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Wedel-Schulauer Tageblatt

09. Dezember 2016 | 01:10 Uhr

„Viel erlebt und viel erreicht“ : Autonomes Frauenhaus in Wedel feiert 30-jähriges Bestehen

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Gelebte Solidarität: Autonomes Frauenhaus in Wedel feiert 30-jähriges Bestehen. Fotoschau noch bis zum 24. November.

Wedel | In seinen Grußworten schlug Bürgermeister Niels Schmidt den Bogen zur aktuellen Politik. Dass gerade am Tag der Feier zum 30-jährigen Bestehen des Wedeler Frauenhauses Donald Trump mit seinem kruden und völlig unakzeptablen Frauenbild zum Präsidenten der USA gewählt wird, sei ein Widerspruch, der ihn nachdenklich mache, bekannte der Verwaltungschef. Den Schutzraum für von Gewalt betroffenen Frauen, „darf es eigentlich nicht geben müssen“, sagte er. Dass es ihn dennoch seit drei Jahrzehnten in Wedel gibt, sei ein Erfolg. Das Haus finde breite Unterstützung in der Politik und in der Bevölkerung, versicherte Schmidt den Frauen vom Trägerverein und den Mitarbeiterinnen, die gemeinsam zur Feier ins Rathaus geladen hatten.

Zuvor hatten Mitarbeiterin Astrid Otto sowie Margit Ravn, Vorständlerin und Frau der ersten Stunde, die Gäste begrüßt. Das Haus sei damals aus einem Bedarf heraus entstanden, erinnerte Otto und betonte, dass Gewalt gegen Frauen nach wie vor erschreckende Realität sei. Mehr als 1300 misshandelte Frauen seien in den 30 Jahren allein in Wedel betreut worden. Deren Erfolgsgeschichte sei die des Hauses. „Wir wollen ihre Stärke feiern“, den Mut und die Beharrlichkeit, den Optimismus, Zusammenhalt und die gelebte Solidarität der Frauen, die einen Neuanfang gewagt haben, sagte Otto. Und bilanzierte für die Mitarbeiterinnen: „Wir haben viel erlebt und viel erreicht, aber es bleibt auch viel zu tun.“

„Ich habe traurige und lustige Szenen erlebt“, berichtete Fotografin Brigitte Kraemer von ihrem Projekt.
„Ich habe traurige und lustige Szenen erlebt“, berichtete Fotografin Brigitte Kraemer von ihrem Projekt. Foto: Jacobshagen
 

Ravn erinnerte an die große Krise, die das Wedeler Frauenhaus am 3. September 2010 traf. Die Trägervereinsfrauen seien damals ins Kieler Ministerium bestellt worden, um gesagt zu bekommen, dass es ab 2012 keine Förderung mehr gebe, erzählte sie. Auf den Paukenschlag folgte allerdings eine so große Solidaritäts- und Unterstützungswelle, dass das Jahr mit Spenden überstanden werde konnte. Gezeigt habe sich: „Die Wedeler Bürger stehen hinter dem Frauenhaus“, dafür seien sie sehr dankbar, so Ravn. Für die positive Nachricht, dass ab 2013 wieder Landesmittel flossen, gab es von den Gästen demonstrativen Applaus.

Zum Schluss des offiziellen Teils der Feier kam dann noch Fotografin Brigitte Kraemer zu Wort. Sie berichtete über den Hintergrund für ihre Ausstellung, die den künstlerischen Rahmen für das Jubiläum bildet. „Viele haben ein komisches Bild von Frauenhäusern im Kopf“, erklärte sie. Das wollte sie gerade rücken. Schwierig sei es gewesen, das Vertrauen der betroffenen Frauen zu erlangen. Die Abzüge sind aktuelle Aufnahmen aus lediglich sechs Häusern. Trotzdem seien sie repräsentativ für alle Einrichtungen. Mitarbeiterinnen habe sie bewusst nicht mit aufgenommen. Kraemer wollte spontane Situationen festhalten, nichts inszenieren. Schwarz-weiß Fotos konzentrierten sich auf den Menschen und die Situation, erklärte sie ihre bewusste Entscheidung für die analoge Technik. Die Ausstellung ist noch bis zum 24. November zu sehen. 

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