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Wedel-Schulauer Tageblatt

04. Dezember 2016 | 21:28 Uhr

Heimatgeschichte lebendig erzählt : Drei Autoren des 50. Jahrbuchs berichten über ihre Recherche

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Mit der öffentlichen Präsentation des jüngsten Jahrbuchs am Montagabend im Gartensaal der Drostei wollte der Kreis-Heimatverband gleich zwei Anliegen erreichen.

Pinneberg | Würdigen und weitersagen: Mit der öffentlichen Präsentation des jüngsten Jahrbuchs am Montagabend im Gartensaal der Drostei wollte der Kreis-Heimatverband gleich zwei Anliegen erreichen. Zum einen galt es, die 50. Ausgabe des heimatkundlichen Almanachs zu feiern. Ein Jubiläum, auf das die Redaktion und die vielen ehrenamtlichen Autoren zu recht stolz sein können, wie Kreispräsident und Hausherr Burkhard Tiemann (CSU) in seinem Grußwort betonte. Zum anderen wollen sich die Heimatkundler neue Leser erschließen. Und kamen deswegen auf die Idee, zur Feier drei der Jahrbuchbeiträge detaillierter vorzustellen. Geschichte lebendig vermittelt, das kam bei den etwa 40 Zuhörern gut an.

Michael Plata berichtete anschaulich über seine Forschungen zu Schulen in den 1840er Jahren in den Propsteien Ranzau und Pinneberg, die Erstaunliches zutage gefördert haben. Zum Beispiel, dass in den 87 Schulen größtes Gedränge herrschte: Drei Elementarklassen zählten weit mehr als 200 Schüler, in 32 Klassen wurden mehr als 100 Schüler unterrichtet. Plata hat sogar eine Schilderung darüber gefunden, wie das gehen konnte. Die Schüler saßen in der Mitte des Raumes, der bis zu 160 Quadratmeter groß sein konnte, in zwei Gruppen Rücken an Rücken, jeweils außen standen der Lehrer und der Lehrergehilfe. „Wie die das gemanaged haben, ist ein Rätsel“, so der Referent. Der Rohrstock spielte wohl eine große Rolle, vermutete er.

Nach einer Schulreform gab es damals bereits eine Schulpflicht, doch die wurde häufig nicht befolgt. Kinderarbeit in der Landwirtschaft, Geschwister einhüten, schlechte Wegverhältnisse und die Gleichgültigkeit der Eltern verhinderten den Besuch der Winter- und noch häufiger den der Sommerschule.

Op Platt erzählte Bernd Heitmann dann, wie er zu seinem Thema „Flugpionier August Nesemann“ gekommen war. Sein Nachbar hatte ihm von Motorflugversuchen in Tangstedt um 1908/09 erzählt. Das ließ den Maschinenbauer aufhorchen. Flugversuche zu so früher Zeit bereits? Recherchen ergaben, dass Nesemann nicht nur Pionier, sondern auch Allrounder gewesen ist. Er habe seine Apparaturen selbst ausgedacht, gebaut und geflogen und „mehrere Abstürze überlebt“. Auch das sei selten, so Heitmann. Die meisten Flugtüftler sind tödlich verunglückt.

Über ein trauriges Kapitel der Uetersener Stadtgeschichte berichtete Ute Harms vom Museum Langes Tannen. Sie vermochte es, den Zuhörern den Wert der privaten Tratsch & Meyer-Altertumssammlung aufzuzeigen: Hausrat, Möbel, Steingut, Zinn, Silber, Bilder und Bücher. Und das Todesurteil für deren Zerschlagung zu benennen. In den 1970er Jahren riet das Altonaer Museum, die Sammlung sei als Grundstock für ein Heimatmuseum nicht geeignet. Eine Fehleinschätzung.  

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erstellt am 23.Nov.2016 | 14:15 Uhr

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