zur Navigation springen

Sylter Rundschau

05. Dezember 2016 | 21:44 Uhr

Sylt : Warum „Schafe-Schubsen” Leben rettet

vom

Es gibt Fälle, in denen ein Schubs zur rechten Zeit ein Leben retten kann: Wenn ein Schaf auf dem Rücken liegt – die Beine in der Luft.

Keitum | Bereits kleinen Kindern bringt man bei, dass Schubsen verboten ist. Es gibt aber Fälle, in denen ein kleiner Schubs zur rechten Zeit ein Leben retten kann. Und zwar wenn man sieht, dass ein Schaf auf dem Rücken liegt und wie ein Maikäfer mit den Beinen in der Luft strampelt. Dann ist Ihre Hilfe gefragt.

Die freilaufenden Sylter Schafe leben auf Deichen und Wiesen nach ihrem eigenen Rhythmus, der aus Fressen, Umherwandern und Ruhen besteht. Normalerweise hat ein Schaf kein Problem damit, nach dem Ausruhen wieder auf die Beine zu kommen, doch manchmal schafft es dies nicht aus eigener Kraft. „Wenn die Schafe sehr dicke Wolle haben, weil sie kurz vor der Schur stehen oder wenn sie hochtragend sind, klappt es mit dem Aufstehen manchmal nicht. Das hat nichts mit ihrem Alter zu tun oder mit einer Krankheit, es ist einfach nur ihr Gewicht”, erklärt John Petersen, der in Keitum über 200 Mutterschafe auf den Wiesen stehen hat.

„Sie versuchen dann sich hochzuschaukeln und kippen dabei manchmal auf den Rücken. Aus dieser Lage kommen sie ohne Hilfe nicht mehr alleine hoch.” Zwar fahren die Landwirte jeden Tag zu ihren Schafherden raus und sehen nach dem Rechten, doch solche „Unfälle” können sie nicht vermeiden. Bis sie am nächsten Morgen wieder bei der Herde sind, kann es mitunter schon zu spät sein. „Wenn das Schaf auf dem Rücken liegt, versucht es eine Weile selbst wieder hoch zu kommen und strampelt heftig mit den Beinen in der Luft. Doch nach 15 bis 20 Minuten gibt es auf, weil es zu erschöpft ist.

Es bleibt dann einfach still liegen und die meisten Menschen denken, es sei tot. Es kann aber ein oder zwei Tage so auf dem Rücken liegen bleiben, bevor es dann stirbt. Man kann also meistens noch rechtzeitig Hilfe leisten.” Kommt diese Hilfe in Form eines kleinen Schubses aber nicht, sind die Stunden gezählt: „Liegt ein Schaf länger auf dem Rücken, bekommt es Panik, weil es schlecht atmen kann. Sein Gewicht drückt auf die Hauptschlagader und es stirbt langsam an Herz-Kreislauf-Versagen”, erklärt Tierärztin Steffi Petersen auf Nachfrage.

Das muss nicht sein, denn es ist ganz einfach, das Schaf aus seiner tödlichen Lage zu befreien und das geht so: Man sollte sich dem hilflosen Tier langsam nähern und es mit ruhiger Stimme ansprechen, damit es nicht in Panik gerät. Stellen Sie sich hinter das Tier und bringen Sie Ihre Hände unter die Schulter oder den Rücken des Schafes. Ein kleiner Schubs reicht und das Tier kommt wieder auf die Beine. Das Fluchttier wird dann instinktiv ein paar Meter weit weg laufen, heftig atmen und urinieren. Manchmal taumelt es kurz, doch der Kreislauf stabilisiert sich meist sehr schnell. Bevor es sich dann zu seiner Herde gesellt, wird sich aber noch einmal umdrehen und seinem Retter einen dankbaren Blick zuwerfen - versprochen! Ich habe es selbst schon dreimal so erlebt.

zur Startseite

von
erstellt am 03.Aug.2016 | 04:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen