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Zeitzeugenbericht : Als Uetersen 1962 in den Fluten versank

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Johann-Otto Plump war damals Feuerwehrmann und probierte am Deich die Sturmflut abzufangen.

Uetersen | Vom Krisenstab im Alten Rathaus, von ertrinkenden, schreienden Ratten und von Deichen, die mit Mist gesichert wurden, berichtete Johann-Otto Plump (Foto), der Vorsitzende des Vereins „Historisches Uetersen“, bei seinem Vortrag zur Sturmflut von 1962 im stadt- und heimatgeschichtlichen Museum an der Parkstraße 1c. Anhand eines Deichmodells erfuhren die Besucher, wie Küstenschutz heute funktioniert. Von der Resonanz waren Plump und sein Team überwältigt, denn rund 50 Gäste waren allein zum ersten Durchlauf des Vortrags über die Sturmflut in der Rosenstadt erschienen, darunter Bürgermeisterin Andrea Hansen und viele Zeitzeugen. Der Redner fügte den allgemein bekannten historischen Fakten seinen persönlichen Erfahrungsbericht hinzu.

„Am 12. Februar fing der Sturm an“, berichtete Plump. Drei Dächer seien im Ganzen abgeflogen, lagen teils auf Schienen herum. „Bei den Reparaturarbeiten hoben sich die Dächer um bis zu zehn Zentimeter an“, berichtete der pensionierte Dachdeckermeister. Doch das sei alles nur ein Vorbote der großen Katastrophe gewesen.

Persönlicher Rapport im alten Rathaus

Während des Sturms waren die Telefonleitungen zusammengebrochen, und so musste dem Krisenstab im alten Rathaus persönlich Rapport erstattet werden. „Ich war ziemlich neu bei der Feuerwehr und hatte bei uns am Deich ziemlich viel zu tun, musste aber alle zwei Stunden mit dem Fahrrad zum Rathaus fahren, um zu berichten“, so Plump. „Wir hatten keinen Sand, um die Deiche abzusichern, denn der Bauhof stand unter Wasser.“ Kreative Lösungen waren hier gefragt, und so forderte der Feuerwehrmann bei den umstehenden Bauern Mist an.

Bei den nächtlichen Absicherungsarbeiten am Deich hörten Plump und seine Leute dann plötzlich ein langanhaltendes Rauschen. „Wir fragten uns: ‚Was ist das bloß?‘, denn es war ja finstere Nacht und wir konnten nichts sehen. Dann kam die Flutwelle!“ In der Nacht vom 16. zum 17. Februar wurde das Wasser von der Elbe in die Pinnau gedrückt, der Fluss wurde zum reißenden Strom und überflutete vom Stichhafen über die Klosterwiesen aus die Uetersener Innen- und Altstadt. „Das Geschrei der vielen hundert Ratten und Bisonratten, die nicht aus den Kellern kamen, das höre ich heute noch“, erinnerte sich der Referent.
 

In den folgenden Tagen herrschte Gewissheit

Mangels moderner Kommunikationsmittel flossen die Informationen stark verzögert. „Was in Wilhelmsburg passierte, das kriegten wir erst am nächsten Tag mit“, berichtete Plump. Auch der allgemein angenommene Wasserhöchststand in Uetersen von 4,09 Metern über Normalnull sei erst am Folgetag gemessen worden. „Da war das Wasser in meiner Werkstatt bereits von 80 auf 30 Zentimeter gesunken“, so der Zeitzeuge.

Das Museum für Stadt- und Heimatgeschichte öffnet an jedem ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr seine Pforten für interessierte Besucher. Auch beim Betreiberverein sind Engagierte herzlich willkommen. Für seinen Posten als Vorsitzender sucht Plump einen Nachfolger. „Ich möchte gern, dass das Museum erhalten bleibt“, wünscht er sich.

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