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Uetersener Nachrichten

04. Dezember 2016 | 23:32 Uhr

Opas Hobby ist des Enkels Beruf

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

erfolgMarvin Lambauer aus Heidgraben beendete seine Tischlerlehre mit einem Platz auf dem Siegertreppchen

Der Hype um seine Person hat sich gelegt, die Euphorie ist dem guten Gefühl gewichen, eine tolle Leistung abgeliefert zu haben. Marvin Lambauer hat nach seinem Sieg beim Innungswettbewerb „Die gute Form“ endlich die Zeit, an seiner Zukunft als Tischlergeselle zu basteln. Im Gespräch mit dieser Zeitung hat der junge Handwerker erzählt, warum sein Opa nicht ganz unschuldig an seiner Berufswahl ist, und welches Holz er am liebsten mag.

So viel steht mal fest: In der Familie des 19-jährigen Marvin wird angepackt. Im Garten tummelt sich das Federvieh in robusten Volieren, in Hochbeeten Marke Eigenbau wächst das Gemüse, die schönen Vogelhäuschen in den Beeten sind eindeutig nicht von der Stange. Dass der junge Heidgrabener mit einem Bürojob nicht wirklich viel anfangen kann, wie er nach einem Praktikum festgestellt hat, erschließt sich unbedingt. Welcher Beruf stattdessen wohl der richtige sein könnte, diese Entscheidung ist ihm nicht in den Schoß gefallen. „Ich wusste lange nicht, wie es nach der Schule weitergehen sollte“, sagte der ehemalige Schüler der Uetersener Rosenstadtschule. Dass er zum Ende der Schulzeit dann doch einen Ausbildungsvertrag in der Tasche hatte, verdankt er nicht zuletzt seiner Initiative. „Ich habe fünf Praktika gemacht, auch während der Ferien“, sagt er.

Eines führte ihn auf einen Bürostuhl, ein weiteres an die Maurerbütt. Er versuchte es in einer Autowerkstatt und kam schließlich auf Tischlerei. Im Grunde eine naheliegende Entscheidung. „Mein Opa baut viel mit Holz, und ich habe ihm schon als kleiner Junge geholfen“, so Marvin Lambauer. Besagte Vogelhäuschen in den elterlichen Beeten gehen auf des Seniors Konto, sie sind echte Hingucker. Vielleicht hat der Enkel von ihm auch die Kreativität, denn Marvin entschied sich bei seiner Suche nach einem Lehrbetrieb bewusst gegen den Türen- und Fensterbau, wählte stattdessen mit dem Moorreger Betrieb Mehlig ein Unternehmen, das seine Kunden vor allem im Möbel- und Ladenbau hat.


Langer Arbeitstag macht ihm zu schaffen


In der Rückschau hat er das sichere Gefühl, den Berufseinstieg ziemlich unkompliziert geschafft zu haben, und hält diesen Umstand auch seinen Kollegen zugute. „Die sind echt nett und haben von Anfang an viel erklärt. So bin ich schnell reingekommen.“ Was ihm zuerst wirklich zu schaffen machte, war der lange Arbeitstag. Die Arbeit sei immer noch körperlich anstrengend, auch wenn inzwischen viele Maschinen eingesetzt würden, sagt der junge Heidgrabener. Hinzu kamen die Montageeinsätze in anderen Regionen und Städten.

Aber er hat sich durchgebissen, weil er Spaß an seinem Beruf hat. „Es war die richtige Entscheidung“, sagt er. Wie richtig, zeigt auch seine Arbeit für das Familienwohnzimmer. Er baute eine Wand für den Fernseher mit indirekter Beleuchtung und Regalablage. Ein schmuckes Teil, für das er Parkettdielen verwendete.

Für sein Gesellenstück, den preisgekrönten Schreibtisch, brauchte er drei Wochen. Das Möbelstück ist eine Komposition aus Eiche und Lack. Eichenholz ist ihm am liebsten. „Es ist robust und sieht gut aus“, sagt er und schiebt gleich hinterher, dass er die dunkle Variante der hellen vorzieht. Die dicke Schreibtischplatte kombinierte er mit zwei Schubladenelementen aus anthrazit lackierten Spanplatten. Ein selbstbewusstes Möbelstück, das die Juroren komplett überzeugte. Mit dem 1. Platz machten sie den Weg frei für Marvins Teilnahme am Landesentscheid im September in Kiel.

Bis dahin wird er die Zeit mit der Suche nach einem neuen Arbeitgeber verbringen. Er will Erfahrungen sammeln, im Beruf weiterkommen, um dann vielleicht eines Tages seinen großen Traum verwirklichen zu können. „Ich würde gerne Yachten ausbauen“, sagt Marvin Lambauer.

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