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Sylter Rundschau

25. März 2017 | 14:40 Uhr

Geburtsstation : Weiter Streit um Geburtshilfe auf Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Insel-SPD kritisiert massiv Vorschläge der Bürgerinitiative „Grundversorgung“ zur Wiedereröffnung einer Geburtsstation.

Westerland | Ob tatsächlich neue Chancen für die Wiedereinrichtung einer Geburtsstation auf Sylt bestehen, ist unter den politischen Parteien der Insel heftig umstritten. Nach unserem Bericht über ein Treffen von Lars Schmidt, Initiator des Bürgerbegehrens „Grundversorgung Nordfriesland“, mit der Asklepios-Geschäftsführung sowie den Stellungnahmen von Lasse Lorenzen von der neu gegründeten Partei „zukunft.“ und des CDU-Kreistagsabgeordneten Frank Zahel meldet sich jetzt die Sylter SPD zu Wort.

Lars Schmidt hatte nach seinem Gespräch mit Asklepios in Hamburg von einem neuen Angebot berichtet, welches der Klinikkonzern zur Wiedereröffnung einer Geburtsstation in den Räumen der Nordseeklinik gemacht hat. In dem Artikel würde Schmidt der Bevölkerung „vorgegaukeln“, dass es möglich sei, die Geburtshilfe auf der Insel wieder zu etablieren, so die Sylter Sozialdemokraten. Aus ihrer Sicht ist das Angebot alles andere als neu. Die in dem Artikel genannten Bedingungen für eine Wiedereröffnung seien von niemanden zu erfüllen, das wisse auch die Asklepios-Geschäftsführung.

Zu den Forderungen von Asklepios äußert sich die SPD Sylt im Detail wie folgt:

„Die Einrichtung muss eindeutig als eigenständiger Betrieb erkennbar sein“, erklärte Asklepios nach dem Gespräch mit Lars Schmidt. Das bedeute ja nichts anderes als das hierfür ein neuer eigener Betrieb gegründet werden müsse, so die SPD. „Wer sollte denn eine solche GmbH gründen? Die drei Sylter Hebammen oder die Gemeinde Sylt oder der Kreis Nordfriesland?“

„Es muss ausreichend geburtshilfliches Personal vorhanden sein. Lediglich ein Belegsystem sei nicht ausreichend“. Um 24 Sunden/sieben Tage die Woche ausreichend Personal vor Ort zu haben, müssten mindestens fünf Hebammen dort tätig sein, so die SPD. Dies sei notwendig, um drei Schichten (früh, spät, nachts) sowie Urlaub, Fortbildung oder Krankheit abdecken zu können. Diese Anzahl von Hebammen wäre derzeit auf der Insel nicht vorhanden und würde realistisch betrachtet auch nicht von außerhalb rekrutierbar sein. Hinzu kämen noch festangestellte Gynäkologen, weil ein Belegsystem nicht ausreichend sei. Die neue Firma müsste sich durch eine Anzahl von zirka 100 Geburten im Jahr finanzieren. „Dass dies nicht darstellbar ist, dürfte jedem klar sein“, erklärte der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Eberhard Eberle. „Dieser neue Betrieb würde nach spätestens einem halben Jahr Insolvenz anmelden müssen.“
„Die Haftung liegt ausschließlich bei dem Träger der Einrichtung.“ Dass Asklepios für die Geburtshilfe nicht haften wolle, sei einleuchtend, so Eberle. Aber wer soll die Haftung übernehmen, die drei Sylter Hebammen? Wegen der Ablehnung des Risikos sei bereits das von Asklepios vorgeschlagene Modell des „Sylter Kreißsaals“ gescheitert. Warum sollten die Hebammen jetzt bereit sein, das Risiko zu übernehmen? Oder sollen es Gemeinde oder Kreis übernehmen?

Falls diese drei Voraussetzungen erfüllt seien, würde die Nordseeklinik alle weiteren notwendigen medizinischen Hintergrundleistungen gegen eine Kostenübernahme erbringen, erklärte Lars Schmidt nach seinem Gespräch mit Asklepios. Die SPD kritisiert: „Das heißt im Klartext, dass die neue Gesellschaft aus den ohnehin niedrigen Einnahmen auch noch für verschiedene Leistungen an Asklepios zahlen muss.“

Nach der Schließung der Geburtshilfe sei Asklepios noch bereit gewesen, die benötigten Räume und Gerätschaften unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, erklärte Eberhard Eberle, jetzt aber solle dafür gezahlt werden. „Wie soll der neue Betrieb sich wirtschaftlich tragen? “, fragt der SPD-Politiker. Relativ geringe Einnahmen auf der einen Seite stünden großen Ausgaben gegenüber – Personalkosten, die teuren Versicherungen, Raummiete, Kostenerstattung für die durch Asklepios erbrachten Leistungen, Rückstellungen für die Reparatur oder Anschaffung von neuen Geräten und vieles mehr. Dies wäre bei nur 100 Geburten je Jahr nicht darstellbar, so Eberle.

Die Sylter Sozialdemokraten kritisieren ebenso heftig die von Asklepios angebotene Variante, für den Fall, dass durch das Bürgerbegehren mehrheitlich ein Klinikneubau inklusive einer Geburtstation auf der Insel beschlossen würde, diesem neuen Krankenhaus seinen Versorgungsauftrag freiwillig zu übergeben. „Damit hat Asklepios erstmals preisgeben, was viele auf der Insel schon lange vermutet haben“, erklärt Eberle. „Der Hamburger Konzern ist großzügig bereit, das Akutkrankenhaus, mit dem ohnehin kein Geld zu verdienen ist, abzugeben. Die lukrative Rehaklinik jedoch will Asklepios behalten. Die Verluste des Akuthauses soll also die öffentliche Hand tragen, die Gewinne der Rehaklinik bleiben beim Privatkonzern Asklepios.“

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erstellt am 11.Mär.2017 | 03:40 Uhr

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