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Wedel-Schulauer Tageblatt

09. Dezember 2016 | 16:33 Uhr

Diese Mieter sind zum Gruseln

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Volksspielbühne In Rissen feiert das Stück „Vun Hackepeter un de kole Mamsell” Premiere / Applaus gab’s auch fürs Bühnenbild

Zersägt er Leichenteile oder bastelt Herr Hacke (Horst Lorenzen) an harmlosen Vogelhäuschen? Und was macht Frau Holle (Monika Stellmach) eigentlich mit ihren vielen Besuchern? Kommen zu ihrem angeblich literarischen Zirkel etwa mehr Leute als später wieder gehen? Für das junge Hausbesitzerpaar Männe (Thorsten Junge) und Püppi (Anne Hagen) ist es jedenfalls mit der Ruhe vorbei, seitdem die beiden zunächst so bieder wirkenden Untermieter in die Mansardenzimmer eingezogen sind. Ein Schrecken jagt den nächsten.

Zum Gruseln ist das. Jetzt hat das Premierenpublikum der Volksspielbühne Rissen es miterlebt. Vorher war „Vun Hackepeter un de kole Mamsell” schon mal ein Volltreffer im Ohnsorg-Theater und als Fernsehfilm war es auch bereits zu sehen. Eine wahrhaft schaurige Geschichte, richtig passend für die Spuk-Zeit um Halloween. Und das alles in einem so schön spießig-biederen Wohnzimmer, dass die Rissener Bühnenbildner einen Exta-Applaus verdient hatten.


Ehepaar verstrickt sich in skurrile Fantasien


Erfunden hat Konrad Hansen die leicht satirische plattdeutsche Schauerkomödie, ein Kieler Jung, 1933 geboren und vor vier Jahren in Heikendorf gestorben. Er war ein vielseitiger Schriftsteller, Regisseur und Intendant. Mit seinen prägnanten Stücken, Bearbeitungen und Übersetzungen ebenso wie durch seine eigenwillige Tätigkeit als Intendant hat er das plattdeutsche Bühnenspiel „aus den traditionell eng geknüpften Maschen dumpfer Biederkeit herausgeführt“, so der Philologe und Kulturwissenschaftler Ulf-Thomas Lesle in einer Laudatio auf den Dichter.

Dabei passiert lange Zeit kaum etwas auf der Bühne, während Püppi und Männe sich in immer skurrileren Fantasien verstricken. Schließlich stellen sie die Untermieter zur Rede. Aber Frau Holle versteht angeblich gar nicht, worum es geht, und Herr Hacke ist leider sehr vergesslich.

Diese Vergesslichkeit gelang dem Schauspieler Lorenzen bei der Premiere absolut großartig, wenn auch eher wegen eines Mangels. Er hatte nämlich seinen Text noch nicht recht intus. Also schwänzelte er immer wieder hilfesuchend vor dem Souffleuse-Kasten auf und ab, bis Toseggersch Ute Junge ihm die rettende Zeile zuflüsterte. Nur das Publikum in der ersten Reihe konnte das merken. Für alle anderen war es ein toller Regie-Einfall. Die Regie lag bei André Oetting sowieso in besten Händen. Und für die heitere Auflösung des Spuks sorgt schließlich Frau Sesam (Hilma Wieck), die die Probleme mit gesundem Mutterwitz angeht.

 


>  www.volksspielbuehne.de



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