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Sylter Rundschau

29. Juli 2016 | 19:49 Uhr

Weniger Langfinger auf Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Zahl der Ladendiebstähle auf Sylt ist gesunken / Einzelhändler versuchen mit Kameras und extra Personal Kriminelle abzuschrecken

Die Zahl der angezeigten Ladendiebstähle ist auf Sylt zurückgegangen. 2015 wurden im Vergleich zum Vorjahr rund 25 Prozent weniger Fälle registriert, teilte der stellvertretende Leiter der Sylter Kriminalpolizei (Kripo), Erk Kessenich, mit. Während 2014 74 Taten bei der Polizei gemeldet wurden, waren es im vergangenen Jahr nur 53. Diese Zahlen seien jedoch nicht zwangsläufig darauf zurückzuführen, dass in Boutiquen, Drogerien und Supermärkten weniger geklaut wurde. „Die Dunkelziffer ist sehr hoch und längst nicht alle Diebstahl-Opfer gehen auch zur Polizei“, sagt Kessenich. So könnte es demnach auch sein, dass die Zahlen in der Statistik niedriger ausfallen, weil weniger Einzelhändler Anzeige erstattet haben, die tatsächliche Zahl der Taten jedoch gleich geblieben oder gar gestiegen ist.

Bei Ralph Lauren in Keitum liegt der letzte erfolgreiche Diebstahl schon einige Monate zurück: „Das merkt man sofort, wenn jemand den Laden betritt und was mitgehen lassen will“, sagt eine Verkäuferin. Allerdings müsse man dafür ein geschultes Auge und ausreichend Personal haben. Häufig würden Pullover oder Shirts aus den Regalen „einfach so in große Papptüten purzeln“, die die Leute aus anderen Läden mitbringen. Die Zahl der Diebstähle im Modeladen habe zugenommen – allerdings seien es heute meist Banden, die auf Sylt ihre Beutezüge starten. „Dann geht es auf die dicken Dinger wie teure Lederjacken – mit Polohemden gibt sich heute keiner mehr ab“, sagt die Angestellte.

Sylvia und Ingo Dehn haben in ihrem Edeka-Markt in Hörnum vor rund sechs Jahren Kameras installiert. Schon am Eingang werden potenzielle Ladendiebe vor dem Sicherheitssystem gewarnt. „Seitdem wird zwar immer noch viel geklaut, aber man kann es besser kontrollieren“, sagt Hendrik Dehn, der das Geschäft gemeinsam mit seinen Eltern und seinem Bruder betreibt. Häufig würden teure Sachen, wie Champagner für 120 Euro geklaut, aber auch Batterien und Rasierklingen seien beliebt, sagt Dehn. Sowohl 10-jährige Kinder, als auch Damen im Pelzmantel seien unter den Dieben.

Ähnliches berichtet die Angestellte einer Drogeriemarkt-Kette gegenüber des Westerländer Bahnhofs: „Das fängt beim Labello an und hört bei teurer Kosmetik auf.“ Täglich würde sie mindestens eine leere Verpackung aus den Regalen ziehen, deren Inhalt zuvor gestohlen wurde.

Einen bestimmten Inselort, an dem Spitzbuben besonders häufig etwas mitgehen lassen, kann die Polizei nicht nennen. Es werde überall dort geklaut, wo es Geschäfte gibt – von Hörnum bis nach List, sagt Kessenich. Auch beim Diebesgut gäbe es keine Schwerpunkte: Von Bekleidung, über Kosmetik bis Alkohol sei alles dabei, sagt er. Kameras oder Ladendetektive in den Geschäften könnten Langfinger demnach abschrecken.

Hilfreich sei es ebenfalls, wenn sich Sylter Geschäftsleute über Facebook oder telefonisch gegenseitig warnen, sobald eine scheinbar verdächtige Person im Laden war. Das würde die Arbeit der Polizei erleichtern und sorge dafür, dass auf der Insel mehr Diebstähle aufgeklärt werden können, sagt der Kripobeamte. Im vergangenen Jahr konnten im Schnitt mehr Diebe geschnappt werden, als im Vorjahr: Die Aufklärungsquote lag auf Sylt bei 81 Prozent.

Im Landesvergleich schneidet die Insel bezüglich der angezeigten Ladendiebstähle gut ab. In Schleswig-Holstein ist die Zahl der bekannt gewordenen Fälle 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 13,5 Prozent gestiegen. Mit rund 90 Prozent wurden, zumindest statistisch gesehen, mehr Fälle aufgeklärt, als auf der Insel.

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erstellt am 23.Mär.2016 | 06:24 Uhr

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