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Uetersener Nachrichten

28. September 2016 | 15:37 Uhr

Abfuhr für Andrea Hansen : Im Kindergarten soll frisch gekocht werden

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Während der Sommerpause sah sich Hansen mit der Problematik konfrontiert, dass der langjährige Koch des Kindergartens gekündigt hatte und auf die Stellenausschreibung keine Bewerbung eingegangen war.

Uetersen | Der Bildungsausschuss hat die Eilentscheidung von Bürgermeisterin Andrea Hansen (SPD), das Mittagessen im städtischen Kindergarten von der Firma Dussmann Service GmbH liefern zu lassen, am Dienstagabend aufs Schärfste missbilligt. Künftig soll hier das Essen wieder in der eigenen Küche frisch zubereitet werden.

Während der Sommerpause sah sich Hansen mit der Problematik konfrontiert, dass der langjährige Koch des Kindergartens gekündigt hatte und auf die Stellenausschreibung keine Bewerbung eingegangen war. Zwischen der Firma Dussmann, die bereits die Schulmensa betreibt, und der Stadt Uetersen gibt es eine Regelung, nach der Ausgleichszahlungen erfolgen müssen, wenn nicht ausreichend Essenportionen verkauft werden. Da sich dies bereits abzeichnete, entschied Hansen per Eilentscheidung, den städtischen Kindergarten ebenfalls von Dussmann beliefern zu lassen und damit die Strafzahlungen zu umgehen. Der Vertrag ist zunächst auf ein Jahr befristet. Hansen räumte ein, dass es anfangs Lieferschwierigkeiten mit dem Caterer gegeben habe, dieser sich jedoch gesprächsbereit gezeigt habe. Heike Baumann von der SPD sagte, dass derzeit weitere Abstimmungen laufen würden.

In der Politik stieß Hansens Vorgehen auf wenig Gegenliebe: Alle Fraktionen sprachen sich gegen diese Lösung aus. CDU, BfB und Grüne beschlossen gemeinsam: „Die Entscheidung wird aufs Schärfste missbilligt. Der Bildungsausschuss empfiehlt dem Hauptausschuss zu beschließen, dass die Stelle des Kochs sofort ausgeschrieben werden soll und der Vertrag (mit dem Caterer, Anm. der Redaktion) sofort zu kündigen ist.“ Die SPD enthielt sich. Fraktionsführer Struve begründete dies damit, dass bislang keine Zahlen vorliegen würden, was eine vorzeitige Kündigung kostet.

Eltern kämpfen für einen eigenen Koch

So hatte sich Mandy Stoye das nicht vorgestellt, als sie ihre dreijährige Tochter Ina im städtischen Kindergarten anmeldete: Statt des versprochenen selbstgekochten Mittagessens gibt es nun eine Belieferung durch einen Caterer, samt ausgehängter Liste mit verwendeten Zusatzstoffen. „Meine Tochter kommt verhungert nach Hause“, beschwerte sich Stoye deswegen am Dienstagabend bei den Mitgliedern des Uetersener Bildungsausschusses. Und Elternvertreterin Nadine Peters erläuterte, dass die Portionen nicht ausreichend seien und die Kinder Futterneid entwickeln würden, wenn sie nur zwei Fischstäbchen auf dem vorportionierten Teller vorfänden. Ehemann Björn Timo Peters ergänzte: „Alles wird auf einem Teller geliefert. Das ganze Essen, auch die Beilagen, schmeckt dann nach Fisch.“ Mitstreiterin Marni Röttgers erklärte: „Wenn die Mensa zu hat, zum Beispiel während der Ferien, wird das Essen aus Hamburg angeliefert, und so schmeckt das dann auch.“

Elternvertreterin Nadine Peters (vorne, mittig) hat zusammen mit anderen Eltern bereits 80 Unterschriften gegen eine Cateringbelieferung des städtischen Kindergartens gesammelt.

Elternvertreterin Nadine Peters (vorne, mittig) hat zusammen mit anderen Eltern bereits 80 Unterschriften gegen eine Cateringbelieferung des städtischen Kindergartens gesammelt.

Foto: Michaela Eschke
 

Die Eltern der Kita-Kinder finden: Im Kindergarten an der Herderstraße soll wieder selbst gekocht werden, schließlich wurde die Küche erst kürzlich für 64500 Euro renoviert. „Und jetzt soll sie ungenutzt bleiben?“, fragten die Eltern. Ihren Forderungen haben sie mit einer Unterschriftenliste Ausdruck verliehen. Rund 80 Unterschriften sind bereits innerhalb eines Tages zusammengekommen.

Im Bildungsausschuss begrüßten Politiker aller Fraktionen das Bürgerengagement. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Ingo Struve zeigte sich angesichts der kürzlich beschlossenen Küchenneuausstattung erstaunt über die Entscheidung von Bürgermeisterin Andrea Hansen, die Firma Dussmann mit der Belieferung des Kindergartens zu beauftragen. Bürgervorsteher Adolf Bergmann (CDU) verwies auf den pädagogischen Zweck, der mit vor Ort gekochtem Essen verbunden sei. Und Petra Jäger von der BfB erinnerte daran: „Dies gehört zum Konzept des Kindergartens.“ CDU-Ratsherr Andreas Stief sagte, er fände es sehr schade, dass ein kleiner Kindergarten den Vertrag mit Dussmann retten solle.

Die Bürgermeisterin rechtfertigte ihr Vorgehen: „Es war schier unmöglich, einen Koch für Ihre Kinder zu finden.“ Dies gelte erst recht angesichts der Begrenzung auf 25 Wochenstunden und das angebotene Gehalt. Anja Stange aus der Verwaltung verwies darauf, dass die Kita-Leitung in die Entscheidung miteinbezogen wurde.

Küchenhilfe hat zwei Monate frisch gekochtNadine Peters, Mutter der drei Jahre alten Lilien-Charlotte, kann indes keinen Grund für Eile erkennen: Auch nachdem der Koch gekündigt hatte, sei zwei Monate erfolgreich vor Ort frisch gekocht worden, nämlich von der Küchenhilfe. Anja Stange meinte dazu: „Wir haben gedacht, wir müssen genau das beenden, das keine Fachkraft da ist.“ Trotzdem befand Grünen-Vertreter Bernd Möbius: „Ich verurteile das aufs Schärfste, da eine Eilentscheidung draus zu machen.“

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erstellt am 15.Sep.2016 | 12:15 Uhr

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