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Wedel-Schulauer Tageblatt

30. September 2016 | 15:27 Uhr

Wedel : Abtauchen in die Unterwelt

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Führungen durch die Bunker im Tonnenhafen zum Tag des offenen Denkmals

Diese Einblicke gibt es nicht alle Tage: Der Tonnenhafen öffnet seine Tore, um Interessierten zum Tag des offenen Denkmals die beiden Bunkeranlagen auf dem Gelände der Bundesanstalt zu zeigen. Eine, die nie ihre Zwecke erfüllen musste, und eine, die bei so manchem Wedeler Kriegserinnerungen wecken wird.

Massiv erhebt sich ein begrüner Klotz in der Osthälfte des Geländes vor dem Hafenbecken. Luftschutzräume aus dem Zweiten Weltkrieg. 1943 oder 44 gebaut, schätzt Oliver Wleklinski. Der Wedeler Sozialamtsleiter ist Mitglied der „Hamburger Unterwelten“, die die Führungen am Sonntag, 13. September, auf die Beine gestellt haben. Insgesamt neun Mal eine Stunde zwischen 11 und 15 Uhr. Wie massig der Bau ist, auf dessen Dach einst eine Flak montiert war, zeigen Fensterschächte, die nachträglich eingezogen wurden. Rund zweieinhalb Meter liegen zwischen Innenwandputz und Holzverschlag an der Außenseite.


Auch Bürger fanden dort Schutz


Wände, hinter denen sich die Arbeiter des damaligen Reichstonnenhafens, aber auch Bürger, die in Elbnähe wohnten, bei Fliegeralarm in Sicherheit brachten. Das hat Wleklinski aus erster Hand: Sein Vater hat ihm selbst von den Bunker-Aufenthalten erzählt. Wofür Wleklinski dagegen bislang keine Belege finden konnte, ist die häufig geäußerte Annahme, dass der Bau als Teil der in Wedel geplanten gigantischen unterirdischen U-Boot-Werft mit dem Decknamen „Wenzel“ gedacht war.

Unterirdisch im Deichfuß, erreichbar über das Betriebsgebäude des Tonnenhafens, ist die zweite Anlage, der „Sonderschutzbau für Hauptzentralen Wedel“. Errichtet 1973, ist er sprechendes Relikt des Kalten Krieges. Ausgerichtet für etwa 20 bis 30 Personen sollte dort so genanntes betriebswichtiges Personal ABC-geschützt unterkommen. Betriebswichtig, weil der Bau mehr als nur Schutzfunktion hatte. Er sollte es als eine von sieben Hauptzentralen im Krisenfall ermöglichen, die Elbe als Verkehrsweg weiter nutzen zu können.

Luftfilter, Dieselgenerator und eine große mittlerweile demontierte Schaltzentrale waren installiert, um sämtliche Seezeichen auf der Elbe weiter steuern zu können, weiß Wleklinski. Auch die Wasserstände ließen sich von Wedel aus kontrollieren. Heute dient der Bunker als Lager und Raum für den Notstrom-Aggregat des Hafens.

Für die Führungen sind laut Wleklinski noch Restplätze frei. Aus Sicherheitsgründen sind Anmeldungen unbedingt erforderlich. Möglich ist dies im Internet auf der Homepage der „Hamburger Unterwelten“.

 


> www.hamburgerunterwelten.de

 

 

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erstellt am 10.Sep.2015 | 16:00 Uhr

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