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Uetersener Nachrichten

05. Dezember 2016 | 01:29 Uhr

Integration ist auf einem guten Weg

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

VersammlungIn Heidgraben rührte der Flüchtling Omar Al-Saud die Bürger mit einer Dankesrede, die er auf Deutsch hielt

Zum zweiten Mal hat die Gemeinde Heidgraben alle Bürger zu einer Informationsveranstaltung über die Flüchtlingssituation im Dorf eingeladen. Bürgermeister Ernst-Heinrich Jürgensen und Polizist Gernot Bednarz berichteten einhellig, dass es rund um die Flüchtlinge im Ort sehr ruhig sei. Aus dem Publikum wurde die Stimme eines Mannes laut, der sich selbst sozial abgehängt sieht und die Flüchtlinge um die Welle an Hilfsangeboten beneidet. Flüchtlingskoordinatorin Irmgard Voß berichtete, dass es im Dorf insgesamt 29 Schutzsuchende gibt, die in erster Linie aus Syrien und Afghanistan kommen. Darunter sind Familien, aber auch alleinstehende Männer und eine junge Frau. Ihre Schützlinge beschrieb sie insgesamt als sehr lernwillig. So sei eine afghanische Frau, die Ende November herkam, nach erfolgreicher Absolvierung von Sprachkursen bereits bei einem Grone-Praktikum untergekommen. Moorreges Amtsverwaltungschef Rainer Jürgensen bestätigte: „Alle, die hierher kommen, wollen arbeiten. Niemand kommt wegen der etwa 340 Euro Grundsicherung.“


Koordinatorin dankt den Helfern


Die Flüchtlingskoordinatorin bedankte sich bei ihren rund 30 Helfern. Sie helfen bei den Wegen zur Tafel oder zu Behörden, reparieren Fahrräder, geben den Kindern Nachhilfe oder unterstützen bei der Einrichtung eines Bankkontos. „Hier in Heidgraben ist es so ruhig, weil die Heidgrabener das geschafft haben, weil sie einfach mal geklingelt und gefragt haben: Was brauchst du?“, so Voß. „Auch die jungen Männer, die anfangs für Besorgnis sorgten, sind mittlerweile akzeptiert.“ Sie erwähnte lobend, dass sich die Flüchtlinge nicht nur gegenseitig helfen, sondern bereits in der Gemeinde mit anpacken. „Von der Familie Ibrahim hilft der Mann im Bauhof und die Frau bei der Essensausgabe in der Grundschule. Omar unterstützt den Trainer der HSV-Fußballjugend“, berichtete Voß.

Auf eine Prognose, wie viele Flüchtlinge noch kommen, wollte sich Rainer Jürgensen vom Amt Moorrege nicht einlassen. Aber: „Die Welle hat deutlich nachgelassen“, sagte er. Polizist Gernot Bednarz sagte dazu: „Im Jahr 2015 sind 52  000 Flüchtlinge in Schleswig-Holstein angekommen, in diesem Jahr sind es bisher 3000.“ Amtsdirektor Jürgensen betonte, wie wichtig es sei, die Menschen zu beschäftigen. Er verwies auf ein nun kommendes Programm vom Arbeitsamt, bei dem – ähnlich den Ein-Euro-Jobs – Beschäftigungen für 0,80 Euro Stundenlohn vergeben werden. Nachhaltiger aber sei der Weg, den die Flüchtlingskoordinatoren bestreiten, indem sie die Flüchtlinge über Sprach- und Integrationskurse und Praktika in echte Arbeit bringen.
Der Informationsabend stieß auf ein breites Interesse, im Gemeindezentrum waren selbst die Fensterbänke belegt. Viele Fragen hatten die Heidgrabener indes nicht, sie fühlen sich offensichtlich gut informiert. Der Syrer Ferhad Ibrahim, der mit seiner Familie in dem Dorf lebt, bedankte sich bei den Heidgrabenern, ebenso Omar Al-Saud, der mit seiner Frau und den beiden Kleinkindern nach Deutschland gekommen ist.

Eine einzige kritische Stimme wurde an dem Abend laut: Ein Einwohner, der selbst offenbar nicht viele Chancen hatte, fühlt sich nach eigenen Angaben gesellschaftlich abgehängt und neidet die Hilfe, die den Zuwanderern zuteil wird. Er berichtete von seinem schwierigen Werdegang − von der Sonderschule bis zu einer kleinen Selbstständigkeit − bei dem ihm auch niemand geholfen habe. Das Rad seiner Tochter sei kaputt, und sie würde gern Fußball spielen, aber ihm fehle das Geld. Amtsdirektor Jürgensen versprach spontan, in der Fundsachenverwahrung nach einem neuen Rad für das Kind zu sehen.


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