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Uetersener Nachrichten

04. Dezember 2016 | 03:00 Uhr

Begräbniskultur im Wandel : Führung über den Tornescher Friedhof

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Historikerin Annette Schlapkohl führte über den Tornescher Friedhof und in die Geschichte ein.

Tornesch | Historische Details über den Tornescher Friedhof und ein Überblick über verschiedene Begräbnistraditionen standen im Mittelpunkt einer Führung der Historikerin Annette Schlapkohl über den Tornescher Friedhof. Schlapkohl betreut das Tornescher Stadtarchiv und ist Autorin der 2004 erschienenen Ortschronik von Tornesch. Einmal jährlich lädt der Friedhofsverband Uetersen-Tornesch zur Friedhofsbegehung ein.

Die Ruhestätte an der Friedensallee wurde erst 1909 gegründet. Früher begruben die Tornescher ihre Toten in Rellingen rund um die dortige und für sie zuständige Kirche. „Das war den Leuten wichtig, dass die Begräbnisstätte möglichst dicht bei der Kirche ist“, erklärte Schlapkohl. Aus dem Gründungsjahr des Tornescher Friedhofs zeugt noch die Alte Kapelle, die heute nicht mehr genutzt wird. Sie ist allerdings so klein, dass darin nie mehr als der Sarg und ein paar Stühle Platz fanden. Das Gros der Trauergesellschaft, die mit schwarzem Pferdewagen auf den Friedhof kam, musste draußen bleiben. Daher wurde 1952 die große Kapelle gebaut. Hinter der historischen, kleinen Kapelle hat die Stadt einen Wall mit Grabsteinen errichtet, die geschichtlich bedeutsam sind oder die Gräber bedeutender Tornescher Persönlichkeiten geschmückt haben.

Ganz in der Nähe ist das Grab des 1910 verstorbenen Hinrich Riedemann zu finden. „Hierbei handelt es sich um die älteste Grabplatte auf dem Friedhof, sie wird von der Kulturgemeinschaft gepflegt“, sagte Annette Schlapkohl. Von den einst sehr verbreiteten Familiengräbern sind nicht mehr viele erhalten. Zu finden ist noch das Grab der Familie Sander. Wilhelm Sander war 20 Jahre lang Gemeindevorsteher in Tornesch, seine auch als Gemeindebüro fungierende Villa an der Esinger Straße wurde erst kürzlich abgerissen. Auch heute noch erlebt der Friedhof einen steten Wandel der Begräbniskulturen. „Wurden im Jahre 2005 noch ein Viertel bis ein Drittel aller Toten anonym beerdigt, so waren es 2009 nur noch 14 Prozent“, erläuterte Schlapkohl. „Stattdessen präferieren die Leute Rasenurnenflächen mit Namen.“ Nach dem Ersten Weltkrieg errichteten die Tornescher eine Gedächtnisanlage für die gefallenen Soldaten. „404 Soldaten aus Tornesch sind in den Krieg gezogen, jeder Vierte kehrte nicht zurück“, so Schlapkohl. Kleine Erinnerungssteine mit Namen sind bis heute Orte der Trauer. So auch für den Ahrenloher Lehrer Emil Möller, der 1918 im Alter von 31 Jahren in Frankreich fiel. Ihre heutige Rundform erhielt die Anlage nach dem Zweiten Weltkrieg, als sie samt Erinnerungssteinen versetzt wurde und seitdem als Gedächtnisstätte der Gefallenen beider Weltkriege dient.

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erstellt am 09.Aug.2016 | 12:15 Uhr

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