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Sylter Rundschau

08. Dezember 2016 | 05:10 Uhr

Serie: Auf und von Sylt : Wenn aus Fremden Freunde werden

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der ehemalige Kapitän Falk Eitner und seine besondere Art, die Nachbarinsel Röm vorzustellen.

Die dänische Insel Röm (dän. Rømø) scheint vom Lister Ellenbogen aus zum Greifen nah und in der Tat trennen nur drei Kilometer Wasserweg Deutschland und Dänemark voneinander. Die Sylt Fähre braucht für diese Strecke 45 Minuten, Gästeführer Falk Eitner für seine Tour „Unterwegs mit Menschen“ sieben Stunden. Wer ihn begleitet, kommt als Fremder und geht als Freund.

„Alle Fakten über Röm könnt ihr im Internet nachlesen. Ich möchte, dass ihr die Insel erlebt, ihre wohltuende Ruhe spürt und am weiten Sandstrand glaubt, hier geht es ab in den Horizont“, stimmt Falk Eitner uns ein. Familien mit Schulkindern, ältere Ehepaare und alleinreisende Damen stehen mit mir am Fähranleger in List.

Unser Gästeführer sieht aus wie ein Sylter Bilderbuch-Kapitän. Und in der Tat ist der Kampener Jung Falk Eitner fast 45 Jahre zur See gefahren. Weder die Kontrolle der gekauften Tickets noch Geld für die ersten Getränke an Bord interessieren ihn. Erst einmal sollen wir raus an Deck und die Seeluft genießen. Im dänischen Hafen Havneby angekommen gibt es dann doch ein paar Fakten: Röm ist größer als Sylt, hat aber im Winter nur knapp 700 Einwohner. Die Menschen leben zwar vom Tourismus, doch suchen sie in erster Linie Ruhe und die Möglichkeit nach eigenen Vorstellungen zu leben.

Falk Eitner kennt viele der Insulaner, berichtet von ihren (Aussteiger)-Geschichten und kündigt uns eine kulinarische Spezialität an: Im Havneby Kro erwartet uns bei Holms die hausgemachte Fischfrikadelle. Noch etwas fremd miteinander nehmen wir in der Sonne Platz. Falk nimmt die Hemmungen in kulinarischer und zwischenmenschlicher Hinsicht, bringt uns miteinander ins Gespräch und lobt alle mutigen Erstlings-Fisch-Esser. Das Gefühl, dass hier ein Familienoberhaupt mit seinen Kindern unterwegs ist, verstärkt sich und bringt uns als Gruppe enger zusammen.

Unsere Inselwanderung führt vorbei an Ferienappartements und kleinen Läden sowie dem Golfplatz Richtung Strand. Für den ist Röm berühmt, denn er ist mit vier Kilometern Nordeuropas breitester Sandstrand, wird von Autos befahren und zum Reiten und Strandsegeln genutzt.

Bevor wir den Strand erreichen, picknicken wir im Wald. Auch der ist mit seinem Kieferbewuchs auf dem Sylter Dünengrund so nicht zu finden. „Holt mal die Äpfel aus meinem Rucksack und verteilt sie“, bittet er die jüngsten Teilnehmer, die diese Aufgabe gerne übernehmen und plötzlich wieder Kraft für das letzte Stück Weg zum Strand haben. Der Anblick, der sich hier bietet, hält das, was Falk Eitner versprochen hat: Das imposante Farbenspiel der Strandsegler wechselt sich ab mit dem Glitzern der Sonne auf dem Meer und den Wolken am Himmel. Der kilometerlange Weg am Strand entlang lässt Raum und Zeit vergessen, alle erleben, wie Röm tatsächlich aus einer Gruppe von wildfremden Menschen langsam gute Bekannte macht. Die Umgebung sorgt dafür, dass wir unsere Herzen öffnen und unsere Zungen sich lösen. Manchmal spricht es sich mit Fremden einfacher.

Die Strandsegler faszinieren vor allem die jüngeren Teilnehmer und so sorgt Falk dafür, dass sie mitsegeln dürfen. Ein Eis am Strandkiosk gibt es noch obendrauf, bevor unser Weg uns durch die Dünen zu Ole führt.

Auch Ole ist ein Freund von Falk, bei ihm gibt es Kaffee und Wiener Brot. Das müssen wir allerdings selbst vom Bäcker holen, alle geben etwas Geld und die Mutigsten stiefeln los hinein in das dänische Leben.

Wie im Flug ist der außergewöhnliche Tag vergangen, zurück auf Sylt trennen wir uns sehr herzlich voneinander, Kontakte werden ausgetauscht. Falk hat Recht behalten: Die Fakten über Röm können wir im Internet nachlesen, das Gefühl für die Insel und die heute Morgen noch fremden Menschen konnte nur auf Röm entstehen.

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erstellt am 28.Sep.2016 | 04:01 Uhr

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