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Uetersener Nachrichten

25. April 2017 | 20:20 Uhr

Stabat Mater in der Klosterkirche

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

PassionskonzertKantorei und Kieler Philharmoniker sangen und spielten eindrucksvoll von den Leiden der Maria

Mit „Stabat Mater“ ist dem Chor „Kantorei Uetersen-Am Kloster“ unter der Leitung von Eberhard Kneifel sowie seinen Gastmusikern ein beeindruckendes, mitreißendes Konzert gelungen. Vor den gut gefüllten Bänken in der Kirche am Kloster sangen sie am Sonntagabend über die schmerzerfüllte Mutter Gottes.

„Es geht um das Leid einer Mutter. Einer Mutter, die ihr Kind sterben sehen muss“, erläuterte Chormitglied Esther Kreitschik das Thema von Karl Jenkins „Stabat Mater“. „Maria, die minderjährig und unbefleckt ein Loblied auf ihre Schwangerschaft singt – unvorstellbar! Maria, die unter dem Kreuz das Leiden und das Sterben ihres Sohnes begleitet – unvorstellbar!“, leitete Chorleiter Kneifel das Konzert ein. Das mittelalterliche, auf Latein verfasste Originalgedicht hat Komponist Jenkins in seiner Version von 2008 um weitere, eigene Strophen ergänzt. Die Kantorei übernahm die Chorgesänge mit den lateinischen Texten, die Mitglieder der Kieler Philharmoniker spielten dazu. Altsolistin Schirin Partowi sang eingeschobene, folkloristische Sätze, begleitet teils von Marat Çakmaz auf der orientalischen Längsflöte Ney, teils von leiser Untermalung durch Streich- und Blasinstrumente.


Die Musik ist sehr eindringlich


Das Werk begann mit dem „Cantus lacrimosus“, in dem die Mutter bei ihrem leidenden Sohn steht. In die sehr eindringliche Musik, die sich in ihrer Dramatik und Dichte steigerte, mischten sich bereits angedeutete und eingestreute orientalische Klänge. Es folgte „Incantation“ in früher arabischer Sprache. Partowi sang das Gebet an die Mutter Gottes in orientalischer Art, in ihren Gesangspausen spielte Cakmaz die Ney.

Anschließend erhoben sich wieder die 52 Stimmen der Chorsänger zum „Vidit Jesum in tormentis“, in dem es um das Mitgefühl mit Maria geht. Die melancholischen, sehnsüchtigen Klänge mit vielen weiblichen Moll-Tönen erinnerten in ihrem Charakter an moderne Filmmusik. In „Lament“, einem Gedicht in englischer Sprache, wiederum vorgetragen von der Solistin, heißt es: „Wir hören Schreie der Kinder, wir sehen (…), wie Mütter in ihrer Trauer schreien, weinen für diese Welt.“ Aber auch die Hoffnung klingt hier an: „Unsere Tränen können die Sünden der Welt reinwaschen, kein Weinen, kein Schreien mehr in dieser Welt.“

Die Veranstalter haben dieses moderne Werk mit ihrer Plakat- und Programmheftgestaltung in einen aktuellen Kontext gestellt. Denn die abgebildete Frau mit ihrem Kopftuch, dem Umhang und dem Baby auf dem Arm sieht der Heiligen Jungfrau auf den ersten Blick sehr ähnlich. Abgebildet ist jedoch eine Flüchtlingsfrau, umwickelt mit einer Alu-Rettungsdecke, die ihr blasses, zierliches Baby mit Brei füttert. Gemeint ist, dass wir unser Mitleid sowohl der Mutter Gottes als auch allen anderen Müttern dieser Welt schenken sollen, die ihre Kinder leiden sehen.

In „Stabat Mater“ sind die Passagen in verschiedenen Sprachen verfasst: Neben Latein, Arabisch und Englisch sind auch Aramäisch, Hebräisch und Griechisch vertreten. „Das Stück spiegelt die Sprachvielfalt zu Lebzeiten Jesu wider“, schreibt Chorsängerin Kreitschik im Programmheft. Und auch musikalisch verbindet Jenkins „Aspekte der klassichen Musik mit den ethnischen Klängen verschiedener Kulturkreise, er verknüpft darin die Antike mit der Moderne und spannt einen Bogen zwischen Morgen- und Abendland“.

Musikalisch entwickelte sich das Stück mal langsam und schmerzvoll, mal laut und schnell, mit verstörend-schnellen Rhythmen wie in „Sancta Mater“, in dessen Klängen sich das Unvermeidliche des Geschehens widerspiegelte. Und sowohl die einzelne Stimme Partowis als auch der vielstimmige Kantorei-Chor zauberten den Zuhörern in der wunderbaren Akustik der Klosterkirche Gänsehaut.


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