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Uetersener Nachrichten

24. März 2017 | 09:12 Uhr

Haushaltslöcher und Kita-Notstand

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

SPD-Diskussion Bürger kritisieren kurzfristige Kita-Taler-Streichung und verzögerten Bau der Kita „Seepferdchen“

Auf der SPD-Diskussionsveranstaltung „Gute Kita – auch in Tornesch“ stellten sich die Tornescher SPD-Fraktionsvorsitzende Verena Fischer-Neumann, die Landtagsabgeordnete Beate Raudies und die Staatssekretärin Anette Langner den Fragen der etwa 20 Besucher.

Anette Langner, Staatssekretärin im Landesministerium für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung, sieht für die Zukunft drei zentrale Ziele: Wie sich die Elternbeiträge für Kita-Betreuung zusammensetzen, welchen Anteil jeweils Land, Kreis und Eltern tragen, müsse transparenter werden. Außerdem: „Dieser Teil der frühkindlichen Bildung sollte kostenfrei sein, das ist unser langfristiges Ziel“, so Langner, die auf den neu eingeführten 100-Euro-Kostenzuschuss für jedes Krippenkind verwies. Aber auch die Qualität dürfe nicht hintenüberfallen, so sei auf passende Betreuungsschlüssel und ausreichend Fachpersonal zu achten.

Beate Raudies warb für die bereits in Elmshorn eingesetzte Kitadatenbank, die eine transparentere und einfachere Vergabe von Kita-Plätzen ermöglicht. „Tornesch ist auf dem Weg dorthin“, bestätigte die hiesige Sozialdemokratin Verena Fischer-Neumann. Raudies machte noch einmal darauf aufmerksam, dass sich die Sozialstaffel des Kreises Pinneberg ab August besonders für Familien mit mehreren Kindern erheblich verbessert.

Die Tornescher SPD-Fraktionsvorsitzende Fischer-Neumann sagte: „Seit langer Zeit bin ich nicht zufrieden mit unserer Situation, wir haben lange Kita-Wartelisten. Wir hatten 2016 130 Geburten, so viele gab es lange nicht. Das ist eine schöne Entwicklung, aber wir müssen hinterherkommen.“ Sowohl Politiker als auch Eltern zeigten sich verärgert, dass sich der für März 2017 geplante Baubeginn der Kita „Seepferdchen“ verzögert. „Wir warten auf die Bewilligung der Fördermittel vom Kreis“, erläuterte Fischer-Neumann. Dort habe man auf Personalengpässe verwiesen. Eltern klagten, sie hätten beim Arbeitgeber einen festen Wiedereinstiegstermin angegeben und auch die Tagesmütter seien alle voll belegt. „Bei Notstand muss der Kreis Hackengas geben“, hieß es da.

Manfred Mörker, Vorsitzender der SPD Tornesch, verteidigte die lokale Politik: „Als die Verwaltung den Bedarf angezeigt hat, haben wir den Neubau samt Träger sofort entschieden.“ Katrin Elsner, Leiterin der AWO-Kita Merlinweg, verwies auf vielfältige bürokratische Hürden bei der Planung der neuen Kita. Auch musste die Qualität des Hauses schrittweise zurückgefahren werden, um an Fördergelder vom Kreis zu kommen. „Die Krippenräume mussten wir von 50 auf 35 Quadratmeter verkleinern“, nannte Elsner ein Beispiel. Raudies und Langner versprachen, schriftlich beim Kreis eine Beschleunigung des Verfahrens zu erbitten und die Qualitätsvorgaben zu hinterfragen.

Viele Eltern zeigten sich verärgert über den kurzfristigen Wegfall des Kita-Talers. Denn im Elementarbereich lagen nur zwei Wochen zwischen Entscheidung und Streichung. „Die Art und Weise ist uns Eltern aufgestoßen, das war eine kalte Dusche kurz vor Weihnachten“, so Mutter Christina Haacke. Fischer-Neumann verwies auf das Minus, das der Haushaltsentwurf der Stadt im laufenden Jahr ausweist: „Wir müssen den Gürtel enger schnallen, das ist unerfreulich.“ Mörker ergänzte: „Wenn man Haushaltslöcher stopfen muss, fallen freiwillige Leistungen zuerst weg.“

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