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Sylter Rundschau

10. Dezember 2016 | 06:10 Uhr

Sylter Kommunalpolitik : Wenig Beifall für KLM-Pläne

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Noch immer keine Einigkeit über Bebauung der ehemaligen Kindergarten-Fläche. Weniger Pflegeaufwand für gemeindeeigene Grünflächen

Mehr Wohnungen für Sylter – kein einfaches Unterfangen im Ortsteil Archsum. Marcus Kopplin vom Kommunalen Liegenschafts-Management (KLM) der Gemeinde stellte dort am Donnerstag Abend Pläne vor, wie bezahlbarer Wohnraum aussehen könnte. Das vernichtende Urteil einiger Zuhörer: „Potthässlich!“

Vor zweieinhalb Jahren war der Kindergarten hinter der alten Schule abgerissen und dem Erdboden gleichgemacht worden. Seitdem diskutiert der Ortsbeirat, wie diese Gemeindefläche wieder bebaut werden soll. Große Einigkeit herrscht darin, hier Dauerwohnraum für Sylter zu schaffen, am liebsten für junge Familien mit Kindern. KLM-Chef Kopplin präsentierte Zeichnungen von Bauten, die das gemeindeeigene Wohnungsbauunternehmen an anderen Inselorten plant. Für Archsum böte es sich an, vier moderne Duplexhäuser mit Spitzgiebeln zu errichten – im Stil der 14 Reihenhäuser, die auf den landeseigenen Flächen am Tinnumer Kampende entstehen sollen. Jede Wohneinheit hätte 90 bis 95 Quadratmeter Wohnfläche, die Baukosten würden bei 2650 Euro pro Quadratmeter liegen, die Kaltmiete bei 8 bis 10 Euro. Die Planung umfasst auch acht Parkplätze – jeweils zwei für eine Wohneinheit, weil Familien auf dem Lande erfahrungsgemäß meist über zwei Autos verfügten.

„Die Häuser selbst sind doch so hässlich wie nur ’was“, meinte Lütje Theissen. „Das passt doch nicht in unser Ortsbild“, pflichtete ihm Boy Christiansen bei. Zweifel wurden laut, ob die Ortsgestaltungssatzung Bauten dieses Stils überhaupt zulasse. „Privat dürfte ich so etwas nicht bauen, aber die Gemeinde haut uns so ein Ding hin“, meinte Christiansen. „Das ist sicherlich Geschmackssache“, wehrte Kopplin die Kritik ab. „Nicht jeder möchte Friesenbarock.“

Der KLM-Chef stellte klar, dass sein Unternehmen derzeit nicht über die Ressourcen verfüge, um speziell für Archsum zwei oder vier Wohneinheiten zu planen. Die Übernahme der Tinnumer Baupläne hätte große finanzielle Vorteile, sowohl bei der Planung als auch bei der Bauausführung. „Wir achten natürlich auch auf den Aufwand für Bewirtschaftung und Instandhaltung, damit diese Häuser bezahlbar bleiben.“ Ortsbeirats-Vorsitzender Jürgen Kamp erinnerte daran, dass die Mietwohnungen wirtschaftlich zu betreiben sein müssten – daher komme man an Kompromissen nicht vorbei. Das wollte Boy Christiansen aber zumindest für die Giebelgestaltung nicht gelten lassen: „Spitzgiebel auf Sylt – nichts ist schlechter zu unterhalten, weil der Regen bei uns von der Seite kommt.“

Kopplin bot dem Ortsbeirat noch alternativ an, sich zu einem späteren Zeitpunkt an die Reihenhaus-Bebauung in Morsum anzuschließen. Jürgen Kamp kündigte an, dass sich der Ortsbeirat nun erstmal selber Gedanken machen werde – über die Bebauung und über die Zielgruppe, die mit den gemeindeeigenen Neubauten erreicht werden soll.

Ein anderes Aufreger-Thema war die Pflege der Grünflächen in der Gemeinde. Auslöser war der Hinweis von Bürgermeister Nikolas Häckel, dass die Kontrolle der Löschwasserversorgung nicht mehr ehrenamtlich von der Feuerwehr übernommen wird, sondern nun dauerhaft zwei Mitarbeiter des Bauhofes dafür abgestellt werden mussten. Alle Hydranten, Bohrbrunnen, Zisternen und Löschteiche im Gemeindegebiet würden künftig einmal jährlich kontrolliert – daraus ergäbe sich ein zusätzlicher Arbeitsaufwand von rund 3000 Arbeitsstunden pro Jahr.

Weil kein zusätzliches Personal eingestellt wird, müsste im Gegenzug der Unterhalt der Grünanlagen eingeschränkt werden. Gemeindeeigene Flächen sollen pflegeleichter gestaltet und die Unterhaltung von Fremdflächen reduziert werden. Häckel beklagte, dass der Bauhof Müll von Bahngleisen entfernen müsse, obwohl dafür der Bund zuständig wäre. Doch für die Pflege der Grünstreifen mehr Geld auszugeben, lehnte der Bürgermeister ab. Angesichts der schrumpfenden Rücklagen der Gemeinde sei es an der Zeit, die Ausgaben in den Griff zu bekommen. Archsumer Bürger befürchteten nun, dass die Grünstreifen ungepflegt aussehen könnten – undenkbar in einer vom Tourismus abhängigen Gemeinde.

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erstellt am 10.Sep.2016 | 05:30 Uhr

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