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Sylter Rundschau

03. Dezember 2016 | 20:51 Uhr

Ladestrasse in Morsum : Zu günstig für Sylter Verhältnisse?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

CDU und SWG verringern Erbbauzins für Gewerbeflächen am Bahnhof. Die Folge: Weniger Einnahmen für defizitäre Kurverwaltung Sylt-Ost

Ursprünglich sollte es nur ein „formaler Akt“ sein, um Verschobenes und Vergessenes nachzuholen. Doch dann sorgte ein Vorstoß von CDU und SWG für einige Verwunderung und teilweise sogar Empörung auf der Sitzung der Sylter Gemeindevertretung Ende vergangener Woche. Die beiden größten Fraktionen konnten mit ihrer Mehrheit durchsetzen, den jährlichen Erbbauzins für die neu zu vergebenden Gewerbegrundstücke in der Ladestraße unmittelbar am Morsumer Bahnhof deutlich geringer zu gestalten als bisher geplant. Bereits im August 2015 hatte der Finanzausschuss mehrheitlich beschlossen, dass die insgesamt sieben Erbbaugrundstücke entlang der Bahnlinie zu einem anfänglichen jährlichen Zins in Höhe von zehn Euro je Quadratmeter mit Wertsicherung der Kaufkraft sowie für die Dauer von 50 Jahren verpachtet werden sollen.

Eine amtliche Vergabemitteilung wurde wie allgemein üblich am 5. Juli dieses Jahres in der Sylter Rundschau veröffentlicht sowie alle Ausschreibungsunterlagen und Rahmendaten inklusive der festgelegten zehn Euro Pacht vom Kommunalen Liegenschaftsmanagement (KLM) auf seiner Webseite für Interessierte zur Verfügung gestellt. Was mehr als ein Jahr lang jedoch fehlte, war die offizielle Zustimmung der Politik: Erst wurde eine Beschlussfassung aus Zeitgründen von der Tagesordnung abgesetzt, dann versäumte KLM eine erneute Vorlage. Dies sollte am Donnerstag nachgeholt werden: Weil die Ausschreibungsfrist bereits am 31. Oktober endet, sagte KLM-Betriebsleiter Marcus Kopplin, eine Vergabe der Grundstücke aber nicht möglich ist, so lange kein Beschluss der Gemeindevertretung vorliegt. Eigentlich eine Art „Selbstläufer“, doch zur großen Überraschung für kleinere Parteien wie SPD, SSW und Grüne, aber auch für Kopplin schlugen Christdemokraten und Sylter Wählergemeinschaft unisono vor, als jährlichen Erbbauzins nur noch sechs Euro je Quadratmeter zu verlangen.

Ausführlicher begründet wurde dieses Abschwenken vom Votum des Finanzausschusses seitens der beiden Fraktionen nicht. Mangelndes Interesse an der Vergabe könne er nicht feststellen, sagte der KLM-Chef auf Nachfrage von Gemeindevertretern. Für die noch freien fünf Grundstücke, zwei seien für die dort ansässigen Gewerbe Strandkorbhersteller und Malerbetrieb vorgemerkt, gäbe es schon jetzt mehr Bewerber als Flächen. Bei geplanten Grundstücksgrößen von 650 bis 840 Quadratmetern wären für die Erbbaurechtsnehmer lediglich monatliche Pachtbelastungen von 650 bis 840 Euro fällig, die bei der Steuer voll als Kosten gegen die Einnahmen verrechnet werden könnten. Zehn Euro seien bereits sehr günstig, so Kopplin, zumal die Areale mit 80 Prozent umfangreich bebaubar seien. Die weitere Verringerung des Erbbauzinses kann der KLM-Chef nicht nachvollziehen: „Wir befinden uns ja nicht in Kleinkleckersdorf, sondern auf Sylt. Hier machen viele Gewerbetreibende doch richtig gute Geschäfte.“ Sorgen machen Kopplin auch die verminderten Pachteinnahmen: Bei einer Gesamtgröße von 4800 Quadratmetern fließen nun je Jahr statt 48  000 nur 28 800 Euro in die Kassen der ohnehin defizitären Kurverwaltung Sylt-Ost, in deren Zuständigkeit sich die Grundstücke befinden. Dem stehen Erschließungskosten in Höhe von zirka 110  000 Euro gegenüber, außerdem ein Aufwand von rund 30  000 Euro für die Herrichtung der Grundstücke.

„Ohne Not verzichtet die Gemeinde hier auf Einnahmen, die wir gut gebrauchen könnten. Für mich ist das völlig unverständlich“, kommentierte Andreas Eck (SSW) ebenso trocken wie enttäuscht die Mehrheitsentscheidung.

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erstellt am 24.Okt.2016 | 05:30 Uhr

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