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Wedel-Schulauer Tageblatt

04. Dezember 2016 | 07:10 Uhr

Partikelregen-Streit inWedel : Das Kraftwerk abzuschalten ist keine Option

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Anwohner klagen über neuen Ausstoß – Vattenfall sieht sich nicht als Verursacher. Tägliche Prüfungen geplant.

Wedel | Der Ärger der Kraftwerksanwohner mit Dreck aus den Schloten – altes Leid mit neuer Wendung. Laut den Betroffenen kam es vergangenen Montag erneut zu einem Partikelregen. Bereits zum sechsten Mal seit Ende Juli, sagen die Nachbarn des von Vattenfall betriebenen Kohlemeilers. 2015 seien insgesamt vier Vorfälle dieser Art registriert worden. „Der Partikelausstoß tritt immer häufiger auf“, klagt Kerstin Lueckow, Sprecherin der Bürgerinitiative (BI) „Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel“. Der Betreiber bekomme das Problem offensichtlich nicht in den Griff. Richtiggehend wütend ist Lueckow indes über eine Mail, die Vattenfall Anfang der Woche an einen Betroffenen geschickt habe. Darin hieß es laut Lueckow unter anderem, dass keine Anzeichen für einen neuerlichen Partikelauswurf vorliegen und es auch andere Gründe für die Verunreinigungen geben könnte, zum Beispiel grillende Nachbarn oder Bauarbeiten.

„So viel kann hier gar nicht gegrillt worden sein“, sagt Anja Goral, eine der vom Partikelregen betroffenen Anwohner im Hellgrund. Sie ärgert sich, dass der aggressive Dreck von den Scheiben im Wintergarten gar nicht mehr verschwindet. Die Vattenfall-Zusage, dass die Scheiben ersetzt werden, ist eher ein schwacher Trost. Goral und auch Lueckow kritisieren, dass die Schadensregulierung enorm aufwendig sei.

Auch das vorliegende toxikologisches Gutachten beruhigt sie nicht. Dieses sieht kein Risiko für die menschliche Gesundheit. Damit ist der Fall aus Lueckows Sicht längst nicht erledigt. Sie fordert, dass das zuständige Landesamt für Landwirtschaft und ländliche Räume (LLUR) den Ausstoß über einen längeren Zeitraum dokumentiert. Der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Hölck bekräftigte gestern angesichts der Vorkommnisse seine Forderung an Vattenfall, den Partikelausstoß zu stoppen. Ansonsten müsse das Kraftwerk notfalls abgestellt werden, so Hölck.

Anja Goral ist eine der vom Partikelauswurf betroffenen Anwohnerinnen.
Anja Goral ist eine der vom Partikelauswurf betroffenen Anwohnerinnen. Foto: Zimmermann

Aus Sicht der BI zeigt das LLUR kaum Interesse, das Problem in den Griff zu bekommen. Die Initiative zieht deshalb juristische Schritte in Betracht, um die Behörde dazu zu zwingen, aktiv zu werden.

LLUR-Sprecher Martin Schmidt erteilte auf Anfrage unserer Zeitung einer möglichen Abschaltung eine klare Absage: Eine solche Maßnahme wäre unverhältnismäßig und würde sofort wieder gerichtlich kassiert werden, so Schmidt. Schließlich habe das toxikologische Gutachten gezeigt, dass keine Gesundheitsgefährdung bestehe. Das LLUR werde eine Anordnung erlassen, wonach Vattenfall den Ausstoß abstellen muss. Aber auch hier gelte das Prinzip der Verhältnismäßigkeit. Schmidt nannte daher als vermutliches Datum die nächste Revision im Sommer 2017.

Zwecks Feststellung eines möglichen neuerlichen Partikelregens sei gestern ein LLUR-Mitarbeiter vor Ort gewesen. Tatsächlich hätten Anhaftungen auf einigen Fahrzeugen festgestellt werden können. Allerdings deutlich weniger als die Male zuvor und zu klein, um Proben ziehen zu können, so Schmidt. Die Art der Anhaftung könnte dafür sprechen, dass es erneut zu Auswurf gekommen ist, so Schmidt. Sicher bestätigen konnte er es gestern jedoch ebensowenig wie ausschließen.

Laut Vattenfall-Sprecherin Karen Kristina Hillmer sieht der Energiekonzern dagegen „keine Indikation dafür, dass es sich hierbei um einen Niederschlag aus dem Kraftwerk Wedel handelt“. Vattenfall will nun in Abstimmung mit der Behörde an drei Standorten im benachbarten Wohngebiet Prüfflächen aufstellen, „um zukünftig sofort und verlässlich erkennen zu können, ob ein Auswurf aufgetreten ist“, so Hillmer. Die Flächen sollen täglich geprüft und gereinigt werden, um künftig detailliertere Aussagen zum Partikelausstoß zu treffen, sagte die Unternehmenssprecherin.

Vattenfall habe zudem eine Arbeitsgruppe zur Ursachenuntersuchung des Ausstoßes eingesetzt. „Unser Ziel ist es, diese auch in der Vergangenheit beim Wiederanfahren schon vorgekommene Verunreinigung zukünftig weitestgehend zu vermeiden“, sagte Hillmer. Dazu sei eine Optimierung der Rauchgasreinigungs- und Betriebsprozesse angestrebt. Im kommenden Jahr soll mit Hilfe von Schornsteinauskleidungen der Auswurf ganz verhindert werden.

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erstellt am 16.Sep.2016 | 12:15 Uhr

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