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Uetersener Nachrichten

07. Dezember 2016 | 17:28 Uhr

Planspiel in Uetersen : Schüler lernen Politik kennen

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Zehntklässler der Rosenstadtschule spielten Ratsversammlung. WC-Anlage für den Grillplatz war Thema.

Uetersen | Wie sieht Politik vor Ort aus? Welche Möglichkeiten der Mitbestimmung gibt es in Uetersen? Schüler der zehnten Jahrgangsstufe der Rosenstadtschule wollten es wissen und beteiligten sich am Planspiel Ratsversammlung, erdacht von Heike Baumann, während ihrer Tätigkeit als Bürgervorsteherin. In loser Folge werden ältere Schüler mit einem politischen Thema konfrontiert, das sie bearbeiten und möglichst auch lösen sollen. Die Schüler sollen dabei lernen, wie die Arbeit der in der Rosenstadt ehrenamtlich tätigen Politiker täglich aussieht.

Das zu behandelnde Thema war die mögliche Errichtung einer WC-Anlage auf dem Grillplatz an der Heidgrabener Straße. Nun war nicht jedem die Möglichkeit dieses öffentlichen Grillens bekannt. Doch den Schülern war bewusst, dass, wird dort zu einem Grillvergnügen eingeladen, irgendwann ein Bedürfnis einsteht. Und dann? Das Gebüsch ist in der zivilisierten Welt nicht immer die richtige Lösung. Und die nächste öffentliche WC-Anlage (Museum Langes Tannen) ist 750 Meter entfernt.

Eine leichte Lösung, das merkten die Jugendlichen schnell, gibt es nicht. Einfach den Finger zu heben und damit Kosten in Höhe von 180.000 Euro zu verursachen − für manch’ Pennäler kam das gar nicht in Frage. Alternativen mussten her. Und die wurden in intensiver Fraktionsarbeit gesucht und auch gefunden. Zum Planspiel Ratsversammlung gehört nämlich auch das: Das Aufteilen der Schüler in Fraktionen sowie die Wahl des Bürgervorstehers und der Stadträte.

Entscheidung wie in der „echten“ Politik

Warum 180.000 Euro ausgeben, wenn es auch billiger geht? Eine Fraktion schlug ein Kompost-WC vor. Eine solche Anlage koste, so die Begründung, nur 4000 Euro. Und die notwendigen Stromkosten könnten per Solarenergie erzeugt werden. Eine andere Fraktion machte sich für das Aufstellen von Dixie-WCs stark. Drei Fraktionen befürworteten schließlich die Kompost-WC-Anlage. Da jedoch noch weiterer Beratungsbedarf bestand, einigten sich die Akteure darauf, das Thema noch einmal zu behandeln und verwiesen die WC-Anlage zurück in die Fraktionen. Und genau das kommt gar nicht so selten auch in Wirklichkeit vor. Guter Stil in der Ratsversammlung ist es, Sachverhalte, die noch nicht für alle Fraktionen entscheidungsreif sind, zurück zu verweisen und später noch einmal im Plenum zu behandeln. Das Planspiel Ratsversammlung wurde diesmal von Rolf Maßow vorbereitet. Unterstützung erhielt das Ratsmitglied von Mitgliedern der im Rat vertetenen Parteien, die sich als Paten zur Verfügung stellten. Die Profis begleiteten die einzelnen Schüler-Fraktionen und beantworteten zum Beispiel Verständnisfragen. In die Meinungsbildungsprozesse mischten sie sich jedoch nicht ein.

Auch morgen sind Zehntklässler der Rosenstadtschule zu Gast im Rathaus. Sie werdeen sich ebenfalls mit dem Thema „WC-Anlage auf dem Grillplatz“ auseinandersetzen. Hintergrund dieses Planspiels: Ehrenamtliche Politiker nicht nur in Uetersen werden immer älter. Ihnen fehlt der Nachwuchs. Über das Planspiel erhoffen sich die Ratsfrauen und -herren, Interesse bei den Jugendlichen zu wecken, um diese vielleicht demnächst in einem Ausschuss begrüßen zu können. Dass sie diesbezüglich jedoch weiterhin „dicke Bretter“ bohren müssen, zeigte sich, als seitens der Schülerschaft zwar artikuliert wurde, jetzt mehr Respekt vor der politischen Arbeit zu empfinden, das Interesse an einer Mitarbeit jedoch ausblieb. Man binde sich einfach zu lange, so der Tenor der vielfach bereits Wahlberechtigten.

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erstellt am 06.Okt.2016 | 12:15 Uhr

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