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Wedel-Schulauer Tageblatt

27. August 2016 | 04:52 Uhr

Extremsportler aus Wedel : Auf der Suche nach neuen Abenteuern

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Jörg Hafner sucht stetig neue sportliche Herausforderungen – egal ob Wattolympiade, Bergsteigen oder Weinmarathon.

Wedel | „Was macht denn der Mann da?“, fragt eine Passantin ihre Freundin beim Spaziergang am Wedeler Strandbad. Bevor diese antworten kann, schaltet sich eine Frau in das Gespräch ein. „Der Verrückte ist mein Mann“, sagte sie und zeigt auf Jörg Hafner, der in Badehose aus der Elbe stapft.

Der 42-jährige Wedeler beschreibt sich selbst als Abenteurer, Extrem- und Funsportler. Derzeit trainiert er für die „Ice Swimming German Open“ in Burghausen. „Das Wasser darf nicht wärmer als fünf Grad sein. Ich bin in der Elbe gerade bei zwölf Grad geschwommen. 50 Meter schwimme ich durch. Dann ist Ende“, sagt Hafner. Er versuche derzeit, den Kältereiz abzusenken: „Das ist eine echte Überwindung. Das hätte ich nicht gedacht.“ Das Angebot mitzumachen, schlägt seine Frau Silke mit energischem Kopfschütteln aus. „Aber du duscht doch kalt“, versucht er zu argumentieren. Er nicht? „Kalt duschen geht gar nicht“, sagt Hafner nach dem Bad in der Elbe. Warum macht man das? „Ich habe Wettkämpfe bestritten, wo es heiß, kalt, hoch, tief war. Das kann man machen, aber es ist nichts Neues mehr. Eisschwimmen ist eine neue Herausforderung. Fange mit dem Training ganz neu an.“ Sein Ziel: die Eismeile schwimmen. Bei fünf Grad Wassertemperatur. „Das ist die Königsdisziplin. Das wäre cool, das zu schaffen“, sagt Hafner. Ein, zwei Jahre will er sich Zeit nehmen, das Ziel umzusetzen. Wer starten will, braucht ärztliche Atteste und den Nachweis, gewisse Zeiten bereits bei eisigen Temperaturen im Wasser verbracht zu haben. Doch ist es nur ein Ziel von vielen.

„Im Mai steht ein ‚Run und Bike‘ Wettkampf über 100 Kilometer in Neuzelle an. Der ‚UltratrailManiakSuperior‘ über 120 Kilometer am Wörthersee im September. Der ‚Elbelauf‘ von Magdeburg nach Dresden über 340 Kilometer, die schwimmende Beltquerung von Fehmarn nach Rødby in Dänemark über etwa 25 Kilometer und ein paar Marathons“, nennt Hafner seine Planung für das kommende Jahr.

Ein weiteres Projekt des Wedelers ist der Treppenlauf im Schweizer Niesental. Auf einer Länge von 3,4 Kilometern müssen auf der längsten Treppe Europas parallel zu einer Seilbahn 1669 Höhenmeter über 11  674 Stufen überwunden werden. „Wenn man so was machen will, geht es ab ins Hochhaus“, erläutert der Projektleiter in der Softwareimplementierung. Sein neuer Arbeitsplatz im Mundsburg Tower kommt da wie gerufen. „Ich nehme dann halt die Treppe in den 18. Stock. Oder noch ein bisschen höher.“ Insgesamt 22 Stockwerke gibt es fürs Training. Trainiert wird auch am Deich – mit Rucksack und 15 Kilogramm Gepäck, „Dann geht es halt immer wieder den Deich rauf und runter. Das bringt auch was.“ Notfalls geht Hafner ins Fitnessstudio, um Berge zu simulieren.

„Das war gar nicht so schwer“

2001 lief Hafner seinen ersten Marathon. „Das war gar nicht so schwer“, erinnert er sich. Zehn weitere kamen hinzu. Dann der erste 100-Kilometer-Lauf. „Ich hatte kein Talent, sondern musste mir alles hart erarbeiten“, sagt der 42-Jährige. Er lief den „Le Marathon du Medoc“ rund um Bordeaux, bei dem es unterwegs zahlreiche Weine zum Probieren gibt. „Ich habe mich nur von Wein als Flüssigkeit ernährt. Im Ziel war ich echt angeschlagen, aber es war eine Mordsgaudi“, sagt Hafner, dem das Ankommen wichtiger ist als ein Platz auf dem Treppchen. Die Wattolympiade, die Besteigung des Elbrus – mit 5642 Metern höchster Berg Europas, Fallschirmspringen, Downhillschlauchbootfahren – Hafner hat alles schon gemacht.

„Schmerz kann man herauszögern. Ich versuche Grenzen immer auszuweiten. Das Faszinierende ist immer, wenn man noch zwei Tage laufen muss, läuft man zwei Tage. Sind es fünf Tage, läuft der Körper fünf Tage. Wenn du weißt, wo das Ende ist, stellt sich der Körper darauf ein.“

Jeden Tag wird trainiert – oft zusammen mit seiner Frau. In der Woche läuft Hafner durchschnittlich 77 Kilometer. Im Jahr 4000 Kilometer. „Ich bin in den 1600 Tagen jeden Tag gelaufen“, sagt Hafner. Streakrunner oder Täglichläufer sind eine eigene Laufkategorie. Eine Meile - 1609 Meter - pro Tag muss mindestens absolviert werden. Die „Statistikrunde“ von Hafner ist zwei Kilometer lang. „Dann muss ich am nächsten Tag mehr tun“, sagt der Extremsportler. Selbst mit Erkältung schlich er sich trotz Verbots seiner Frau zum Laufen aus dem Haus.

Die Besteigung des Triglav, mit 2864 Metern der höchste Gipfel Sloweniens, brach er dagegen ab. „Ich hatte nur Turnschuhe an und es sollte eisfrei sein. War es aber nicht“, erläutert Hafner und ergänzt: „Ich habe es wegen meiner Frau abgebrochen.“ Dann schiebt er nach: „Früher hätte ich es trotzdem gemacht. Heute habe ich mehr Verantwortungsbewusstsein“. sports.ibcaps.com

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erstellt am 03.Nov.2015 | 16:00 Uhr

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