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Lokales

25. März 2017 | 14:41 Uhr

Aus dem Gericht : Verhandlung um verletzten Bullen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Zwei Landwirte aus Südtondern sind einer Straftat nach dem Tierschutzgesetz angeklagt Der Vorwurf: Sie hätten ein Rind „einer Tortour“ ausgesetzt.

„Wenn ein Tier nicht brüllt, bedeutet das nicht, dass es keine Schmerzen hat. Jeder Bruch ist sehr schmerzhaft. Dieses Rind hätte niemals transportiert werden dürfen.“ Eindeutig fällt vor dem Amtsgericht Niebüll die Aussage der Tierärztin aus, die auf dem Schlachthof Petersen überprüft, ob die angelieferten Tiere gesund sind. Auf den rund 400 Kilogramm schweren Mastbullen, der dort Ende August 2015 von einem Hof im nordöstlichen Südtondern angeliefert wird, trifft dies nach Einschätzung der Tierärztin ganz sicher nicht zu.

„Der glatte Bruch im rechten Hinterbein war sofort erkennbar. Das Tier stand nur noch auf drei Beinen“, berichtet die Ärztin. Für das Rind sei der Transport und das Heruntertreiben vom privaten Anhänger der Landwirtsfamilie eine Tortur gewesen. Und – laut Anklage – auch eine Straftat nach dem Tierschutzgesetz, die mit einer Geldstrafe, in schweren Fällen sogar mit einer Gefängnisstrafe geahndet werden kann.

„Beim Ausladen hatte der Bulle sichtbar mehr Schmerzen als beim Einladen“, sagt der 1950 geborene Landwirt vor Gericht aus. Doch entgegen der Einschätzung der Tierärztin berichten er und sein Sohn, dass das Tier zwar gelahmt habe, beim Verladen aber sehr wohl noch auftreten und auf vier Beinen laufen konnte. Dass der Bulle verletzt sei, habe er während der morgendlichen Fütterung gemerkt, berichtet der Landwirtssohn. Das Tier sei nicht gleich aufgestanden. Als es sich dann erhoben hatte, habe der Landwirt gesehen, dass es lahmte. „Da einen Monat später schon die Schlachtung angestanden hätte, habe ich meinen Vater gebeten, das Tier zum Schlachthof zu fahren.“

„Was hätten Sie getan, wenn der Schlachttermin nicht unmittelbar bevor gestanden hätte?“, möchte die Richterin wissen. „Dann hätte ich den Tierarzt gerufen“, antwortet der Landwirtssohn. „Was hätten Sie getan, wenn Sie gewusst hätten, dass das rechte Bein gebrochen ist?“, fragt der Vertreter der Anklage. „Dann wäre das Tier eingeschläfert und zum Abdecker gebracht worden“, lautet die Antwort. Auf dem Teller der Verbraucher hätte das Rind dann nicht mehr landen dürfen. Dem Vater fiel beim Verladen eine „Schonhaltung“ des Tieres auf. „Das hätte doch als Anzeichen von Schmerzen gewertet werden müssen, durch Schmerzen werden Schonhaltungen verursacht“, sagt dazu der Vertreter der Anklage.

Hätte aus einer möglichen Zerrung oder einem Sehnenriss des Tieres während der gut einstündigen Fahrt zum Schlachthof ein Bruch werden können? Das schließt die Tierärztin aus. Sie räumt ein, dass sich theoretisch die vom Bruch betroffenen Knochen während der Fahrt verschoben haben könnten. Doch sie betont: „Auch mit einem angebrochenen Bein hätte das Tier nicht transportiert werden dürfen.“ Die Schmerzen wären vergleichbar groß gewesen, der Bulle hätte im heimischen Stall getötet werden müssen, um ihm vermeidbare Qualen zu ersparen. „Bei sichtbaren Schmerzen muss der Tierarzt gerufen werden, um zu entscheiden, ob ein Tier transportfähig ist“, sagt die Tiermedizinerin.

Die Verteidiger der beiden Landwirte werfen der Ärztin eine zu hohe Emotionalität vor. Sie möchten genau wissen, ob tatsächlich ausgeschlossen werden kann, dass sich der Bulle das Bein erst während der Fahrt gebrochen haben kann, dass sich der Zustand des Tieres während des Transports gravierend verschlechtert habe und dass ein Rind mit angebrochenem Bein nicht auf vier Beinen laufen kann. „Wir würden auf ein Gutachten, das diese Fragen klärt, verzichten, wenn diese Verhandlung mit einem Freispruch endet“, sagt einer der Anwälte. Dies scheint aus Sicht des Gerichts unwahrscheinlich zu sein. „Die Verhandlung wird mit einem entsprechenden Gutachter am 27. Februar fortgesetzt“, verkündet die Richterin.

Der Bulle mit dem gebrochenen Bein wurde nach seinem laut Anklage unnötig leidvollem Transport auf dem Schlachthof dann schnell von seinen Schmerzen erlöst. 

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erstellt am 20.Feb.2017 | 06:00 Uhr

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