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Wedel-Schulauer Tageblatt

28. Juli 2016 | 04:51 Uhr

Wedel : Der „Vollblutehrenamtler“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Der Wedeler engagiert sich beim Lauftreff, im Betriebsrat, für die Gewerkschaft IG Metall, beim Landesangelverband, bei Gericht und der Royal Fishing Kinderhilfe.

Wedel | „Diejenigen, die ein Ehrenamt übernehmen wollen, werden immer weniger“, stellt André Meister fest. Er selbst bezeichnet sich als „Vollblutehrenamtler“. Er ist Vorsitzender des Lauftreffs Wedel und des Betriebsrats beim Mikroskophersteller Möller in Wedel. Hinzu kommen die Ämter als Vizepräsident des Landesangelverbands, als ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht Elmshorn und als Referent der Industriegewerkschaft (IG) Metall. „Das war’s schon“, sagt Meister und ergänzt nach einer kurzen Pause: „Ach ja, bei der Royal Fishing Kinderhilfe bin ich auch noch aktiv.“

„Die jungen Leute haben kaum noch Bock, Aufgaben zu übernehmen. Da gibt es andere Interessen“, sagt Meister. Er habe festgestellt, dass vielen das Verständnis dafür fehle, etwas für andere zu tun. „Das setze ich mit dem wachsenden politischen Desinteresse gleich“, sagt Meister. Argumente, die er schon häufiger gehört hat, seien unter anderem: „Meine Freizeit ist mir wichtiger“ und „Damit verdiene ich kein Geld“.

„Ich könnte es mir ohne Ehrenamt nicht vorstellen“, sagt Meister. 105 Mitglieder betreut er mit seinem Vorstandsteam beim Lauftreff. Die Interessen von ebenso vielen Mitarbeitern vertritt der Feinmechaniker als Betriebsrat bei seinem Arbeitgeber. „Ich wüsste gar nicht, was ich Zuhause machen sollte“, sagt Meister grinsend. Die Kinder seien groß und seine Frau habe sich damit angefreundet. „Sie ist ja selbst im Lauftreff und profitiert davon“, sagt Meister. Er ist sich sicher: „Irgendwann bekommt man das wieder zurück, was man selbst gibt. Wenn ich alt bin, kann ich mir nicht nachsagen lassen, dass ich nicht genug für andere gegeben hätte.“

Vor allem die Arbeit mit Jugendlichen bei der Royal Fishing Kinderhilfe stellt Meister heraus. „Man lernt Kinder und Jugendliche kennen, bei denen man sagen muss: ‚Hut ab‘, wenn man sich anschaut, aus was für Verhältnissen sie kommen und was sie trotzdem für ein tolles Benehmen haben.“ Einmal im Jahr ist Meister  als Betreuer des Jugendangelcamps dabei und mit den Teilnehmern beim Hochsee- und Boddenangeln auf dem Schiff unterwegs. „Du kriegst ganz viel von den Kindern zurück. Echten Dank, dass du ihnen geholfen hast“, sagt Meister.

„Ich lerne gern neue Menschen kennen“, beschreibt Meister eine weitere Motivation. Was er weniger möge, sei Lob. „Damit kann ich schwer umgehen“, sagt Meister und ergänzt lachend: „Damit kommen wir zum zweiten Fall: Kritik kann ich auch nicht gut ab. Das nehme ich schnell persönlich, da ich meine Arbeit gut machen will.“

Wie passen ein ruhiger Sport wie Angeln und Laufen zusammen? Meister schaut verwundert und grinst: „Beim Pilken ist man immer in Action. Angeln als ruhiger Sport mag für die gelten, die am See sitzen und auch Spaß haben, wenn sie nichts fangen. Das war nie meins.“

Wie viel Zeit bleibt bei so vielen Ämtern eigentlich für die Hobbys, die er nun organisiert? „Angeln gehe ich wirklich nur noch ganz, ganz selten“, räumt Meister ein. Wenn, dann auf dem Campingplatz an der Eckernförder Bucht. „Da kümmere ich mich dann nur um Freunde und Familie. Social Media und Handy bleiben dann einfach aus“, sagt Meister. Anders sehe es beim Laufen aus: „Ich laufe mehr als früher, weil die Leute den Verein auch mit mir verbinden und ich immer in Lauftreff-Klamotten unterwegs bin“, sagt Meister. Doch wenn jemand eine Frage an den Vorsitzenden habe, nehme er sich dafür die Zeit. Wer soll es sonst machen?

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erstellt am 23.Jan.2016 | 15:00 Uhr

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