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Lokales

04. Dezember 2016 | 07:13 Uhr

Freisprüche für Klinik-Personal : Tuch im Bauch vergessen – Patientin stirbt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In der Eutiner Sana-Klinik kam es 2011 zu dem OP-Fehler. Im Prozess konnte die Schuldfrage nicht geklärt werden.

Eutin | Vor einem solchen Fehler graut jedem Patienten: Bei einer Operation wird ein Tuch im Bauchraum vergessen. In der Eutiner Sana-Klinik ist das passiert – mit tödlichen Folgen. Zwei OP-Schwestern und ein OP-Pfleger mussten sich am Mittwoch wegen fahrlässiger Tötung vor dem Eutiner Amtsgericht verantworten. Weil sich trotz Protokoll nicht nachweisen ließ, wer für das vergessene Tuch verantwortlich ist, wurden alle drei freigesprochen.

Die Patientin war Christel H. (75). Laut Gutachten starb sie an multiplen Organversagen. Das Tuch war nach einer Operation 2011 mit ihrem Darm verwachsen. Bei einer zweiten OP wurde es zwar entdeckt und entfernt – doch die folgenden Komplikationen überlebte die Eutinerin nicht. Die Naht des mittlerweile extrem entzündeten Dünndarms hielt nicht, es kam zu einer Blutvergiftung. Das Verfahren gegen den Arzt ist bereits eingestellt worden, da es nicht seine Aufgabe ist, auf Instrumente, Tupfer und Tücher zu achten.

Den drei jetzt Angeklagten konnte das Gericht jedoch nicht nachweisen, wer es versäumt hat, das fehlende Tuch zu registrieren. Deshalb beantragte die Staatsanwaltschaft nach dem Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ Freispruch für alle drei. Dem folgte Richter Otto Witt in seinem Urteil. Gleichwohl teilte er die Kritik des Gutachters an dem mangelhaften und „völlig unzureichenden OP-Protokollen“ der Sana-Klinik.

Die Erkenntnis, dass ihre Mutter heute noch leben könnte, schmerzt die drei Kinder der Verstorbenen, die als Nebenkläger auftraten. Der Sohn (52) sagte: „Wenn der Leistungsdruck in einem Unternehmen so groß wird, dass ein Menschenleben so wenig wert ist, finde ich das unverantwortlich.“

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erstellt am 17.Nov.2016 | 10:05 Uhr

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