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Wedel-Schulauer Tageblatt

07. Dezember 2016 | 13:28 Uhr

Reflexionen über erfolgreiches Lernen : Antonius Soest präsentiert sein neues Sachbuch

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Seine Erkenntnisse aus seiner Zeit als Lehrer und Rektor hat der Ex-GHS-Leiter nun in einem Buch zusammengefasst.

Wedel | Rund eineinhalb Jahre ist es her, dass Antonius Soest den Chefsessel an der Gebrüder-Humboldt-Schule räumte und in den Ruhestand ging. „Langweilig ist mir seitdem nicht geworden“, sagt der ehemalige Schulleiter. Das Thema Schule hat aber weiterhin sein Leben bestimmt. Seine Erkenntnisse aus seiner Zeit als Lehrer und Rektor hat er nun in einem Buch zusammengefasst. „Lernen heißt, aus seinem eigenen Schatten zu treten – Kritische Meditation über die Schule“ ist im idbidem Sachbuch-Verlag erschienen.

Antonius Soest wurde 1951 geboren. Nach seinem Abitur studierte er Germanistik und Geschichte und war an einer zweiklassigen Dorfschule im sauerländischen Brachten, Gymnasien im Sauerland und Hamburg, einer Hauptschule in Frankfurt und einer kooperativen Gesamtschule in Elmshorn tätig. Bis zu seiner Pensionierung im Februar 2015 leitete er die Gebrüder-Humboldt-Schule in Wedel.

„Niemand sollte aus seinem Beruf entlassen werden, ohne noch einmal über seine Tätigkeit zu reflektieren. Was kann man besser oder anders machen? Welche Berufs- und Lebenserfolge habe ich erreicht? Welches Wissen möchte ich weitergeben“, sagt Soest. Dass er nach seiner Laufbahn im Schuldienst ein Buch verfassen werde, stand für Soest schon früh fest. „Ich habe eineinhalb Jahre geschrieben, aber die geistige Vorarbeit ist in den letzten 64 Jahren erfolgt“, erläutert er. Ideen und Gedanken im Arbeitsalltag notierte er auf kleinen Zetteln und sammelte sie in der Schublade seines Schreibtischs. Diese hat er nun im 228 Seiten umfassenden Werk zusammengefasst.

Soest setzt sich mit den Bedingungen erfolgreichen Lernens, und vor allem mit der Rolle des wichtigsten Orts des institutionellen Lernens, der Schule, auseinander. „Lernende sind zunächst einmal Kinder, aber auch Eltern und alle Lehrenden. Und wenn Politiker über Bildung reden, kann man nur hoffen, dass sie Lernende sind“, wünscht sich Soest. Ihn habe überrascht, wie viele Kinder das Gefühl hätten, in der Schule zu scheitern. „Warum verlassen Kinder nicht in großer Zahl glücklich die Schule?“, fragt Soest. Es sei nicht notwendig, die Schule als schmerzhafte Lebensphase zu empfinden. Dafür sei aber wichtig, dass Kinder sich als Lernende entdecken. „Ein Lernprozess ist auch ein Vorgang, der mit Glück zu tun hat. Glück hat mit Berührung zu tun. Beim Lernen komme ich in Berührung mit mir selbst, aber beim gemeinsamen Lernen auch in Kontakt mit anderen Menschen“, sagt Soest.

Dieses Gefühl müsse auch in der Schule vermittelt werden. „Jedes Kind will engagiert sein. Ein kleiner Held sein. Diese Möglichkeiten muss man bieten“, sagt der Schulleiter a.D. Kindern müsse daher Zeit eingeräumt werden, sich selbst wahrzunehmen, was derzeit komplett unterschätzt werde. „Dafür braucht man Zeit und Menschen. Jemand, der lernt, darf sich nicht als Verlierer fühlen, denn wer nicht mehr lernt, wird sich fremd“, ist sich Soest sicher.

Demokratische Kultur in einer Schule ist wichtig

„Es ist für mich eine Fehlentwicklung, dass Lernen nur auf Noten reduziert wird“, kritisiert er. Eltern hätten Angst, dass Kindern Chancen verbaut werden. „Wir können nicht erwarten, dass wir Kinder für anspruchslose Arbeiten produzieren, wo man nicht denken muss. Das war schon immer inhuman. Solche Tätigkeiten gibt es heute auch nicht mehr“, mahnt Soest. Für ihn sei eine demokratische Kultur in der Schule wichtig, die im gemeinsamen Lernen umgesetzt wird. „Das sorgt für ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Aber die Aufgabe der demokratischen Lernkultur steht uns noch bevor. Dadurch haben wir viel zu gewinnen“, ist Soest überzeugt.

Dies sei allerdings nur möglich, wenn Mittel zur Verfügung gestellt werden. „Wir hangeln uns von Bildungskatastrophe zu Bildungskatastrophe. Es müssen notwendige Strukturen geschaffen werden und Mittel zur Verfügung gestellt werden, um das erfolgreiche Lernen zu ermöglichen“, so Soest. Es müssten die gleichen Rahmenbedingungen sichergestellt werden, die jede Schule in der Praxis selbst verantworte. Dennoch ist Soest überzeugt: „Es gibt keine ideale Schule. Es sind immer Menschen, die Schule machen. Es gibt keinen Ratgeber, sondern es liegt in der Fantasie der Beteiligten.“ Daher soll auch sein Buch keine Anleitung sein, sondern eine Diskussion anstoßen.

Sein erstes wird vermutlich nicht sein letztes Buch sein. „Jeder hat eigentlich erwartet, dass ich etwas über Inklusion schreibe“, sagt Soest und fügt lachend hinzu: „Das würde ich schon gerne angehen.“ Zeit dafür hat er. Denn einer seiner Wünsche wird sich nicht erfüllen: „Eigentlich würde ich gerne ausprobieren, ob sich meine Reflexion über Schule in der Praxis umsetzen lassen.“

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erstellt am 07.Sep.2016 | 15:00 Uhr

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