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Wedel-Schulauer Tageblatt

10. Dezember 2016 | 00:23 Uhr

„Elbscapes“ : Bilderreise entlang des Elbufers

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

„Elbscapes“: Stadtmuseum stellt Fotokunst aus.

Wedel | Das Maß ist ins extreme Querformat getrieben, die Farben sind kräftig, nicht grell, die Konturen mal scharf, mal verwischt – Fotografien von Clemens Schröder haben Sogwirkung. Ab Sonntag, 24. April, sind Werke des Hamburger Künstlers in Wedels Stadtmuseum zu sehen. „Elbscapes“ heißt der Bilderzyclus, mit dem Schröder „ein Panorama des Stroms“ zeigen und den Betrachter „mit auf eine Reise entlang des Elbufers“ nehmen will. Die Vernissage beginnt um 15 Uhr.

Weite Horizonte, Himmel, Wasser, senkrechte Akzente gesetzt von Menschen, Masten oder Kränen: Technisch verhilft eine Panorama-Camera-Obscura dem Fotografen zu seinem künstlerischen Stil der scharf-unscharf-Melange. Ein Prototyp aus China. Den habe er vor neun Jahren im Internet gefunden, erzählt Schröder. Er habe den chinesischen Hobbykonstrukteur sofort angemailt und die Apparatur gekauft. „Alte Technik in neuem Gerät“, sagt Schröder und grinst.

Natürlich hat der Fotograf auch selbst schon Camera-Obscura-Kästen gebaut. „Aufs Loch kommt es an“, hätten ihn die Experimente gelehrt. Das im chinesischen Panorama-Typus sei schon ideal. „Vom Zoll bin ich sofort an die Elbe und habe die Kamera ausprobiert“: Startschuss für einen Bilderzyklus über den Strom, den der Rissener jetzt im Stadtmuseum ausstellt.

Von der Bunthäuser Spitze, wo sich der Fluss in Norder- und Süderelbe teilt, über den Hamburger Hafen, vorbei an Agrar- und Industrieflächen bis nach Wedel, dorthin, wo Menschen die Uferlandschaften beleben: Schröder zeigt die Elbe aus allen Perspektiven. Das Loch der Camera-Obscura ist keine Linse, die Belichtungszeiten mit Stativ dauerten bei einem mittelempfindlichen Film 30 Sekunden bis zwei Minuten, erklärt der Fotograf. „Wenn man so lange belichten muss, ist nur noch Statisches zu sehen.“ Was ihm bei diesem Verfahren zugute kommt, ist die kontemplative Wirkung des Flusses. „Die Menschen werden auf mystische Weise vom Wasser beruhigt“, erläutert Schröder. „Sie schauen aufs Wasser, sind ihm zugewandt, bewegen sich wenig“: Basis für die magische Schärfe-Mixtur in den Bildern.

Beim Fotokünstler Schröder kann man mit Fug und Recht von einem Fotografiebesessenen sprechen. „Ich bin von der Ästhetik der Fotografie fasziniert“, bekennt der Rissener. Die erste Kamera kaufte er sich als Sechsjähriger, von zusammengesammeltem Flaschenpfand. Eine Agfa-Box-Kamera vom Flohmarkt, die er von zwei auf eine Mark runtergehandelt hatte. Die ersten Bilder enttäuschten den Jungen allerdings. Doch das habe ihn mehr angetrieben als frustriert, so Schröder. Als 13-Jähriger kam der erste Fotojob. Vom Erlös kaufte er eine neue Ausrüstung. Heute verdient der Familienvater sein Geld als Ingenieur, der über das Silicon Valley „die Energiewende mitgestaltet“, lange Zeit hatte er aber auch als freier Fotograf seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Doch die Digitaltechnik verdarb ihm die Freude. „Das künstlerische ging verloren“, resümiert Schröder.

Die Fotokunst blieb ihm als Hobby erhalten. Am Elbscapes-Bilderzyklus arbeitet der Hamburger seit neun Jahren. Es kommt immer etwas hinzu, etwas anderes fällt raus. Das Motto Panta rhei, alles fließt, ist hier sowohl im konkreten als auch im übertragenen Sinne zu verstehen.  

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erstellt am 20.Apr.2016 | 16:30 Uhr

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