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Sylter Rundschau

02. Dezember 2016 | 21:16 Uhr

Pokémon Go : Wenn ein Quapsel am Sylter Strand steht

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Auf der Insel begeben sich immer mehr auf die Jagd nach Pokémon. ADAC warnt vor Gefahren, Krankenkassen freuen sich über die Bewegung.

Pokémon tragen seltsame Namen wie Hornliu, Rattfratz, Bluzuk und Quaputzi. Sie sind gerade mal ein paar Zentimeter groß, versetzen aber die gesamte Welt in Aufruhr. Auch auf der Insel laufen (vornehmlich) junge Menschen mit dem Smartphone in der Hand scheinbar ziellos durch die Gegend und fangen damit die kleinen „Pocket Monster“. Bereits in den 90er Jahren war Pokémon ein Hype, zunächst als Kartenspiel, später als Computerspiel und Fernsehserie – dann verschwanden die kleinen Monster in der Versenkung. Jetzt sind sie zurück – als Online-Spiel fürs Smartphone, das sich auch auf Sylt einer wachsenden Fangemeinde erfreut.

Von List bis nach Hörnum, von Westerland bis Morsum jagen Spieler die kleinen virtuellen Fantasiegestalten. Darunter auch Benedikt Niehues aus Stuttgart, der mit dem Handy in der Hand an der Wilhelmine sitzt. Dort ist eine sogenannte Arena, in der die eingefangenen Pokémon gegeneinander antreten können. „Hier kämpfen wir gegen andere Pokémon-Spieler“, erzählt der 20-jährige Sylt-Urlauber. „Jetzt grad im Urlaub, wenn man eh nichts anderes zu tun hat, macht es total Spaß“, sagt er, „außerdem laufen wir damit viel herum und erkunden so die Gegend“.

Auch Mia Heitmann aus Gütersloh schlendert an der Seite ihres Vaters die Friedrichstraße in Westerland hoch, die Augen auf das Smartphone gerichtet. „Ich habe früher immer sehr gerne Pokémon geschaut und das Computerspiel gespielt“, erzählt sie. Das Spiel mache ihr einfach Spaß, „auch wenn es meinem Vater nicht so gefällt“. Papa Axel nimmt das neue Hobby seiner Tochter hin, ganz glücklich ist er damit aber nicht: „Wenn wir spazierengehen hat sie immer ihr Handy in der Hand“, erzählt er. Ihr das Spiel zu verbieten käme ihm aber nicht in den Sinn. „Ich sage ihr nur, dass sie nicht irgendwo gegen laufen soll“, sagt er lachend.

Während sich Papa Heitmann über den ständigen Blick seiner Tochter aufs Handy ärgert, kann das Spiel nach Einschätzung des Theologen und Medienexperten Thomas Dörken-Kucharz zu einer neuen Wahrnehmung bekannter Orte führen. „Das Spiel lenkt die Aufmerksamkeit auf bedeutende Details in unserer Umgebung, die vor allem viele Jugendliche noch nie wahrgenommen haben“, sagte der Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Beirat der freiwilligen Selbstkontrolle der Computerspielewirtschaft.

Auch Krankenkassen können dem Spiel etwas Positives abgewinnen, auch wenn Organisationen wie der ADAC in letzter Zeit vor allem vor Gefahren im Straßenverkehr warnten. „Für das Spiel muss man tatsächlich nach draußen“, sagt Christian Bredl von der Techniker Krankenkasse. Die japanische App sei gerade für Kinder und Jugendliche ein prima Präventionsansatz gegen Rückenschmerzen und Übergewicht. Bislang haben sich der TK zufolge nur drei von zehn Jungen und jedes fünfte Mädchen eine Stunde täglich an der frischen Luft bewegt – jetzt legen etliche Online-Spieler auf der Suche nach virtuellen Monstern oftmals mehrere Kilometer in der Realität zurück.

Auch immer mehr skurrile Geschichten von Pokémon-Jägern kommen nach und nach an die Öffentlichkeit: Im Inselsüden traf Gastronom Jens Lund ein kleines Mädchen, das – den Blick starr aufs Telefon gerichtet – alleine auf dem Hinterhof seines Betriebes stand. „Hier ist eine Arena“, erzählt Lund, „daher erleben wir es häufiger, dass Pokémon-Spieler wie ferngesteuert zu uns kommen.“ In Kiel hat die Spielfreude sogar einen Polizeieinsatz ausgelöst. Mitarbeiter einer Restaurantkette hatten die Polizei alarmiert, weil 20 bis 30 Jugendliche mit Smartphones den Eingang blockierten.

Wie lange das Spiel noch in aller Munde ist, wird sich zeigen. Aber die Erfahrung zeigt, auch dieser Trend geht vorbei.

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Sylter Rundschau-Redakteurin Julia Nieß von
erstellt am 03.Aug.2016 | 05:18 Uhr

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