zur Navigation springen

Lokales

09. Dezember 2016 | 03:09 Uhr

Hilfe für Mensch und Tier : Tierärztin im Afrika-Einsatz

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Christine Montag bildete in Uganda tierärztliche Helfer aus – nun sucht sie Unterstützer, um auch den Menschen in Afrika zu helfen.

„Die Chancenlosigkeit auf der einen – die Gastfreundschaft und Lebensfreude der Menschen auf der anderen Seite – das hat mich tief berührt“, sagt Dr. Christine Montag. Die Tierärztin aus Risum-Lindholm ist vor Kurzem von einem besonderen Einsatz nach Nordfriesland zurückgekehrt, von einer Reise, die sie verändert hat. Bereits zweimal hat sich die Veterinärmedizinerin für den Tierschutz vor Ort in Sri Lanka engagiert. Nun führte sie das Projekt „Tierärzte weltweit“ der Welttierschutzgesellschaft (WTG) nach Iganda, einer Kommune im Osten von Uganda, die von großer Armut geprägt ist. Dort unterrichtete Christine Montag während eines Workshops tierärztliche Helfer in Theorie und Praxis – und gewann in dieser Zeit viele unvergessliche Eindrücke von den Lebensbedingungen und der Kultur der Einwohner.

„Afrika ist noch einmal eine andere Herausforderung als Asien. Zunächst habe ich mich gefragt, ob man nicht eigentlich zunächst den Menschen helfen sollte“, erinnert sich die Tiermedizinerin. „Doch wichtig ist, dass jeder dort hilft, wo er helfen kann.“ Und das Feld dafür ist groß in Iganda. Nur wenige Tierärzte arbeiten in Uganda wirklich am Tier, die meisten seien bei Behörden und Institutionen angestellt. Für das Wohl der Haus- und Nutztiere sorgen meist sogenannte „Community Animal Health Worker“. Rund 30 von diesen bildete Christine Montag unter anderem in Gesundheitsvorsorge, Hygiene, Haltungsbedingungen und Fütterung, aber auch in der richtigen Versorgung von Verletzungen, der Behandlung von Schmerzen, Viren-, Bakterien-, Pilz- und Parasitenbefall aus. „Alles wunderbare, wissbegierige und dankbare Menschen. Schon am ersten Tag wusste ich, dass meine Arbeit erfolgreich sein wird“, sagt Christine Montag, die von Kindheit an von Pferden fasziniert ist und direkt neben dem Wohnhaus mit Praxis auch vier eigene Pferde hält.

Trotz der positiven Stimmung gab es auch frustrierende Momente, wenn es beispielsweise sogar an dem Nötigsten fehlt. Doch Versagen gilt und hilft nicht. „Wir müssen versuchen, uns auf lokale Gegebenheiten einzustellen und das Beste daraus zu machen“, sagt die Tierärztin, die seit fast 20 Jahren in der eigenen Gemeinschaftspraxis mit ihrem Mann und weiteren Tierärzten arbeitet und die gerne einen Teil des Urlaubs für ihre Auslandseinsätze hergibt.

„Es gab auch viele glückliche Momente. Wenn beispielsweise schon kleine Veränderungen große Wirkung zeigen“, berichtet Christine Montag. „Wir konnten viele Bauern überzeugen, dass das Halten an der Fußfessel schlimme Folgen haben kann“, sagt die Ärztin. Diese Haltungsform sei in Afrika ganz traditionell. Doch die Fesseln schneiden sich oft tief ins Fleisch ein. Dadurch komme es zu Entzündungen oder Infektionen, an denen die Tiere sogar verenden können. „Sterben Nutztiere an Infektionen oder anderen Krankheiten, dann stirbt mit ihnen oft die Existenz ganzer Familien“, weiß Christine Montag.

Die Liebe zu fremden Ländern und der Wunsch, in diesen dazu beizutragen, dass Haus- und Nutztiere medizinisch besser versorgt und gesünder leben können – „für mich war es schon immer ein Traum, eine solche Arbeit zu machen“, sagt Christine Montag, die es 1994 von Berlin nach Nordfriesland gezogen hat. Doch solange ihre drei Kinder nicht groß waren, musste dieser Wunsch unerfüllt bleiben. Als die Kinder praktisch aus dem Haus waren, ging es ganz schnell. Wenige Wochen nachdem Christine Montag ihren Wunsch nach einem Auslands-Einsatz bei der internationalen Tierschutzorganisation bekundet hatte, ging es nach Sri Lanka.

Das Hilfsprojekt in Uganda wird die WTG noch zwei bis drei Jahre fortführen, um eine gewisse Nachhaltigkeit zu erreichen. Christine Montag wird sich bereits im kommenden Frühjahr wieder auf den Weg nach Iganda machen. Bis dahin möchte sie von Nordfriesland aus auch für die Menschen dort etwas tun, die trotz großer Not die Tierärztin aus Nordfriesland mit ihrer Fröhlichkeit, Gastfreundschaft und Dankbarkeit tief beeindruckt haben. „Es geht um zwei Projekte. Zum einen darum, orthopädische Prothesen für Minenopfer und Leprakranke zur Verfügung zu stellen, zum anderen wollen wir eine Schule in Iganda unterstützen“, sagt Christine Montag. Geld möchte sie durch die Gründung eines Freundeskreises unter anderem für die Schulspeisung, Lehrergehälter und das Mobiliar sammeln. Menschen, die die engagierte Tierärztin unterstützen möchten, können sich bei Christine Montag melden.

„Ist es nicht ein Tropfen auf den heißen Stein, werde ich oft gefragt“, erzählt sie – und antwortet darauf: „Viele Tropfen ergeben zusammen ein Meer“.

 

zur Startseite

von
erstellt am 17.Nov.2016 | 06:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen