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Wedel-Schulauer Tageblatt

11. Dezember 2016 | 05:18 Uhr

Wegenetz in Wedel : ADFC: Konzepte vor Investitionen

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Der Fahrradclub sieht generelle Defizite in der Verkehrsführungsplanung und hofft auf rege Beteiligung am Fahrradklimatest.

Wedel | Neun Prozent erfordern sofortigen Handlungsbedarf, bei 72 Prozent muss die Stadt kurz- oder mittelfristig tätig werden: Es steht nicht gut um Wedels Radwege. Nach dem miesen Abschneiden Wedels beim ADFC-Fahrradklima-Test 2014 zeigt auch die jüngste Bestandsaufnahme, dass in der Stadt einiges im Argen liegt, was die Situation der Radfahrer angeht. 50.000 Euro will die Verwaltung in den Haushalt einstellen, um 2017 erste Sofortmaßnahmen angehen zu können. Der ADFC Wedel dagegen sagt: Vor Investitionen müssen Konzepte stehen.

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist laut Eigenauskunft die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit. Der Test  wird gefördert vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Mehr als 100.000 Menschen hätten bei der jüngsten Auflage im Herbst 2014 abgestimmt und die Fahrradfreundlichkeit in 468 Städten beurteilt – nur 16 Prozent waren nach Club-Angaben ADFC-Mitglieder.  Der Test besteht aus 27 Fragen. Die Teilnehmer bewerteten mit Noten von 1 bis 6 beispielsweise, ob Radfahren Spaß oder Stress bedeutet, ob die Stadt in letzter Zeit viel für den Radverkehr getan hat, ob es häufig Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern gibt und ob man sich als Radfahrer sicher fühlt. Mehr Informationen unter www.fahrradklimatest.de.

Prädikat „unzumutbar“ für neun Prozent der Radwege: „Ich halte das fast für zu niedrig gegriffen“, sagt Wedels ADFC-Sprecher Jürgen Lieske. Bereits vor rund drei Jahren hatten die organisierten Radler in der Rolandstadt gefordert, den Radverkehr ob der vielerorts schlechten Situation bei einer Führung im Gehwegbereich auf die Fahrbahn zu verlegen. Eben dies stellt auch die Verwaltung als Grundsatzüberlegung in den Raum. Lieske weist indes darauf hin, dass der ADFC dafür Fahrradstreifen vorsieht – mit durchgängiger Linie, die nicht überfahren werden darf. Feldstraße und neu die Bahnhofstraße sind in dieser Hinsicht ebenfalls Kompromisse: Hier gibt es lediglich Schutzstreifen mit gestrichelter Linie, die Aufofahrer überfahren können.

Beispiel B 431 zwischen Bahnhof und Industriestraße: Zwei Abschnitte sind bereits aufwändig saniert, ein dritter ist bereits geplant, jeweils mit abmarkierten Radwegen im Fußweg-Bereich. Zwar seien Radfahrer in den meisten Abschnitten gut sichtbar. Dennoch wertet der ADFC auch diese Lösung nur als Kompromiss. Auch hier sähe der Club schmalere Gehwege und breitere Fahrbahnen mit eigenen Radstreifen als Ideallösung an.

50.000 Euro bezeichnet Lieske zwar als Hausnummer, mit der durchaus erste Maßnahmen angegangen werden könnten. Wedel müsse jedoch erstmal überlegen, wie die Radfahrer geführt werden sollen. „Man darf nicht nur auf die größten Schlaglöcher schauen“, so der Fahrradclub-Sprecher – sondern auch auf Funktion und mögliche Frequenz. Stichwort Velorouten. Pläne dafür liegen laut Lieske seit Jahren in den Schubladen. Im Bewusstsein der Entscheider aber seien sie nicht. Wie die Wohnbebauung auf dem Gelände der alten Schwimmhalle an der Rudolf-Breitscheid-Straße am Durchstich zum Mühlenweg zeige. Eine Veloroute, weiß Lieske. Die Radfahrerführung gemeinsam mit Fußgängern teils über 90-Grad-Kurven werde dem jedoch nicht gerecht.

Der Fahrradklima-Test ist ein ein Mittel, um eben Bewusstsein für die Radfahrer-Situation zu wecken. Aktuell läuft gerade eine Neuauflage. Zur Erinnerung: 2014 landete Wedel auf Rang 274 von 292 im Bundesvergleich der Städte unter 50  000 Einwohnern und im Landes-Ranking auf Platz 18 von 21. Wie Wedel in diesem Jahr abschneidet? Lieske mag keine Prognose wagen. Er hofft jedoch auf breite Beteiligung. Wer nicht online teilnehmen, sondern einen Papierbogen ausfüllen möchte, hat dazu bei der Klebe-Codieraktion des ADFC am Sonnabend, 8. Oktober, zwischen 10 und 13 Uhr an der Doppeleiche Gelegenheit. Das Codieren kostet acht Euro, ein Eigentumsnachweis für das Rad ist Voraussetzung.

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erstellt am 06.Okt.2016 | 14:00 Uhr

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