zur Navigation springen

Sylter Rundschau

09. Dezember 2016 | 06:53 Uhr

Abschied des Lister Bürgermeisters : Wolfgang Strenger: „Das werde ich alles sehr vermissen“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im Interview mit der Sylter Rundschau spricht der scheidende Lister Bürgermeister Wolfgang Strenger über fast zehn ereignisreiche Jahre im Amt.

Am heutigen Mittwoch übergibt Bürgermeister Wolfgang Strenger die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Ronald Benck. Im Gespräch mit der Sylter Rundschau berichtet der 73-Jährige von gelungenen und gescheiterten Projekten, der Wandlung der Gemeinde zur Tourismusdestination und warum er einmal sogar aus dem Bauausschuss geflogen ist.

 

Herr Strenger, nach genau neun Jahren und neun Monaten übergeben Sie den Posten des Bürgermeisters der nördlichsten Gemeinde Deutschlands an ihren Nachfolger. Mit welchen Gefühlen scheiden Sie aus dem Amt?

Mit Wehmut und auch mit etwas Trauer, das gebe ich offen zu. Gerade die letzten Wochen waren eine Zeit des Verabschiedens, in der ich viele Bekannte, Weggefährten und Freunde traf – bei den verschiedenen Zweckverbänden, im EVS-Aufsichtsrat oder im Erlebniszentrum Naturgewalten. Da wurde mir bewusst: Das werde ich doch alles sehr vermissen.

 

Haben Sie und Ihre Familie vor zehn Jahren geahnt, was als Bürgermeister an Aufgaben alles auf Sie zukommt?

Teilweise, denn ich war bei meinem Amtsantritt am 1. Januar 2006 ja wahrlich kein Neuling mehr. Seit 1994 bin ich für die Freie Wählergemeinschaft List aktiv in der Politik, erst als bürgerliches Mitglied, dann als Gemeindevertreter. Aber die Familie ist schon zu kurz gekommen in all den Jahren, das stimmt. Doch meine Frau Christa stand immer hinter mir. Selbst, wenn ich mal abends gar keine Lust mehr hatte, zu einer Sitzung bis nach Hörnum runterzufahren, sagte sie: „Du wirst sehen: Wenn Du da bist, war es doch richtig und es macht Dir sogar noch Spaß“ – sie sollte recht behalten ...

 

Sie sind 1942 geboren, gehörten also zur Generation der 68er, haben zeitweise im damaligen Westberlin studiert. Wie kamen Sie dann zurecht mit den Ebenen der Lokalpolitik auf Sylt?

Oh ja, das war nicht immer ganz einfach. Ich hatte unter anderem von 1970 bis 1974 an der Technischen Universität in Berlin Architektur studiert. Und galt wohl deshalb so manchem hier als rot-grüner Querulant, der gerade frisch aus dem AStA gekommen ist. Während meiner Anfangszeit in List bin ich sogar mal rausgeflogen aus dem Bauausschuss wegen zu kritischer Anmerkungen. Aber das hat mich eher noch angespornt, aktiv Wahlkampf für die FWG zu machen.

 

Als Architekt haben Sie dann ja lange Zeit auf Sylt gearbeitet ...

Gut zwei Jahrzehnte bin ich als Architekt für das Stadtbauamt in Westerland tätig gewesen und habe dabei schon so einige „Spuren“ hinterlassen – zum Beispiel bei den Umbauten des Alten Kursaals und der Alten Post, auch den Neubau der Sylter Welle habe ich mitentworfen. Ein hochinteressantes Projekt war die Neugestaltung des Westerländer ZOB: Das Gebäude dort ähnelt der so genannten Schwangeren Auster in Berlin, der Kongresshalle im Bezirk Tiergarten. Mein letztes Werk war übrigens der neue Standort des ISTS in der Strandstraße. Außerdem habe ich an vielen kommunalen Wohnungsbau-Projekten mitgewirkt, wie in der Süderstraße oder in der Wohnsiedlung Süd.

 

Bauprojekte ganz unterschiedlicher Art und Größe bestimmten auch Ihre fast zehnjährige Amtszeit als Bürgermeister im Inselnorden ...

Ja, das war geradezu zwangsläufig. Denn es galt, und es gilt übrigens noch immer, List von einem ehemaligen Garnisonsstandort zu einer wichtigen Tourismusdestination – wie man das heutzutage nennt - zu entwickeln. Eines der wichtigsten Projekte in meiner Amtszeit war ohne Zweifel der Bau des Erlebniszentrum Naturgewalten. Bis zur Eröffnung zu Biike 2009 brauchte es zehn lange, oft mühsame Jahre Entwicklungsarbeit, mit den Buhlen um Zuschüsse und mit vielen Fahrten zu Gesprächen bis nach Kiel. Ich bin sehr glücklich, dass das geklappt hat und stolz darauf, dass wir das ganz alleine gestemmt haben. Es ist ein großer Erfolg, ein Erlebniszentrum für die ganze Insel geworden: Attraktiv und wichtig für unserer Gäste, aber auch mit ständig positiven Wirtschaftsergebnissen und erfreulichen Rücklagestellungen. Der ganz große und herzliche Dank dafür gebührt Matthias Strasser und seinem gesamten Team.

 

Gescheitert jedoch ist der Bau des Nordsee-College auf dem Gelände der ehemaligen Marineversorgungsschule. Wie stehen sie heute zu dem Projekt?

Wir als Gemeinde waren ja früh eingebunden in das Campus-Thema. Die Pläne wurden gut vermittelt, fast alle in List waren begeistert. Das hätte Arbeitsplätze geschaffen und die Eltern der Internatsschüler wären als Gäste zu uns gekommen. Ich habe daran geglaubt, bin von der Idee noch heute überzeugt und sehr enttäuscht, dass es an wenigen Millionen gescheitert ist.

 

Wie soll es nun weitergehen auf der 17,5 Hektar großen „Brache“ mitten im Ort, wie Sie es nannten?

Es gab bereits etliche Gespräche mit der NCS Grundbesitzgesellschaft. Wir stehen zu dem Konzept ein Drittel Dauerwohnen, ein Drittel Sport, ein Drittel touristische Angebote. Aber das wesentliche Probleme zur Umsetzung dieser Pläne sind die hohen Nachforderungen der BiMA: 170 Euro je Quadratmeter – das ist schon enorm.

 

Der Bund hat es List auch bei anderen Objekten nicht gerade leicht gemacht ...

Wahrlich nicht. Die BiMA scheint mir oft durch Dollaraugen geblendet. Für das Offiziersheim haben Investoren ohne Kontakt zur Gemeinde die Riesensumme von 22,5 Millionen geboten. Dann ist alles gescheitert, es kam zur Rückabwicklung und es gab drei Jahre lang Stillstand. Deshalb bin ich froh, dass wir auf meiner letzten Sitzung in der Gemeindevertretung das „Leuchtturmprojekt Lanserhof“ auf den Weg gebracht haben. Das ist die abschließende Krönung meiner Amtszeit.

 

zur Startseite

von
erstellt am 30.Sep.2015 | 05:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen