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Freizeit auf Sylt : Wenn der graue Alltag weichen darf

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Björn Schulz Stiftung organisiert auf Sylt Freizeiten für die Geschwister lebensbedrohlich erkrankter Kinder

Betritt man das Rosemarie-Fuchs- Haus in List, empfängt einen sofort lautes Kinderlachen. Es ist unüberhörbar, dass dies ein Ort der Freude ist. Doch so fröhlich der erste Eindruck wirkt, so ernst ist der Hintergrund: Jedes der teilnehmenden Kinder hat zu Hause ein lebensbedrohlich erkranktes Geschwisterkind. „Die gesunden Kinder stehen in den betroffenen Familien oft im Hintergrund. Ihre Belange rutschen in die Zwischenräume, die noch bleiben zwischen Krankenhausbesuchen, Pflege und Betreuung des kranken Kindes“, erklärt Tanja Kiwitt, Psychologin und Koordinatorin für die Geschwisterangebote der Björn Schulz Stiftung. „Die Eltern können ihnen meist nicht so viel Zeit und Fürsorge widmen, wie sie es gern würden.“

Schere – Stein – Papier: Der 12-jährige Justin beim Gruppenspiel.
Schere – Stein – Papier: Der 12-jährige Justin beim Gruppenspiel. Foto: Rack

Zur Entlastung der Eltern und als Ausgleich für die gesunden Kinder organisiert die Björn Schulz Stiftung, die ihren Sitz in Berlin hat, einmal im Jahr eine Freizeit für die gesunden Geschwisterkinder. Zirca 13 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren fahren dann gemeinsam in eines der Häuser der Stiftung auf Sylt oder am Chiemsee. Manche der kranken Geschwisterkinder sind gleichzeitig in einer Einrichtung der Stiftung in der Nähe des Wohnortes, sodass dies auch eine besondere Zeit der Erholung für die Eltern darstellt.

Die Teilnehmer suchen Tanja Kiwitt und ihre Kollegen persönlich aus. Durch die vielen Angebote der Stiftung verbringen die Mitarbeiter mit den Familien viel Zeit und können daher genau beurteilen, welche Geschwisterkinder einen Bedarf haben. Die Familien leisten dann lediglich einen symbolischen Beitrag, das Projekt finanziert sich hauptsächlich durch Spenden.

Im Vordergrund der einwöchigen Sylt-Reise steht der Spaß der Kinder: Ein Ausflug in die Sylter Welle ist geplant und auch die Wattwanderung, die in einer großen Schlammschlacht endete, kam bei allen gut an. Daneben möchte das Betreuer-Team die Kinder für die Zukunft wappnen: „Wir versuchen die sogenannte Resilienz der Kinder, also die Widerstandsfähigkeit gegenüber widrigen Umständen, zu stärken“ so Kiwitt. Je nachdem wie die psychologische Betreuung ist, könne auch eine solch elementare Erfahrung wie der Tod eines Bruders oder einer Schwester die Kinder zu besonders starken Persönlichkeiten werden lassen, erklärt die Psychologin. Häufiger komme es aber vor, dass die gesunden Kinder sehr angepasst seien. Sie übernähmen dann die Rolle, die sie innerhalb der Familie zugeteilt bekommen haben, um die Eltern nicht zu überfordern.

Allerdings gehe jeder Betroffene unterschiedlich mit der familiären Situation um. Für den zwölfjährigen Justin ist es zum Beispiel ganz selbstverständlich, dass sein behinderter Zwillingsbruder, der drei Tage nach der Geburt Hirnblutungen hatte, anders ist als andere Kinder. Er empfinde dies aber nicht als Belastung. Für die zehnjährige Marie ist es hingegen wesentlich schwieriger mit der Situation ihres Bruders Lio umzugehen: Der Fünfjährige hat einen schweren Herzfehler und muss häufig Operationen durchstehen, deren Ausgang oft ungewiss ist. Für genau solche Situationen sollen die Geschwister auf Sylt Techniken erlernen, die sie mit in ihren Alltag nehmen können. Betrachtet man sie beim Toben auf der Schaukel, besteht kein Zweifel, dass sie auf einem guten Weg sind.

Weitere Informationen zu den Projekten und Spendenkonten gibt es im Internet unter www.bjoern-schulz-stiftung.de.

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erstellt am 11.Apr.2017 | 05:17 Uhr

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