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Lokales

25. Juli 2016 | 10:05 Uhr

Antisemitismus in SH : Übergriff auf Juden in Puttgarden: Staatsanwaltschaft ermittelt

vom
Aus der Onlineredaktion

Zwei Flüchtlinge sollen in Puttgarden einen Franzosen beschimpft und beraubt haben. Die Staatsanwaltschaft will am Dienstag ihre Ermittlungsergebnisse vorstellen.

Puttgarden | Am frühen Samstagmorgen haben im Warteraum des Fährbahnhofes Puttgarden zwei Täter einen Franzosen jüdischen Glaubens beleidigt, bedrängt und ausgeraubt. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die tatverdächtigen Flüchtlinge, die aufgrund der dänischen Passkontrollen auf Fehmarn gestrandet waren.

Das 49-jährige Opfer trug eine Kippa, daher sei seine Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben offensichtlich gewesen, teilte die Polizei mit. Die mutmaßlichen Täter - ein 15-jähriger Afghane und ein 30-jähriger Syrer - konnten am Bahnhof in Neustadt (Kreis Ostholstein) im Zug vorläufig festgenommen werden. Das Raubgut wurde allerdings nicht gefunden.

Ihr Opfer hatten sie laut Protokoll der Polizei auf arabisch als „Ehud“ (Jude) beschimpft. Sie rissen den französischen Geschäftsmann zu Boden, traten ihm auf die Hand und entwendeten seine Umhängetasche. Darin befanden sich Bargeld, EC-Karte, Bahnticket und Mobiltelefon, erklärte die Polizei.

Die Lübecker Staatsanwaltschaft will am Dienstag Stellung nehmen zu den derzeitigen Ermittlungsergebnissen. Sie hatte nach der Festnahme Untersuchungshaftbefehle beantragt. Diese wurden vom Amtsgericht Lübeck aber einvernehmlich außer Vollzug gesetzt, weil die Meldeauflagen erfüllt wurden.

Da die Täter keine gültigen Ausweispapiere vorweisen konnten, war ihnen am Freitag die Einreise nach Dänemark verwehrt worden. Laut den „Lübecker Nachrichten“ warteten sie zum Zeitpunkt der Tat auf ihren Zug, der sie – mit Umstieg in Lübeck – zur Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster bringen sollte.

Dieser Fall eines mutmaßlich antisemitisch motivierten Übergriffs in Schleswig-Holstein und die aus seiner Sicht zunehmende Feindseligkeit bereitet dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, Sorgen: „Wir fordern Politik und Gesellschaft auf, unsere Sorgen ernst zu nehmen. Eine erfolgreiche Integration ist für die gesamte Gesellschaft wichtig“, erklärte Schuster gegenüber den „Lübecker Nachrichten“.  „Arabische Zuwanderer, die bereits vor Jahren nach Schleswig-Holstein gekommen sind, machen aus ihrer Abneigung gegen Juden keinen Hehl“, sagte er der Zeitung. Der Judenhass sei zu Teilen „importiert“. Niemand habe den Flüchtlingen schließlich erklärt, welchen Stellenwert die Glaubensfreiheit hierzulande habe. Man dürfe aber niemanden unter Generalverdacht stellen, so Schuster.

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erstellt am 12.Jan.2016 | 12:30 Uhr

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