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Uetersener Nachrichten

10. Dezember 2016 | 17:40 Uhr

Diskussion in Tornesch : Gemeinsam für das dritte Gleis

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Politik und Bürgerinitiative wollen das Projekt in den Bundesverkehrswegeplan bringen. Streit über Zuständigkeit.

Tornesch | Man war sich einig, während der Podiumsdiskussion am Dienstagabend im Pomm 91 in Tornesch: Ein drittes Gleis zwischen Elmshorn und Pinneberg muss her. Sonst drohe die Station in Tornesch nicht nur zum befürchteten „Dorfbahnhof“ zu werden, auch der Bahnverkehr in Richtung Hamburg würde einen Verkehrsinfarkt erleben.

Seit gut zwei Jahren kämpft die Bürgerinitiative „Dorfbahnhof Tornesch? Nein Danke!“ für mehr Zughalte in der Stadt. „Unser Ziel lautet 2 plus 2“, sagt BI-Sprecher Gerhard Wasmann. Sprich: Zwei Züge stündlich zum Hamburger Hauptbahnhof, zwei nach Hamburg-Altona. Kurzfristiges Ziel sind mehr Halte in Tornesch, mittelfristig sollen neue Weichen eingebaut werden, um Zügen das Vorbeifahren zu erleichtern und langfristiges Ziel ist ein drittes Gleis zwischen Elmshorn und Pinneberg.

Rund 30 Gäste waren der Einladung der Bürgerinitiative „Dorfbahnhof Tornesch? Nein Danke!“ gefolgt, darunter mehrere Bürgermeister aus der Region. Das Interesse hielt sich also in Grenzen. Die, die gekommen waren, erlebten vor allem einen Schlagabtausch zwischen den Landtagsabgeordneten Barbara Ostmeier (CDU) und Kai Vogel (SPD) sowie einen immer wieder unter Beschuss stehenden Vertreter von nah.sh, dem Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein.

„Ich war 45 Jahre lang Pendler, davon 15 Jahre zwischen Tornesch und Hauptbahnhof“, leitete ein Anwesender seine Kritik an der Situation in Tornesch ein. „Ich habe nie erlebt, dass eine Regionalbahn Vorrang vor einem Regionalexpress oder Intercity erhalten hätte.“ Genau das sei aber durchaus üblich, hatte Jochen Kiphard von nah.sh zuvor erläutert. Letztlich sei dies aber, ebenso wie die Entscheidung einen Regionalexpress außerplanmäßig in Tornesch halten zu lassen, Sache der Eisenbahnverkehrsunternehmen, also zum Beispiel der DB Regio, so Kiphard. Ein weiterer Gast wollte wissen, warum der Nahverkehr regelmäßig auf die Durchfahrt von verspäteten Fernverkehrszügen „mit fünf Urlaubern“ warten müsse. „Das würde ich auch gerne ändern, aber das liegt nicht in meiner Macht“, sagte Kiphard.

Ebenso wenig liege es in der Macht der Deutschen Bahn, Güterzüge in der Hauptverkehrszeit zu verbieten, erläuterte Michael Körber, Leiter Vertrieb und Fahrplan der dbnetz.nord aus Hannover. „Wenn wir den Zügen eine Trasse anbieten können, müssen wir das auch machen. Dagegen haben wir kein Regulativ“, so Körber.

Meyer oder Schröder − wer ist in der Pflicht?

Barbara Ostmeier und Kai Vogel diskutierten vor allem über die Frage, warum das dritte Gleis nicht in den Anfang August veröffentlichten Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen wurde. „Die DB meldet die Projekte beim Bund an, aber die Länder können Vorschläge machen“, sagte Ostmeier. Entsprechend wäre es die Aufgabe von Landesverkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) das Thema der DB und dem Bundesverkehrsminister schmackhaft zu machen. Vogel betonte hingegen, dass ein drittes Gleis seit 2013 im Koalitionsvertrag der Landesregierung stehe, die Aufnahme in den Verkehrswegeplan aber letztlich der Bundesregierung obliege. Vogel sieht vor allem den CDU-Bundestagsabgeordneten aus dem Kreis Pinneberg, Ole Schröder, in der Pflicht, seinen Unions-Kollegen und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zu überzeugen. „Für ihn ist das ein Federstrich. Er müsste seine Möglichkeiten nutzen“, so Vogel.

Laut Ostmeier müsste dennoch die Kieler Landesregierung die Vorarbeit leisten und unter anderem die Finanzierbarkeit darstellen. Diese sei allerdings nicht alleine entscheidend, wie Michael Körber erläuterte. „Wichtig ist ein Kosten-Nutzen-Verhältnis größer 1“, so der DB-Vertreter. Nicht die Finanzierung sei primär entscheidend. Um diese sicherzustellen, hatte Ostmeier zuvor eine Mischfinanzierung zwischen Bund und Land, unter anderem aus sogennaten Regionalisierungsmitteln, ins Spiel gebracht. Doch laut Vogel sehe der Bundesverkehrswegeplan eine Mischfinanzierung nicht vor, entsprechend „sollten wir es mit Bundesmitteln machen“.

Einig waren sich alle Beteiligten in einem Punkt: Das dritte Gleis muss im Bundesverkehrswegeplan 2030 festgeschrieben werden. Und die Uhr tickt. Bis Anfang Dezember ist die Tür noch offen. „Wenn es dann nicht drin steht, kommt es nicht mehr rein“, so Ostmeier.

Zu Beginn der Veranstaltung am Dienstagabend hielt der Bahnexperte Erhard Metzdorf einen Vortrag über den Schienenengpass in Tornesch. „Die Strecke ist an ihre Kapazitätsgrenze gestoßen“, so Metzdorf. Bereits geringste Verspätungen, etwa von Zügen aus Kiel oder Westerland, würden gravierende Auswirkungen auf das sogenannte Netz Mitte haben − unter anderem weil es zwischen Elmshorn und Pinneberg keine Überholmöglichkeit gibt. Sechs Varianten könnten laut Metzdorf Abhilfe schaffen.

  • Ein drittes Gleis
  • Der Einbau von Überholgleisen und Außenbahnsteigen in Tornesch und Prisdorf
  • Eine Vorrangregelung für Züge des Ballungsverkehrs
  • Der Ausbau der Strecke Neumünster-Bad Oldesloe sowie weiter über Büchen Richtung Berlin, als Entlastung für die derzeitige Verbindung über Hamburg
  • Die Züge  der Linien RE 6 und 70 halten in Pinneberg
  • Eine durchgehende S-Bahn  bis Elmshorn; diese ist laut Kai Vogel (Landtagabgeordneter der SPD) angedacht und soll nach Abschluss des Abschnittes S4-Ost als S4-West umgesetzt werden.
  • Jede Variante habe Vor- und Nachteile, so Metzdorf.  Der Bahnexperte sprach sich dafür aus, belastbare Zahlen über die Auswirkungen der Zugverspätungen zu erheben.
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erstellt am 13.Okt.2016 | 10:00 Uhr

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