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Wedel-Schulauer Tageblatt

08. Dezember 2016 | 03:02 Uhr

„Ein großer Erfolg“ für den Tierschutz : Der Wedeler Biologe Ralf Sonntag setzt sich seit Jahren für Meeresbewohner ein

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Der Wedeler Biologe Ralf Sonntag setzt sich seit Jahren für Meeresbewohner ein − und kann nun einen wichtigen Etappensieg verbuchen.

Wedel | „Mir standen die Tränen in den Augen.“ Die Reaktion von Meeresbiologe Ralf Sonntag auf eine Entscheidung während der jüngsten Konferenz zum Washingtoner Artenschutzübereinkommen zeigt, wie wichtig ihm der Schutz von Tieren im Allgemeinen und Haien im Speziellen ist. In Johannesburg hatte sich die Mehrheit der internationalen Staatengemeinschaft für einen besseren Schutz der Meeresbewohner ausgesprochen, für den sich der Wedeler seit Jahren einsetzt.

Cites, zu deutsch „Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen“ − so lautet der sperrige Name der Konvention, über die vor wenigen Wochen in Südafrika diskutiert wurde. Was zunächst formell und wenig greifbar erscheint, ist für die Meeresbewohner jedoch von entscheidender Bedeutung. Denn ob und in welchem Anhang (siehe Infokasten) die Tiere aufgeführt sind, kann maßgeblich über ihr Fortbestehen entscheiden. Zwei Wochen und jeweils 15 Stunden täglich haben die Verhandlungen der zirka 3000 Teilnehmer aus 182 Ländern Ende September gedauert − und Sonntag war mittendrin. „Es gab heftige Diskussionen und jede Menge Streit“, berichtet der 58-Jährige.

Seit Jahren im Einsatz für den Tierschutz

Viele Jahre war Sonntag, der seit knapp fünfeinhalb Jahren in der Rolandstadt lebt, Leiter des deutschen Büros des International Fund for Animal Welfare (Internationaler Tierschutzfonds, IFAW) mit Sitz in Hamburg. Mittlerweile ist er seit einem Jahr freiberuflich für mehrere Umwelt- und Tierschutzorganisationen tätig. Schwerpunkte seiner Arbeit sind der Wal- und Haischutz − oder wie er sagt die „Marine Megafauna“.

In Johannesburg ging es unter anderem um Fuchs- und Seidenhaie sowie Teufelsrochen. „Alle drei sind stark gefährdet, es gibt Rückgänge von bis zu 90 Prozent“, sagt Sonntag. Anträge der Staaten Fidschi, Sri Lanka und Malediven sahen deswegen einen besseren Schutz für die Tiere vor. „Sie hatten jeweils zirka 50 weitere Staaten als Unterstützer“, berichtet Sonntag. Ein Umstand, der selbst den erfahrenen 58-Jährigen überraschte. „So viel Unterstützung gab es noch nie.“ In der Regel würden sich lediglich vier bis fünf Staaten einem Antrag anschließen. Letztlich konnte so auch Japan, das laut Sonntag intensive Lobby-Arbeit gegen die Anträge betrieben habe, den besseren Schutz von Haien und Rochen − sie dürfen nun nur noch unter strengen Auflagen gehandelt werden − nicht verhindern.

Auf einem Fischmarkt im Oman untersucht der Wedeler Meeresbiologe einen Hammerhai.
Auf einem Fischmarkt im Oman untersucht der Wedeler Meeresbiologe einen Hammerhai. Foto: wst
 

Das Ergebnis von Johannesburg bezeichnet Sonntag als „großen Erfolg“. Nun bestehe die Chance, dass sich zumindest Teilbestände wieder erholen. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg, denn nun steht die Umsetzung der Beschlüsse an. „Dafür werden nun weltweit Workshops und Fortbildungen angeboten“, so Sonntag. Dabei gehe es darum, die Verantwortlichen vor Ort, etwa Zoll-Beamte und Fischereioffiziere, mit den neuen Regeln vertraut zu machen. Auch der Wedeler wird deswegen in den kommenden Monaten wieder um die Welt reisen. Doch zuvor hat sich der Tierschützer eine kurze Auszeit verordnet, denn die Verhandlungen in Johannesburg seien extrem anstrengend gewesen. Deswegen heißt es für Sonntag derzeit: Sonne tanken auf Fuerteventura, bevor er anschließend wieder für den Schutz der Meerestiere unterwegs ist.

Die Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora (kurz Cites, auf deutsch Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen) ist eine internationale Konvention, die einen nachhaltigen, internationalen Handel mit den in ihren Anhängen gelisteten Tieren und Pflanzen gewährleisten soll. Sie ist 1975 in Kraft getreten und umfasst 182 Mitgliedsländer, die sich alle zwei bis drei Jahre treffen und entscheiden, welche Tier- und Pflanzenarten Schutz bedürfen. Für in Anhang I gelistete Arten besteht ein Verbot des kommerziellen Handels. Handel mit Nachzuchten oder nicht-kommerzieller Handel sind möglich, sofern keine Gefährdung für den Fortbestand der Art besteht. Bei den in Anhang II gelisteten Arten ist ein kommerzieller Handel nach einer Unbedenklichkeitsprüfung des Ausfuhrstaates möglich. Dabei wird geprüft, ob der Handel den Fortbestand der Art gefährdet. Über Anhang III entscheiden die Mitgliedsstaaten selbstständig und erlegen sich etwa Ausfuhrgenehmigungen auf.
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erstellt am 20.Okt.2016 | 12:30 Uhr

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