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Sylter Rundschau

04. Dezember 2016 | 07:09 Uhr

Sylter Schullandheime : „Wir müssen uns dem Wandel stellen“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Lange blickten Sylter Schullandheime in eine unsichere Zukunft. Nun sollen Marketing-Strategien und Werbemaßnahmen helfen, Gäste zu gewinnen

Geschirrklappern, Hagebuttentee aus Metall-Kannen, durchquatschte Nächte in Stockbetten und Dünenwanderungen in Zweierreihen: Für viele Schleswig-Holsteiner und Hamburger sind die Erinnerungen an ihre erste Reise nach Sylt eng mit den Schullandheimen verbunden. Wer seine Klassenfahrt in Puan Klent, im Fünf-Städte-Heim oder im ADS-Haus verbrachte, kommt oft später auf die Insel zurück – nicht selten sogar sein Leben lang.

Vor zwei Jahren war die Situation der Schullandheime auf der Insel allerdings kritisch und viele der Einrichtungen hatten mit zurückgehenden Gästezahlen zu kämpfen (wir berichteten). Die Gründe waren vielfältig: Kleinere Klassen aufgrund des demographischen Wandels, mangelnde finanzielle Mittel der Eltern und weniger Sportvereine, die ihren Weg nach Sylt fänden.

„Wir haben uns 2013 und 2014 um unsere Zukunft wirklich Sorgen gemacht“, sagt Martina Affeldt, Leiterin des Jugenderholungsheims Puan Klent zwischen Rantum und Hörnum. „Aber zum Glück haben sich die Befürchtungen nicht bewahrheitet und wir waren dann doch gut ausgelastet.“ Die kritische Situation habe in Puan Klent eine gewisse Aufbruchstimmung herbeigeführt: „Wir mussten uns diesem Wandel stellen und entscheiden, wie wir mit der Situation umgehen“, erinnert sich Martina Affeldt. „Da gab es einen Auf- und einen Umbruch und wir mussten uns überlegen, wie wir unsere Zukunft gestalten wollen.“

Als Reaktion wurde von dem Jugenderholungsheim kräftig die Werbetrommel gerührt.„Wir haben uns angeguckt, was unser Klientel ist und wo wir möglicherweise auch anderes herbekommen“. So habe man vor etwa drei Jahren damit begonnen, Werbung für Puan Klent zu machen: Das Jugenderholungsheim präsentierte sich auf Messen und beim Deutschen Jugendhilfetag. „Das werden wir auch noch weiter intensivieren“, so Affeldt. Denn auch die Schullandheime dürften vor Marketing- und Werbemaßnahmen nicht zurückschrecken. „Es ist ein großer Faktor, dass wir auf dem Markt präsent sind und dass wir uns gut präsentieren. Früher war das sicherlich anders, aber heute können wir nicht mehr darauf warten, ob jemand kommt oder nicht.“

Auf Werbemaßnahmen setzt auch das Rantumer Schullandheim Gerd-Lausen-Haus des ADS Grenzfriedensbundes. Grund zum Klagen gebe es dort allerdings auch nicht: „Wir sind in diesem Jahr gut ausgelastet gewesen“, sagt Dr. Michaela Oesser, Geschäftsführerin des ADS Grenzfriedensbundes in Flensburg. Das sei auch auf eine neue Strategie zurückzuführen: „Wir gehen aktiv auf die Schulen zu und bieten Veranstaltungen für interessierte Lehrer an“, berichtet Oesser. Denn gerade für junge Lehrer sei es oft schwierig, eine Klassenfahrt alleine zu planen: „Sie haben eine wahnsinnige Verantwortung und wir bieten ihnen Treffen, um ihnen die Sorgen zu nehmen. Auf diesem Weg gewinnt man auch andere Interessierte aus dem Umfeld der Lehrer.“

Im kommenden Jahr sollen diese Maßnahmen noch ausgebaut werden. „Seit einem Jahr haben wir eine -Mitarbeiterin, die sich auf diese Maßnahmen konzentriert und die wirklich einen tollen Job macht. Denn wir wollen diesen Weg noch weiter gehen und noch besser werden“, so Michaela Oesser.

Eine deutlich bessere Saison als 2015 bestätigt auch Holger Kröger, Hausleiter des Hörnumer Fünf-Städt-Heims. In den vergangenen Jahren hätte vor allem der demographische Wandel, aufgrund dessen die Klassen kleiner sind, für einen Rückgang der Buchungen in dem Hörnumer Schullandheim gesorgt. Auch werde durch das neue Schulsystem mit Gemeinschaftsschulen das Zeitfenster, in dem die Klassen auf Klassenfahrt fahren können, immer enger. „Im September stürzen sich alle auf uns“, sagt Kröger, „da könnten wir hier 1000 Leute unterbringen. Aber im Mai und Juni könnten wir durchaus noch ein paar Gäste vertragen.“ Die guten Buchungszahlen dieses Jahres führe Kröger allerdings auch auf den generellen Trend zurück, in Deutschland Urlaub zu machen. „Auch die Klassen fahren nicht mehr gerne in die Türkei. Wenn dann auch noch das Wetter so gut ist wie in diesem Jahr, ist das eine tolle Werbung. So viele Sonnenbrände wie in diesem Jahr habe ich glaube ich noch nie gesehen. Ist das Jahr gut gewesen, sind die Buchungszahlen für das darauffolgende Jahr auch besser.“

Ängste, dass die Buchungszahlen zurückgehen würden, gab es auch beim Nordseeheim Wenningstedt. „Wir haben vor allem gemerkt, dass sich die Sportvereine zurückgezogen haben, weil viele Jugendliche auch in Sommercamps nach Mallorca, Ibiza und Lloret de Mar fahren“, sagt Beate Krupski. „In diesem Jahr waren wir dann sehr aktiv, haben Beachvolleyball-Camps und eine Fußballfreizeit veranstaltet und damit Gäste gewinnen können, die auch im nächsten Jahr wiederkommen.“ Wie im Fünf-Städte-Heim sei vor allem der September ein beliebter Reisemonat: „Da haben wir bereits bis 2024 Buchungen von Schulen, die dann gleich das ganze Heim buchen.“

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Sylter Rundschau-Redakteurin Julia Nieß von
erstellt am 09.Nov.2016 | 05:26 Uhr

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