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Uetersener Nachrichten

04. Dezember 2016 | 23:19 Uhr

kunstskandal in Uetersen : Illegal in alle Winde zerstreut

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Museumsleiterin Dr. Ute Harms recherchierte zum Verbleib der Tartsch-und-Meyer-Sammlung und ist jetzt entsetzt.

Uetersen | Hermann Tartsch (1886 - 1970) und Emil Meyer (1900 - 1974) waren zwei Uetersener Bürger, die an der Mühlenstraße lebten. Anfang des 20. Jahrhunderts, es war exakt das Jahr 1919, begannen der gelernte Tischler Tartsch und sein Ziehsohn mit dem Anlegen einer umfangreichen Sammlung in ihrem Privathaus. Insbesondere waren es Möbel, Hausrat, Gemälde und Fotografien ortsansässiger Familien, die den Grundstock dieser Sammlung bildeten, welche mit den Jahren auf rund 500 Teile anstieg. Diese Sammlung wollten die beiden Herren der Stadt mit der Auflage vermachen, beide im Alter gut zu versorgen. Nach langem Zögern und dem Tod von Hermann Tartsch ging die Sammlung schließlich in den Besitz Uetersens über. Emil Meyer wurde im städtischen Pflegeheim versorgt.

Was tun mit der Sammlung? War sie geeignet für den Grundstock eines städtischen Museums? Bei der Stadt wollte das niemand entscheiden und holte Rat beim Direktor des Altonaer Museums ein, Gerhard Kaufmann. Der sagte, dass es sich im Groben um wertloses Zeug handele. So wurde sie schließlich nach Pinneberg verkauft und ging in den Besitz der Stiftung Landdrostei über.

Das und noch viel mehr hat Uetersens Museumsleiterin Dr. Ute Harms recherchiert, die ihre Arbeiten in einem Aufsatz im Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 2016 zusammengefasst hat. Sie hat nämlich auch festgestellt, dass der frühere und inzwischen verstorbene Museumsdirektor aus Hamburg-Altona einige Stücke aus der Sammlung in „sein“ Museum geschafft und dort verwahrt hatte. Bei ihren Recherchen stieß sie in Altona auf 39 Druckgrafiken, die eindeutig aus der Sammlung der beiden Uetersener stammten.

Schlimm genug! Doch es sollte noch ärgerlicher werden. Im Pinneberger Drosteigebäude sollte eigentlich ein Museum entstehen, die Gegenstände aus der Tartsch-und-Meyer-Sammlung waren als erste Exponate vorgesehen.

Doch die Pläne scheiterten. So wurden alle Stücke in den 1990er Jahren versteigert – entgegen dem Vertrag mit der Stadt, nach dem die Sammlung „im Wesentlichen“ zu erhalten war. Bei der Auktion wurden die Sammlungsstücke durch den Kauf Kunstinteressierter aus ganz Deutschland in alle Winde zerstreut. Die Museumsleiterin bezeichnet das Ganze als „trauriges Kapitel der Uetersener Stadtgeschichte“. Es hätte auch drastischer ausgedrückt werden können. Nichtsdestotrotz möchte die Museumsleiterin von Langes Tannen 1919, also 100 Jahre nach Begründung der Uetersener Sammlung, an diese erinnern und auch an Tartsch und Meyer.

Während ihrer Recherchearbeit wurde Ute Harms von der Fielmann-Stiftung finanziell unterstützt. Jürgen Oswald von der Stiftung hat angekündigt, auch die Ausstellung begleiten zu wollen. Nach wie vor ist die Museumsleiterin nämlich an Sammlungsstücken von Tartsch und Meyer interessiert, zum Beispiel für die Einrichtung eines Tartsch-und-Meyer-Zimmers im Herrenhaus des Museums.

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erstellt am 06.Jun.2016 | 16:00 Uhr

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