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Sylter Rundschau

29. Mai 2016 | 17:19 Uhr

Sylt : Windpark Butendiek: Naturschützer fordern Klarheit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Streit um Windpark: Gibt es wegen des Butendiek-Baus weniger Schweinswale? Naturschützer befürchten dies – Betreiber sagen: Nein.

Sylt | Sorgt der Bau des Windparks Butendiek dafür, dass es vor Sylt weniger Schweinswale gibt? Diese Frage treibt die Sylter Naturschützer um. Sie beklagen, dass der Bau des Offshore-Windparks, der seit diesem Frühjahr 32 Kilometer westlich von Sylt im Schutzgebiet Sylter Außenriff gebaut wird, von staatlicher Seite zu wenig überwacht wird. Butendiek wird wenige Kilometer vor dem 1999 eingerichteten Sylter Walschutzgebiet gebaut.

Allerdings: Die Arbeiten, die am lautesten sind und die Schweinswale vertreiben könnten – das hydraulische Rammen von Pfählen in den Meeresgrund – sind schon zu mehr als drei Viertel abgeschlossen. Das sehen auch die Naturschützer: „Die Kontrollen hinken den Tatsachen hinterher“, sagt Biologe Lothar Koch von der Schutzstation Wattenmeer. Mit den Mitgliedern der Naturschutzgemeinschaft Sylt, des Landschaftszweckverbandes und des Erlebniszentrums Naturgewalten ist er sich darin einig, dass auf der Insel zu Butendiek zu wenig informiert werde: „Mutmaßungen gibt es viele: Zum Beispiel, dass weniger Schweinswal-Mutter-Kalb-Gruppen dieses Frühjahr vor dem Weststrand auftauchen als in den Vorjahren.“

Von Seiten der Betreibergruppe wpd heißt es, dass nach den ihnen vorliegenden Daten keine Abnahme der Schweinswalbestände westlich von Sylt zu erkennen seien. Wpd hat die Husumer Bioconsult GmbH damit beauftragt, ökologische Begleituntersuchungen während der Bauphase vorzunehmen. Ihr Ergebnis lautet: „Bestandsverlauf und Bestandshöhe sind normal und Schweinswale so häufig wie in den Vorjahren.“ Mindestens monatlich seien die Tiere von Schiffen aus gezählt worden, „in den Monaten April und Mai wurden sogar drei Zählungen monatlich durchgeführt, um eine besonders belastbare Datengrundlage zum Vorkommen von Seetauchern zu erhalten“, heißt es von Bioconsult weiter. Zudem würden ein bis zweimal im Monat Flugzählungen vorgenommen.

Auskünfte über die Zahl der Schweinswale hätten die Sylter Naturschützer lieber von unabhängiger Seite. Sie habe die Auskunft des Naturschutzbundes beunruhigt, dass bei einer Schweinswal-Zählung des Bundesamtes für Naturschutz deutlich weniger Tiere zu sehen gewesen seien als in den Vorjahren (wir berichteten). Doch zu diesen Zählungen gebe das Bundesamt keine Auskunft, auch auf Nachfrage der Sylter Rundschau wurde keine Stellungnahme abgegeben.

„Wir sind verunsichert und fordern mehr Transparenz und aktuelle Bürgerinformation von den Betreibern und den zuständigen Bundesämtern zu den Auswirkungen des Windparks auf die Meeresumwelt“, sagte Roland Klockenhoff von der Naturschutzgemeinschaft Sylt. Und der Sylter Landtagsabgeordnete Andreas Tietze (Grüne) ist der Ansicht, man müsse Unternehmen wie wpd dazu zwingen, offener zu arbeiten. Er sieht den Bau von Butendiek, den er einst gut geheißen hat, mittlerweile kritisch: „Damals waren wir vielleicht etwas blauäugig.“ Heute halte er den gewählten Standort für falsch.

So weit, dass der angefangene Windpark wieder abgerissen werden müsste, will keiner der Sylter Kritiker gehen: „Von so vielen Windparks steht der Bau noch aus – dann sollte man bei Butendiek die bestmöglichen Rahmenbedingungen durchsetzen, damit dieser Windpark als Messlatte für weitere gelten kann.“

Sylts vielleicht erbittertster Windpark-Gegner, Hans-Joachim Zielinski, kann über die Kritik der Naturschützer nur den Kopf schütteln: „Sie haben zehn Jahre lang und länger gewusst, was der Nordsee und den Walen droht, wenn Windkraftwerke in den Boden gerammt werden. Zehn Jahre lang haben sie nichts unternommen“, schreibt der Sylter Arzt, „zehn Jahre lang haben sie unseren Protest ignoriert. Weil sie zu feige waren (und sind), gegen die heilige Kuh Windkraftwerke zu Felde zu ziehen.“

> Wer sich über das Thema Offshore-Windparks informieren will, kann am 19. Juli um 19 Uhr ins Erlebniszentrum Naturgewalten nach List auf Sylt kommen. Dort findet im Rahmen der Klimawoche eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema statt.

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erstellt am 08.Jul.2014 | 07:18 Uhr

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