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Uetersener Nachrichten

08. Dezember 2016 | 03:09 Uhr

Auch mal am Gartenzaun klönen

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Gut vorbereitet und bereits mittendrin Ernst-Heinrich Jürgensen ist als Bürgermeister in Heidgraben angekommen

Ernst-Heinrich Jürgensen wusste, dass die Fußstapfen, in die er in Nachfolge seines Parteifreundes Udo Tesch, der nach 50 Jahren sein Bürgermeisteramt zur Verfügung stellte, im Mai getreten ist, groß sind und dass das Bürgermeisteramt in der Gemeinde ein 24-Stunden-Ehrenamt ist. „Mir war ja klar, worauf ich mich einlasse. Und wer hätte es von den SPD-Gemeindevertretern sonst machen sollen? Von ihnen bin nur ich im beruflichen Ruhestand mit Zeit für das Bürgermeisteramt“, so der 66-Jährige.

Seine langjährige Erfahrung als SPD-Gemeindevertreter, Fraktionsvorsitzender und zweiter stellvertretender Bürgermeister kamen ihm nun im neuen Amt zugute. Die Heidgrabener dürften den Übergang von einem zum anderen Bürgermeister als nahtlos erlebt haben und doch schätzt der neue Mann im Bürgermeisterbüro ein: „Es ist ein bisschen schwierig, die eine und andere Veränderung einzuführen.“

Übers Knie brechen muss der neue Bürgermeister nichts und das bewährte Miteinander im Dorf bei Entscheidungen und Entwicklungen will Ernst-Heinrich Jürgensen natürlich beibehalten. Doch eine Schonfrist gab es für ihn in den ersten 100 Tagen nicht. So musste er die Kündigung des Awo-Ortsvereins für die Vermietung des MarktTreff-Raumes hinnehmen und der älteren Generation erklären, warum die Anzahl der Seniorenausfahrten mit finanzieller gemeindlicher Beteiligung reduziert wurde.

„Die Heidgrabener nehmen mich als Bürgermeister wahr, sprechen mich an und sagen, was sie bewegt“, freut sich Ernst-Heinrich Jürgensen. Er stammt aus Angeln, hat als Maschinenbautechniker unter anderem im Unternehmen Rotring in Hamburg gearbeitet und ist im Jahr 2000 mit Frau und Sohn von Tornesch nach Heidgraben in ein Eigenheim im Wohngebiet Rue de Challes gezogen.

Die Natur, in die Heidgraben eingebettet ist, das Vereinsleben und die zentrale Lage von Gemeindezentrum, Schule, Bücherei, Kindergarten und Sportstätten haben ihm von Anfang an gefallen. Ernst-Heinrich Jürgensen wird nun als Bürgermeister mit dafür Verantwortung tragen, wie sich um den MarktTreff in den nächsten zehn Jahren der Ort innerstädtisch weiterentwickelt. Erst einmal haben er und die Gemeindevertreter von SPD und CDU die Bebauung der Dieckschen Koppel mit seniorengerechtem Wohnraum auf der Agenda sowie die Umsetzung eines kleinen Gewerbegebietes an der Hauptstraße.

Dringend ist die Lösung des Mensa- und Raumproblems in der Schule ab dem Schuljahr 2017/18. „Wir werden uns in den nächsten Monaten mit konkreten Lösungsvorschlägen beschäftigen. Kurzfristig wird es jedoch keinen Anbau an die Schule geben. Wir müssen erst einmal den Haushalt stabilisieren“, macht der Bürgermeister deutlich. Er vergisst auch die Feuerwehr nicht, die dringend ein 40 Jahre altes Löschfahrzeug ersetzen muss, um einsatzfähig zu bleiben. „Wir sind im Gespräch mit der Feuerwehr und denken über die Anschaffung eines gebrauchten Einsatzfahrzeuges nach. Langfristig müssen wir aber auch an die Erweiterung der Feuerwache denken. Doch Vorrang hat aus meiner Sicht die Schule“, betont Ernst- Heinrich Jürgensen. Auch er ist, wie jahrzehntelang sein Vorgänger Udo Tesch, mit dem Rad und zu Fuß im Dorf unterwegs, sucht den Kontakt zu allen Generationen seiner 2200 Einwohner zählenden Gemeinde und freut sich über ein lockeres Gespräch am Gartenzaun. So hat er die 1058 Fragebögen an die Generation 50+ zum seniorengerechten Bauen in der Gemeinde selbst ausgetragen.

„Wenn die Heidgrabener einen mögen, dann sind sie offen“, hat Ernst-Heinrich Jürgensen in den 16 Jahren, in denen er in Heidgraben lebt und sich ehrenamtlich engagiert, festgestellt. „Und wenn ich mich mit dem einen und der anderen auf Platt unterhalte, dann spüre ich gleich nochmal einen ganz anderen Zugang.“

In die SPD ist Ernst-Heinrich Jürgensen im Jahr 2000 eingetreten, als er noch in Tornesch wohnte. 2002 hat er sich im SPD-Ortsverein Heidgraben gleich als Kassenprüfer engagiert und sich 2003 zur Kommunalwahl als SPD-Kandidat aufstellen lassen. Seit 2003 sitzt er im Gemeinderat, 2003 wurde er auch Vorsitzender der Heidgrabener SPD, ebenfalls in Nachfolge von Udo Tesch. Von 2006 an bis zu seiner einstimmigen Wahl im Gemeinderat als Bürgermeister war er zweiter stellvertretender Bürgermeister und von 2008 bis Mai 2016 Vorsitzender der SPD-Fraktion. Auch im Kreistag hat sich Ernst-Heinrich Jürgensen als bürgerliches Mitglied engagiert. Im Sozialverband Heidgraben-Seestermühe ist er zweiter Vorsitzender.

Entspannung findet der 66-Jährige bei Gartenarbeit, bei Radausflügen und Urlaubsreisen mit der Familie. Für seine Gemeinde wünscht er sich eine bessere finanzielle Ausstattung, um all die Aufgaben vor allem im Bildungs- und Betreuungsbereich für die junge Generation auch in Zukunft bewältigen zu können. Auch zwei Wünschen, die Alteingesessene und Neubürger an ihn herangetragen haben, will sich Ernst-Heinrich Jürgensen zügig widmen: So soll Heidgraben nun endlich ein Gemeindewappen erhalten und die Dorfchronik aufgearbeitet und fortgeschrieben werden. Ernst-Heinrich Jürgensen ist in seinem Bürgermeisteramt gut angekommen und auch er ist bereit, für die Heidgrabener ein 24-Stunden-Bürgermeister zu sein.

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erstellt am 31.Aug.2016 | 14:02 Uhr

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