zur Navigation springen

Sylter Rundschau

10. Dezember 2016 | 06:07 Uhr

Fluglärm auf Sylt : Zwei letzte Klagen gegen Fluglärm

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Erneut musste sich das Oberlandesgericht mit dem Sylter Fluglärm beschäftigen. Geklagt haben Zweitwohnungsbesitzer, auf deren Grundstücken Werte über 55 Dezibel gemessen wurden.

Das Schleswiger Oberlandesgericht muss sich weiter mit dem Sylter Fluglärm beschäftigen. Diesmal haben zwei Frauen geklagt, die Zweitwohnungen in Keitum besitzen. Erst Ende Mai hatte das Oberlandesgericht zwei Klagen gegen den Flughafen abgeschmettert.

Von insgesamt 45 Klagen, die 2008 gegen den Flughafen Sylt beim Landgericht Flensburg eingereicht wurden, waren in diesem Jahr noch sieben anhängig. Fünf sind mittlerweile erledigt, weil die Berufung zurückgenommen oder abgelehnt wurde. Bleiben noch zwei – das der beiden Frauen, das gestern eröffnet wurde, und ein allerletztes, für das im Sommer aber eine Entscheidung erwartet wird, erläuterte Gerichtssprecherin Frauke Holmer. Dabei haben die beiden Frauen ein Argument, das den anderen Klägern fehlt – auf ihren Grundstücken wurden Lärmwerte über 55 Dezibel gemessen. Die anderen Kläger hatten auch eine Lärmbegrenzung auf 55 Dezibel verlangt, obwohl dieser Wert bei Messungen auf ihren Grundstücken gar nicht erreicht wurde. Dabei beträgt die Obergrenze auf Sylt 60 dB (A) – dieser zulässige „äquivalente Dauerschallpegel“ war 2014 vom Oberverwaltungsgericht festgelegt worden.

Das Gericht könnte die Unterlassungsansprüche der Klägerinnen nur anerkennen, wenn der Lärm sie „mehr als nur unwesentlich“ beeinträchtigt. Also muss der Senat klären, was eine wesentliche Beeinträchtigung ist. Dabei könnten die Richter auf ein altes Gutachten über die Beeinträchtigung von Menschen durch Lärm aus dem Jahr 2000 zurückgreifen – oder ein neues in Auftrag geben. Wie der Prozess weitergeht, soll am 31. August verkündet werden. Ein Urteil könnte dann im Herbst folgen.

Doch der Sylter Flughafen-Chef Peter Douven sieht auch diesem Gerichtsverfahren gelassen entgegen. Douven verweist darauf, dass die Zahl der Landungen seit 2011 stark zurückgegangen sei. Statt 1250 Landungen mit 210  000 Passagieren vor fünf Jahren seien es im vergangenen Jahr nur noch knapp 1000 Landungen mit 155  000 Passagieren gewesen. „Warum sollte es also Auflagen geben, wenn es keine Probleme gibt?“, fragt Douven. Sein Argument: Die Belastung sei ohnehin schon relativ niedrig gewesen und nun nochmals gesunken.

Bis zur Lärmbeschränkung durch die Schleswiger Richter vor zwei Jahren war das Fliegen auf Sylt nahezu uneingeschränkt möglich. Dabei hat die Anreise von Badegästen mit dem Flugzeug in Westerland Tradition – schon 1919 ging die erste Fluglinie nach Hamburg und Berlin in Betrieb. Nach dem Ende der militärischen Nutzung 2005 und einer Sanierung der Landebahn begann der Aufschwung des zivilen Flugverkehrs auf Sylt, der auch die Fluglärmgegner auf den Plan rief.

Aktuell wird Sylt von neun Flughäfen direkt angeflogen: Von Air Berlin aus Berlin, Düsseldorf, Zürich, München und Nürnberg, von der Lufthansa aus München und Frankfurt, von Sylt Air aus Hamburg und seit 16. Juli auch von Rhein-Neckar Air (RNA) aus Mannheim und Osnabrück.

zur Startseite

von
erstellt am 28.Jul.2016 | 05:10 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen