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Sylter Rundschau

28. März 2017 | 10:12 Uhr

Neuer Verbrauchermarkt auf Sylt : Wird Sky in Tinnum jemals fertig?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Bauherrin Schipmann liegt im Clinch mit Baufirmen und es gab Schwierigkeiten beim Abriss des alten Gebäudes sowie mit der geplanten Verkehrsführung

Tinnum | Der Sky-Neubau in Tinnum – ob er jemals fertig wird? Hier und da sind zwar Handwerker im Einsatz, doch am halbfertigen Zustand des großen Bauwerks scheint sich nichts zu ändern. Dabei wurde der alte Sky-Supermarkt schon im Oktober 2014 abgerissen. Bereits im Sommer 2015, dann irgendwann im Jahr 2016 sollte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Ob es diesen Sommer losgeht? Da möchte sich keiner der Beteiligten festlegen. „Neueröffnung 2017“ steht mittlerweile nur noch auf dem Bauschild an der Keitumer Landstraße.

Im Juni 2012 berichtete unsere Zeitung erstmals über die konkreten Baupläne der Sky-Mutter Coop. Mit dem Neubau am Kiarwai 2 wollte die Genossenschaft ihren Standort in Tinnum um die Hälfte auf 1550 Quadratmeter vergrößern. Der Sky-Supermarkt wird zwar von der Kieler Coop e.G. betrieben, doch Bauherrin ist die Hamburger Unternehmerin Maria Schipmann.

Lange ist’s her: Der alte Sky-Markt inklusive Postfiliale am Tinnumer Kiarwai wurde bereits im Oktober 2014 abgerissen.
Lange ist’s her: Der alte Sky-Markt inklusive Postfiliale am Tinnumer Kiarwai wurde bereits im Oktober 2014 abgerissen. Foto: SR-Archiv
 

Am 14. März 2016 legte die rüstige ältere Dame im Beisein ihrer Kinder und Enkel den Grundstein für den Neubau. Als Generalunternehmer für den Supermarkt war mittlerweile die Sylter Niederlassung der Firma Aug. Prien eingesprungen. Der vorherige Generalunternehmer Mohrmann Bau aus Alfstedt bei Bremen war ausgeschieden – die Geschäftsbeziehung soll dem Vernehmen nach ein juristisches Nachspiel haben.

Überhaupt scheint das Bauvorhaben mittlerweile mehr Juristen als Handwerker zu beschäftigen. Zahlreiche Gerüchte kursieren unter den Bauunternehmern, doch Stellung beziehen will öffentlich niemand. Gewiss ist nur eines – zwischen der Investorin und Baufirmen herrscht Krach. Die einzige Stellungnahme erhielt unsere Zeitung vom Projektleiter Dr. Stefan Sellschopp, der im Namen von Maria Schipmann Folgendes verlautbaren ließ: „Die Firma Carstensen aus Leck hat für die Bauherrin Abbruch- und Erdarbeiten mit vertraglich vereinbarten Fertigstellungsterminen durchgeführt. Im Zuge der Abnahme der Erdarbeiten wurde von baubegleitenden Ingenieurbüros festgestellt, dass die erbrachte Leistung wesentliche Mängel aufwies. Die Dekra erarbeitete hierauf einen Sanierungsvorschlag, der dann von der Firma Carstensen im Zuge einer mehrmonatigen Mängelbeseitigung umgesetzt wurde. Die Leistung wurde nach gutachterlicher Prüfung abgenommen und der Hochbau durch die Firma Aug. Prien begonnen.“

Was Maria Schipmann nicht erwähnt, aber von Insidern berichtet wird: Sie soll wegen der Bauverzögerung und wegen entgangener Mieteinnahmen von Abbruch-Carstensen über 400.000 Euro verlangen. Das Abbruchunternehmen soll Klage eingereicht haben, um seine eigene Rechnung über knapp 90.000 Euro durchzusetzen. Der Abbruch des alten Einkaufszentrums an dieser Stelle war offenbar kein einfaches Unterfangen – Nachbarn erinnern sich, dass im Untergrund einst ein Wasserlauf war und hier Müll deponiert wurde. Der alte Sky-Markt sei wegen des feuchten Untergrunds auf Pfählen gegründet gewesen – ein Aufwand, der beim Neubau gescheut wurde?

Schwierigkeiten gab es aber auch bei der Verkehrsführung für die Kunden. Der Betreiber wollte an seinen zwei Zufahrten festhalten, berichtet Bürgermeister Nikolas Häckel, doch ein Beschluss der früheren Gemeindevertretung Sylt-Ost sah nur noch die südliche Zufahrt vom Kiarwai auf das Sky-Gelände (gegenüber von Burger-King) vor. Im Bauantrag und in der Baugenehmigung war dann von einer versetzten Einfahrt die Rede. Der Sky-Markt hätte sich die Zufahrt mit den südlichen Nachbarn geteilt, den Bewohnern von Kiarwai 4. Die Anlieger schalteten einen Rechtsanwalt ein, der Kreis musste vermitteln. Das Ergebnis war laut Bürgermeister Nikolas Häckel eine Umsetzung des Sky-Projektes auf eigenem Grundstück – inklusive Parkplatz sowie Zu- und Abfahrt.

So weit, so gut – doch auf der Baustelle geht es trotzdem nicht weiter. Warum das so ist, beantwortet auch die Stellungnahme von Maria Schipmann nicht: „Der schleppende Baufortschritt durch die Fa. Aug. Prien ist der Bauherrin unerklärlich.“ Allerdings rechnet Maria Schipmann bald mit einer Fertigstellung der Wohnungen im Obergeschoss, für die der Generalunternehmer nicht zuständig ist. Sie entstehen unter der direkten Regie der Bauherrin. „Die Vermietung der zehn Dauerwohnungen wird daher plangemäß erfolgen.“

Fast zwei Jahre Verzug – hat Coop da nicht schon das Interesse an einem Supermarkt in Tinnum verloren? Schließlich gibt es noch den großen Sky-Markt an der Autoverladung in Westerland, und seit dem Zusammenschluss mit Rewe werden bei Coop die Karten neu gemischt. So schließt der Sky-Markt in Bredstedt Ende September seine Tore ganz. Doch die Kieler Coop-Pressestelle winkt ab: „Wir sind nach wie vor an dem Standort Tinnum/Sylt interessiert.“

Aber wann der Supermarkt an der Keitumer Landstraße endlich eröffnet werden kann, steht noch in den Sternen. Der letzte Bauzeitenplan soll längst verfallen sein. Einer der Handwerker verriet uns nur: „Zu Ostern gibt es keine Eröffnung, das ist sicher.“

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erstellt am 20.Mär.2017 | 05:07 Uhr

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