - es ist das erste Mal, dass sich die Stadtplanung dieser Methode bedient.

Wedel | Der Wind weht nur leicht, der Akku ist voll, alle Markierungen sind gesetzt. Optimale Bedingungen für Siegfried Beese vom Itzehoer Ingenieurbüro Siebert und Partner (ISP): Nur wenn alle Details stimmen, kann er seine Drohne zum Vermessungsflug aufsteigen lassen. Der heutige Flug in Wedel musste wegen Regenwetters um eine Woche verschoben werden. Heute passt alles, Beese sperrt einen Start- und Landebereich auf dem Parkplatz am Jungfernstieg ab und packt seine Ausrüstung aus. Gleich will er eine knapp 20.000 Quadratmeter große Fläche überfliegen, auf der Wedel einen Radweg plant.

Es ist das erste Mal, dass sich die Stadtplanung dieser Methode bedient, so Bauamtsmitarbeiter Karl-Heinz Grass. Ziel ist die Ermittlung der optimalen Trasse für den geplanten Rad- und Fußweg zwischen Gorch-Fock- und Schulauer Straße. „Eine Trasse, die einen Bau mit möglichst wenig Erdbewegungen erlaubt“, so Grass. Die Daten, die Beese am Ende liefern wird, erleichtern die Bauplanung erheblich: Seine Drohne macht nicht nur millimetergenaue Luftbilder, sondern erfasst auch das Höhenprofil des Geländes. Zusammengesetzt ergeben die Informationen ein digitales Geländemodell, das Details sichtbar macht, die bei einem bloßen Abgehen der Fläche nicht erkennbar wären. Nach eigenen Angaben spart das Unternehmen durch den Drohneneinsatz 40 Prozent der Kosten gegenüber herkömmlichen Vermessungsmethoden.

Bevor Beese seine Drohne abheben lässt, ist der Bautechniker das Gelände abgelaufen und hat mit roter Farbe Markierungen auf dem Boden aufgesprüht. Einige Stunden hat diese Vorarbeit gedauert – nun geht es endlich los. Beese setzt die Rotoren auf den Multikopter, im Sattel in der Mitte bringt er eine hochauflösende Kamera an. Schließlich übermittelt er der Drohne von seinem Laptop die GPS-Daten der Flugroute. „Der Multikopter fliegt vollautomatisch, nur Start und Landung steuere ich aus Sicherheitsgründen manuell.“

Die Rotoren beginnen zu surren, und schon einen kurzen Augenblick später schwebt die Drohne hoch über Beeses Kopf. 35 Meter ist die Flughöhe, theoretisch könnte er das Gerät auf bis zu 100 Meter aufsteigen lassen. Knapp fünf Kilo wiegt die Maschine samt Ausrüstung, fliegt vier Meter in der Sekunde schnell und kann bis zu 20 Minuten in der Luft bleiben.

Sichtlich beeindruckte Zuschauer

Der heutige Flug dauert nur zehn Minuten. Etwa 200 Bilder macht die Kamera in dieser Zeit. Inzwischen hat der Autopilot übernommen. Während die Drohne die eingegebene Route Punkt für Punkt abfliegt, muss Beese nur eines tun: Sichtkontakt halten. Gelegentlich wechselt er die Position, um zwischen Bäumen hindurchblicken zu können.

Auf der anderen Straßenseite haben sich inzwischen Beobachter eingefunden, die dem Drohnenpiloten bei der Arbeit zuschauen. „Ich werde immer wieder angesprochen“, sagt Beese. Dass ein gewisses Misstrauen gegenüber den fotografierenden Flugobjekten herrsche, könne er nachvollziehen. Selbstverständlich würden Ordnungsamt und Polizei vor jedem Flug informiert, gegebenenfalls auch Eigentümer angesprochen, deren Grundstücke überflogen würden. Aufnahmen von Privatgrundstücken, die sich manchmal nicht vermeiden ließen, würden gelöscht. „Insgesamt habe ich den Eindruck, dass die Akzeptanz für Vermessungsdrohnen in letzter Zeit gestiegen ist“, so Beese.

Auch heute gibt es von den sichtlich beeindruckten Zuschauern Applaus, als der Bautechniker den Multikopter vor seinen Füßen landen lässt. Gleich wird Beese die Prozedur noch einmal auf einer benachbarten Fläche wiederholen. Dann heißt es für ihn: Schreibtischarbeit, in der der Bautechniker aus vielen Einzelinformationen das Geländemodell erstellt.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 27.Jul.2016 | 10:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen