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Wedel-Schulauer Tageblatt

08. Dezember 2016 | 21:20 Uhr

Erinnern an den Nazi-Terror : Am Puttener Weg: Ein Denkmal für die Verschleppten

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Die Tafel erläutert das Barlach-Graffito am Puttener Weg. Erinnerung an 16 Niederländer in der Wedeler KZ-Außenstelle.

Wedel | Mancher Passant hat sich wohl schon gefragt, was es mit dem großen Graffito am Puttener Weg auf sich haben mag. Der „schwebende Engel“ von Ernst Barlach hat es ganz offensichtlich inspiriert. Daneben das Käthe-Kollwitz-Zitat: „Das ist nun einmal mein Testament: Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden! Diese Forderung ist wie ‚Nie wieder Krieg!’ kein sehnsüchtiger Wunsch, sondern Gebot“.

Jetzt ist das Kunstwerk um eine Erklärungstafel ergänzt worden. In Deutsch, Holländisch und Englisch erinnert es an die Verschleppung von 659  Männern aus dem niederländischen Dorf Putten im Oktober 1944. 16 von ihnen kamen in der Wedeler Außenstelle des KZs Neuengamme ums Leben.

Zur Enthüllung der Tafel war eine größere Delegation aus Putten angereist. Im Stadtteilzentrum „mittendrin“ wurden sie von Irmgard Jasker, Sprecherin des Arbeitskreises gegen Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit, und von Bürgermeister Niels Schmidt (parteilos) begrüßt. Auch zahlreiche Politiker hatten sich eingefunden. Nach dem gemeinsamen Essen zogen die Deutschen und ihre holländischen Gäste zum Puttener Weg, wo die KZ-Außenstelle ihren Standort hatte.

Mit den Worten, „Ich bin der Sprayer“ gegrüßte Graffito-Schöpfer Johann Lucht die Gruppe. Die beiden Künstler Ernst Barlach und Käthe Kollwitz seien Freunde gewesen. Eine entschiedene Ablehnung von Krieg und Gewalt habe sie verbunden, erläuterte Lucht. Deshalb habe er Barlachs „Güstrower Ehrenmal“ und das Kollwitz-Zitat hier zusammengebracht. Dann enthüllten Jasker und Reijer van den Berg von der Puttener Stiftung „Oktober 44“ die neue erklärende Tafel.

Zum Gedenken: Rejer van den Berg und Irmgard Jasker enthüllen die neue Erläuterungstafel am Puttener Weg.
Zum Gedenken: Rejer van den Berg und Irmgard Jasker enthüllen die neue Erläuterungstafel am Puttener Weg. Foto: Stolzenberg
 

Für den Künstler wie auch für den Wedeler Rathauschef hatten die Holländer Bücher über die Verschleppung der Puttener mitgebracht, allerdings nur auf Holländisch, schränkte Pieter Dekker etwas verlegen ein. „Ich kann Platt, da werde ich das hoffentlich verstehen“, beschwichtigte Schmidt.

Zum Abschluss der Feier zogen alle zum Putten-Denkmal an der Rissener Straße. Dort kämpfte Pastorin Susanne Huchzermeier-Bock lautstark gegen den Verkehrslärm, um ihrer ausführlichen Würdigung der Ereignisse vom Oktober 1944 Gehör zu verschaffen. Für den musikalischen Rahmen sorgte während der Einweihung Posaunist Freimut Stümke.

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erstellt am 05.Okt.2016 | 16:15 Uhr

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