zur Navigation springen

Wedel-Schulauer Tageblatt

05. Dezember 2016 | 05:29 Uhr

Auf Good-Will-Tour für Südlink

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Energiewende Zur Informationsveranstaltung über den Trassenverlauf sind etwa 150 Bürger und Kommunalpolitiker gekommen

Fast alle Bürgermeister der Region kamen in die Mehrzweckhalle An’n Himmelsbarg. In Neuendeich hatten sich die Lokalpolitiker am Vorabend während einer Ausschusssitzung verabredet. Monika Riekhof (CDU) aus Hetlingen kam etwas verspätet, denn sie musste vorher noch schnell das Gästeschießen der Polizei gewinnen. Dafür war Hausherr Karl-Heinz Weinberg (CDU) lange vor dem offiziellen Start da. Allen ging es um „Südlink“, die unterirdische Route der Höchstspannungskabel für den Stromtransport von Nord nach Süd. Ein Reizthema, das auch etliche interessierte Einwohner der betroffenen Region nach Moorrege brachte. Eingeladen hatte Stromnetzbetreiber Tennet. Allerdings war der Andrang überschaubar. 200 Stühle hatten die Tennet-Leute aufgestellt. Etwa ein Viertel davon blieb unbesetzt.

Die Stimmung der Menge war durchwachsen. Margrit Siemon aus Groß Nordende und ihre zahlreichen Freunde fürchteten weitere Beeinträchtigungen der Natur. In intensiven Gesprächen mit Besuchern trommelten sie für den Schutz der Landschaft gegen weitere Eingriffe. Andere Besucher waren einfach nur neugierig, aber auch misstrauisch: „Wenn man die auf irgendwas anspricht, reden sie sich sofort damit raus, dass das alles ja noch nicht endgültig sei“, hatte ein Lokalpolitiker im Umgang mit Tennet immer wieder erlebt.

Die PR-Leute der Tennet waren auf solche Haltungen natürlich eingestellt. „Liebe geht durch den Magen“, dachten sie sich wohl und tischten eine Platte voller leckere Häppchen nach der anderen auf. Auch zu trinken gab es reichlich.


Betreiber servieren Infos und Häppchen


Nicht minder überwältigend war Tennets Angebot an gedrucktem Material, viele attraktiv aufgemachte DIN A  4-Hefte in bester Farbqualität. Sie thematisierten die Energiewende ganz allgemein, Sicherheit und Zuverlässigkeit der Erdkabel, den Bodenschutz oder die Planungsmethode. Dazu gab es Naturwissenschaftliches über die Entstehung und Auswirkung elektrischer und magnetischer Felder. Und schließlich Fragebögen als Einladung zur Bürgerbeteiligung an der Planung. Das alles konnte man in werbewirksam bedruckte Stoffbeutel verpacken und nach Hause tragen.

Eine gute Stunde lang führte das Tennet-Team an vielen Bartischen in kleiner Runde Informationsgespräche. Schautafeln und ein großes Model einer Trasse erleichterten ihnen die Arbeit. Dann war es Zeit für Vorträge. Amtsdirektor Rainer Jürgensen vom Amt Moorrege eröffnete den Reigen und begrüßte seine „relativ zahlreich erschienenen“ Zuhörer. Im Bewusstsein der verbreiteten Vorbehalte gegen eine Starkstromleitung vor der Haustür wandte er ein: „Ich spreche lieber über so eine Trasse als über eine Atommülldeponie“. Und: Die bisherige öffentliche Beteiligung habe immerhin schon bewirkt, dass es keine neuen Strommasten geben werde.

Ihm folgten Tennets Projektleiterin Andrea Thiel und Jörg Rassmus als Gutachter der Arge Südlink am Rednerpult. Sie betrachteten die gesamte 700 Kilometer lange Strecke der vorgesehenen Erdverkabelung, ehe sie auf das Näherliegende eingingen, die Querung der Elbe.

Die nach sorgfältigem Auswahlverfahren noch übrigen drei Alternativen wurden gegenübergestellt. Das Hauptproblem sei überall die notwendige Korridorbreite von einem Kilometer. Die brauche es aber nur während der Bauzeit. Für die fertige Trasse werden 40 Meter reichen. Darauf dürfe nicht gebaut werden. Bepflanzung sei aber kein Problem, solange keine tiefen Wurzeln entstehen.

Für alle Referenten gab es höflichen Applaus. Dann lud das frisch beladene Büfett wieder ein, und es durfte in kleinen Zirkeln weiterdiskutiert werden. Weitere Info-Veranstaltungen werden folgen, versprach Tennet.


Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen