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Wedel-Schulauer Tageblatt

02. Dezember 2016 | 19:17 Uhr

Partikel-Ärger in Wedel : Das Kraftwerk spuckt wieder

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

In der Nähe der Anlage sind erneut Partikel niedergegangen. BI-Sprecherin kritisiert die Beprobung.

Wedel | Die schwarzen Bröckchen kamen am vergangenen Wochenende, am Mittwoch folgte die Entschuldigung: Erneut sind in der Nachbarschaft des Wedeler Kraftwerks am Tinsdaler Weg Partikel niedergegangen. Betreiber Vattenfall bestätigte den Ausstoß − und entschuldigte sich in einem auf den 18. Oktober datierten Schreiben bei den Anwohnern. Die berichten unter anderem von Schäden an einem Auto.

„Wir sind ganz schön genervt“, sagt Kerstin Lueckow, Sprecherin der Bürgerinitiative „Stopp. Kein Megakraftwerk in Wedel“. An zwei Tagen habe es Ausstöße gegeben − und auch Schäden. Lueckow berichtete im Gespräch mit unserer Zeitung von einer Nachbarin, deren Pkw trotz Wäsche und anschließender Politur Überbleibsel der Ausstöße aufwies. Die Betroffene habe mit Tesafilm einen Teststreifen gezogen. „Welche Zusammensetzung die schwarzen Partikel haben, entzieht sich mangels Untersuchung unserer Kenntnis“, sagt die BI-Sprecherin.

Lueckow und ihre Mitstreiter kritisieren vor allem die ihrer Meinung nach mangelhafte Beprobung. „Es kann nicht sein, dass ständig etwas runter kommt und nicht untersucht wird.“ Es müsse endlich ein Verfahren gefunden werden, bei dem zuverlässig Proben gesammelt würden, fordert die Sprecherin.

Vier neue Prüfflächen eingerichtet

Genau das will Vattenfall laut eigener Aussage mit mehreren Prüfflächen erreichen, die das Unternehmen jüngst eingerichtet hat: eine an der Königsberger Straße, eine am Elbwanderweg und zwei auf dem Kraftwerksgelände. Damit solle künftig sofort und verlässlich erkannt werden, ob eine weitere Emission aufgetreten ist, heißt es in dem Schreiben an die Anwohner. Und weiter: „Durch die tägliche Kontrolle können wir bessere Rückschlüsse auf Zusammenhänge zwischen eventuellem Partikelausstoß und Betriebszustand der Anlage ziehen.“ Die Überwachung der Prüfflächen erfolge seit dem 4. Oktober durch den TÜV Nord.

Die Flächen sorgen bei Kerstin Lueckow allerdings für viele Fragezeichen. „Es sind kleine, glatte und schräge Flächen“, berichtet sie. Wie sich damit Partikel auffangen ließen, sei ihr unklar. „Regelrecht wütend“ wird die BI-Sprecherin, wenn sie an das vom schleswig-holsteinischen Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) in Auftrag gegebene Gutachten denkt. Dieses war jüngst zu dem Schluss gekommen, dass vom Partikelniederschlag aus dem Schornstein des Kraftwerks kein relevantes Risiko ausgeht. Doch laut Lueckow seien dafür lediglich drei kleine Bröckchen untersucht worden, die zudem bereits 13 Tage alt gewesen sind. „Die waren nicht mehr im Originalzustand.“

Das von den BI-Vertretern in Auftrag gegebene Gutachten lässt derweil noch auf sich warten. Unterdessen kündigte Vattenfall an, in Kürze eine Internetseite zu veröffentlichen, auf der nicht nur die Untersuchungsergebnisse dargelegt würden, sondern das Unternehmen auch sämtliche Fragen, die in Zusammenhang mit den Emissionen stehen, ausführlich und allgemeinverständlich beantworten werde.

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