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Uetersener Nachrichten

08. Dezember 2016 | 10:51 Uhr

Kaum noch Platz für Obdachlose

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

unterkunft Ordnungsamt bestätigt fehlende Kapazitäten / Bisher keine konkreten Lösungspläne

Die Notunterkünfte für Obdachlose in der Rosenstadt sind nahezu voll belegt. Das berichtet Victor Delva, Leiter des Ordnungsamts. Eine politische Einigung, wie die Kapazitäten erweitert werden sollen, ist bislang nicht erfolgt.

Im April hatte Bürgermeisterin Andrea Hansen angesichts nicht mehr ausreichender Unterkünfte für Obdachlose im Bauausschuss den Vorschlag eingebracht, auf einem leer stehenden Grundstück der Stadt fünf angemietete Wohn-Boxen aufzustellen (wir berichteten). Die Idee hat sich zwischenzeitlich zerschlagen, da Nachbarn ein im Grundbuch eingetragenes Wegerecht auf dem angedachten Grundstück geltend machen.

„Wir haben derzeit 51 Obdachlose in städtischen Unterkünften“, so Ordnungsamtsleiter Delva, „wir sind hier kurz vor dem äußersten Ende.“ In diesem Jahr sei es bereits mehrfach vorgekommen, dass Menschen abgewiesen werden mussten, berichtete die Bürgermeisterin. Obdachlose, die auf der Straße leben und dort „Platte machen“ gebe es in Uetersen allerdings nicht, versicherte Delva. Entsprechend gibt es auch keine saisonalen Schwankungen, mit weniger Bedarf im Sommer.

Auf städtischen Notwohnraum angewiesen sind Menschen, deren Wohnung aus den verschiedensten Gründen gekündigt oder zwangsgeräumt wurde oder ausgebrannt ist. Es komme allerdings auch vor, dass Leute aus anderen Orten plötzlich vor der Tür stehen und sagen, sie hätten keine Wohnung, so Delva. „Dann muss erst einmal geklärt werden, ob es wirklich keine andere Lösung gibt und ob tatsächlich eine Obdachlosigkeit im rechtlichen Sinne vorliegt. Wer das letzte halbe Jahr bei der Schwester gewohnt hat, kann das auch weiterhin tun“, so der leitende Verwaltungsbeamte.

Wer wohnungslos ist und Obdach sucht, muss während der Öffnungszeiten beim Ordnungsamt vorstellig werden. Bestätigt sich auch nach Prüfung der Sachlage der Status der Obdachlosigkeit, ist die Stadt verpflichtet, diese Menschen unterzubringen. Per Bescheid werden sie in eine Notunterkunft eingewiesen, beispielsweise in ein etwa 15 Quadratmeter großes Zimmer am Tornescher Weg. Bis zu drei Personen teilen sich hier Küche und Bad. Eine Nutzungsgebühr ist zu entrichten − je nach tatsächlich für die Stadt anfallenden Kosten. Maximal muss allerdings der vom Sozialamt anerkannte Satz gezahlt werden. „Wir machen den Leuten auch klar, dass es sich um eine Übergangslösung handelt und fordern sie auf, nach Wohnraum zu suchen“, so Delva.


Keine Unterbringung mit Asylbewerbern


Einer Unterbringung gemeinsam mit Asylbewerbern hatte Bürgermeisterin Hansen bereits im Frühjahr eine Absage erteilt. Ordnungsamtsleiter Delva bestätigte: „Obdachlose sind kein einfaches Klientel.“ Wegen starker Trunkenheit oder Prügeleien seien schon mal Polizeieinsätze nötig. Einen Sozialarbeiter, der die Betroffenen begleitet und ihnen zurückhilft in ein geregeltes Leben, gibt es in Uetersen nicht. Vom Ordnungsamt bekommen sie einen Flyer ausgehändigt, der auf die von der Diakonie betriebene Obdachlosenhilfe in der Pinneberger Bahnhofstraße verweist.

Ende Juni hatte die Bürgermeisterin gegenüber den UeNa ihre Hoffnung ausgesprochen, weitere Obdachlosenunterkünfte doch noch kostengünstig errichten zu können. Der Landtagsabgeordnete Thomas Hölck (SPD) hatte bei seinem Besuch im Rathaus unter anderem darüber informiert, dass das Fördergesetz für den sozialen Wohnungsbau geändert wurde: Anspruch auf sozial geförderten Wohnraum hätten nun nicht nur Familien und Ältere, sondern „Menschen in sozialen Notlagen“, so Hölck. Die Stadt könnte also mit den Fördermitteln weiteren Wohnraum für Obdachlose schaffen. Konkrete Pläne hierzu liegen allerdings bislang nicht vor.

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