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Uetersener Nachrichten

10. Dezember 2016 | 09:58 Uhr

Im Bann des geschriebenen Wortes : Thela Maria Haack leitet einen der ältesten Literaturkreise in der Region

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Seit 18 Jahren gibt es sie, kommen die Mitglieder einmal im Monat zusammen, um über ein gelesenes Buch zu diskutieren, sich die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für die Handlung zu erarbeiten, sich dem Autor anzunähern.

Uetersen | Die Literatur macht es einem nicht immer leicht. Wenn sich etwa ein zähes Thema wie ein nasser Lappen über die Sprache legt und die filigrane Schönheit der Sätze verdeckt oder sperrige Satzungetüme die Annäherung an ein interessantes Thema zu einem intellektuellen Hürdenlauf werden lassen, hat der Leser zuweilen harte Arbeit. Im Kreis um Thela Maria Haack, der sich alle vier Wochen im Tornescher Heimathaus versammelt, kennt fast jede diesen Moment. Dann offenbart sich wohl der echte Bücherfreund, der dem Werk loyal auch dann die Treue hält, wenn er nichts mit ihm anfangen kann. „Manchmal ändert man seine Meinung über ein Buch nach der Auseinandersetzung im Literaturkreis, oder man liest es nach der Diskussion zum zweiten Mal und entdeckt dann ganz neue Aspekte“, sagt Haack, die als ehemalige Leiterin der Gemeindebücherei so etwas wie eine Profileserin ist.

Ihre Gruppe dürfte zu den ältesten in der Region gehören. Seit 18 Jahren gibt es sie, kommen die Mitglieder einmal im Monat zusammen, um über ein gelesenes Buch zu diskutieren, sich die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für die Handlung zu erarbeiten, sich dem Autor anzunähern. Immer mal wieder sind Mitstreiter in der Vergangenheit dazugekommen, andere haben aufgehört. Bis heute gibt es aber einen harten Kern, der die geselligen Runden um keinen Preis missen möchte, den besonderen Mix aus Lektüre und Gespräch als persönliche Bereicherung begreift und als Chance für eine ständige Weiterentwicklung. „Spannend wird es vor allem dann, wenn nicht alle einer Meinung sind“, sagt etwa Margret Ziegler.

166 Bücher haben sie inzwischen gemeinsam durchgeackert, darunter Klassiker, Bestseller wie Volker Weidermanns „Ostende“ oder Autobiografisches wie Hanns-Josef Ortheils „Die Erfindung des Lebens“. Immer wieder berührte sie die deutsche Geschichte, ließen sie sich faszinieren von der Dynamik einer sich verändernden Gesellschaft oder der emotionalen Kraft menschlicher Schicksale, blickten sie über den literarischen Tellerrand. Durch die Welt haben sie sich gelesen, waren im Baltikum, in Israel, Afghanistan, China, Indien und Pakistan, Deutschland natürlich und den USA. Bei der Auswahl der Lektüre einen Konsens zu finden, fällt ihnen nicht schwer. Sie warten, bis Neuerscheinungen als Taschenbuch auf dem Markt sind oder greifen zu Büchern, „die uns neugierig machen“, wie Margret Ziegler sagt. Dabei ist Gründerin Thela Maria Haack so etwas wie die Seele des Literaturkreises. Sie moderiert die Sitzungen, greift beherzt zur Porzellan-Glocke, wenn eine Diskussion auszuufern droht und sie ihre Damen zu Gesprächsdisziplin mahnen möchte. Sie ist auch eine der wenigen in der Gruppe, die vor dem Schlafengehen im Bett zum Buch greifen. Aber einen Lieblingsplatz für die Lektüre haben alle Mitglieder des Literaturkreises, einen Sessel, eine Bank, ein Sofa. Wenn sie hier Platz nehmen, weiß die Familie: Unterbrechungen sind jetzt nicht angesagt.

Dann wird das Lesen richtig Arbeit, füllt sich das Buch mit farbigen Klebezettelchen. Und am Ende steht ein Titel mehr in den privaten Aufzeichnungen eines jeden Mitgliedes. Denn auch das teilen die Damen: Sie führen Buch über die gelesenen Bücher.

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erstellt am 10.Aug.2016 | 16:12 Uhr

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