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Uetersener Nachrichten

10. Dezember 2016 | 23:35 Uhr

Pilgern: Besinnung und Reinigung

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Interreligiöser GesprächsabendKatholiken, Protestanten und Muslime tauschten sich über das Wallfahren aus

Bereits zum dritten Mal trafen sich Vertreter der islamischen und der christlichen Gemeinden in der Rosenstadt zu einem interreligiösen Gesprächsabend, diesmal zum Thema Pilgern. Thomas Kleibrink, Diakon der katholischen Christkönig-Kirche, berichtete über seine Wallfahrtserfahrungen nach Lourdes, Sedat Simsek, Vorsitzender des Verbands „Islamische Religionsgemeinschaft DITIB Hamburg und Schleswig-Holstein“, erklärte die rituelle Pilgerfahrt „Haddsch“ nach Mekka und Mitglieder der Gemeinde am Kloster, Horst Bartels und Maren Petersen, schilderten ihre Pilgerreisen aus protestantischer Sicht.

Das Sich-auf-den-Weg-Machen sei Bestandteil aller Weltreligionen und auch im Buddhismus und Hinduismus bekannt, so Thomas Kleibrink. Dabei gehe es um eine Kontaktaufnahme, man trete in Verbindung zu Gott und zu sich selbst. Nach Lourdes, einem kleinen Städtchen in Südfrankreich, pilgerte Kleibrink das erste Mal vor fünf Jahren. In dem Marienwallfahrtsort soll im Jahre 1858 einem kleinen Hirtenmädchen Maria erschienen sein, Heilungswunder folgten. „Das Ganze dort hatte ein bisschen was von einem kirchlichen Freizeitpark“, erinnert sich der Diakon, „an jeder Ecke gab es ein spirituelles Angebot.“ Zunächst irritiert, entdeckte Kleibrink bei genauerem Hinsehen jedoch sein eigenes Wunder von Lourdes: „Überall sah ich Freude in den Gesichtern, auch bei den Kranken und den Helfern. Der Ort inspiriert die Menschen, zueinander zu kommen und sich umeinander zu kümmern.“


Pilgern ist eine der fünf Säulen des Islam


Im Islam ist das Pilgern eine der fünf Säulen. „Wenn erfüllbar, ist jeder Muslim zum Haddsch nach Mekka wenigstens einmal im Leben verpflichtet“, erklärte der DITIB-Nord-Vorsitzende den rund 40 Teilnehmern. Möglich ist der Haddsch nur, wenn der Gläubige „frei, volljährig und gesund ist“, soŞSimsek „zudem braucht er die finanziellen Möglichkeiten, denn die Pilgerfahrt kostet etwa 5000 Euro.“ Der rituelle Ablauf ist genau festgelegt. Am achten Tag des Monats „Dhu l-Hiddscha“ des muslimischen Kalenders machen sich die Frauen und Männer auf nach Mekka, wo sie einen Weihezustand einnehmen und sich in weiße Tücher hüllen. „In der Ebene Arafãt, 20 Kilometer südlich von Mekka, kommt es zum zentralen Haddsch-Ritual, dem Gebet und Verweilen bis zum Sonnenuntergang, dem symbolischen Stehen vor Gott“, erläutert der Muslim. Wer das mehrtägige Ritual durchlebt hat, soll von allen früheren Sünden befreit sein. Der Protestant Horst Bartels ist die letzten 550 Kilometer vom Jakobsweg gepilgert, bis Santiago de Compostela. „Die ersten Tage kämpft man mit sich selbst und seinen Füßen, es ist heiß“, berichtete Bartels von den Strapazen, „doch nach drei bis vier Tagen ist die Kraft und Ausdauer da.“ Sein Fazit aus diesem Erlebnis ist: „Das hat mir gut getan, meine eigene Seele war auf Kur durch diese Erfahrung von Stille, Entschleunigung und der Möglichkeit, die Schöpfung zu spüren.“ Als Maren Petersen, ebenfalls Gemeindemitglied der Klosterkirche, sich für das Pilgern entschied, drehte sich ihr Leben im Kreis. Auf dem dänischen Heerweg wanderte sie von Padborg bis Viborg. „Als Pilgerin war ich auf der Suche nach Gott, nach Antworten, nach mir selbst“, beschreibt Petersen ihr Erlebnis, „ich konnte zwar meine Füße lenken, aber nicht meine Gedanken.“ Siekonnte Kraft schöpfen und zu sich kommen.

Bei einem leckeren Essen, das Buffet war von Gemeindemitgliedern der Grünen Moschee gestiftet worden, hatten die Gäste anschließend Gelegenheit zu Gesprächen und zu einem Erfahrungsaustausch. Prediger Torsten Küster vom Martin-Luther-Haus sprach den aaronitischen Segen, Imam Hakan Dertlio lu den islamischen auf Arabisch.

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