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Uetersener Nachrichten

08. Dezember 2016 | 23:10 Uhr

Uetersen : Flucht aus Furcht vor Militärdienst

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Zwei junge Väter aus Eritrea warten auf Familienzusammenführung.

Uetersen | Vor zwei Jahren sind Abraham Emha und Hyab Haregeweyni gemeinsam aus ihrer Heimat Eritrea nach Europa geflohen, in dem diktatorischen System drohte ihnen lebenslanger Militärdienst. Ihre jungen Familien mussten sie zurücklassen, ihre jeweils zweijährigen Kinder haben sie noch nie gesehen.

„In Eritrea gibt es keine Freiheit, es ist eine Diktatur“, fasst der 23-jährige Haregeweyni die Verhältnisse in seiner im nordöstlichen Afrika gelegenen Heimat zusammen. Wie die Frankfurter Allgemeine berichtet, dringt nur wenig davon, was in Eritrea passiert, an die Öffentlichkeit, denn auf der Rangliste der Pressefreiheit liegt das seit fast 26 Jahren von Diktator Isayas Afewerki regierte Land wiederholt auf dem letzten Platz.

In einem UN-Bericht aus dem Jahre 2015, basierend auf den Schilderungen von Flüchtlingen, werden Tötungen, willkürliche Verhaftungen, Folter und Vergewaltigungen beschrieben. Menschen werden in Straflager, Erdlöcher oder Schiffscontainer gesperrt, heißt es dort. Zu Fuß flohen die beiden jungen Männer nach Äthiopien, mit den Auto ging es in den Sudan und weiter nach Libyen, mit dem Boot setzten sie nach Italien über. Nach zwölf Stunden Fahrt kreuzte ein italienisches Schiff, das die Flüchtlinge aufnahm. Über Zürich gelangten sie schließlich vor 15 Monaten nach Deutschland.

Emha (24) besucht seit drei Monaten einen Integrationskurs bei der Diakonie in Pinneberg, sein Freund Haregeweyni nimmt bereits seit einem halben Jahr teil. In einem Wohnheim in der Rosenstadt bewohnen sie gemeinsam ein Zimmer. „Es gefällt mir gut in Uetersen“, sagt Emha, und Haregeweyni ergänzt: „Die Uetersener sind sehr hilfsbereit!“

Als quälend empfindet Haregeweyni jedoch, dass seine Ehefrau Nitsiti und seine zweijährige Tochter Efrata nicht bei ihm sind. Nach vier Monaten in einem Flüchtlingslager leben die beiden in einem kleinen Zimmer in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba. „Das Zimmer ist sehr schlecht, sehr teuer, und sie sind allein“, so der junge Mann. Im Dezember 2015 hat er einen Antrag auf Familienzusammenführung gestellt. Den Bescheid, dass seine Frau kommen darf, hat er bereits. „Doch es dauert so lange, wir müssen warten“, sagt der Familienvater.

Auch Emha hat einen solchen Antrag gestellt, im August diesen Jahres. Ob seine noch in Eritrea lebende Frau Semira mit Tochter Ditana (4) und Sohn Bruch (2) nachkommen darf, weiß er noch nicht. Bis dahin bleibt ihm nur das Telefon, um mit seiner Familie zu sprechen. Abraham und Hyab, welches Gericht aus Eritrea könnt Ihr uns empfehlen? „Wir essen gern Zigni. Dafür werden Zwiebeln und Knoblauch in Öl angebraten, dazu kommen Pfeffer, Salz, Chili und Tomaten. Darin gart man Rindfleisch, und als Beilage isst man Taita, einen Hefefladen aus Weizen- und Maismehl, der in der Pfanne gebacken wird“, erklärt Haregeweyni.

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erstellt am 25.Okt.2016 | 16:15 Uhr

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