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Sylter Rundschau

10. Dezember 2016 | 11:51 Uhr

Toter Wal im Lister Hafen : Walkadaver auf Sylt wurde geborgen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Walkadaver musste mit schwerem Gerät geborgen werden. Spezialisten hoffen nun, dass Proben Klarheit über Gattung und Alter liefern.

Der vor drei Tagen in List entdeckte Wal ist gestern Mittag von Experten aus Schleswig abgeholt worden. Zahlreiche Schaulustige standen am Lister Hafenbecken und fotografierten, als das rund sieben Meter lange Tier in einen Container gehievt wurde. Zuvor hatten zwei Tierärzte Proben von Kadaver genommen. Der Wal ist bereits stark verwest, unter anderem fehlt der Kopf sowie die Rückenflosse und die Haut ist aufgerissen. Vermutlich handelt es sich bei dem Fund um einen Zwergwal. Der Wal soll nun von einer Spezialfirma in Jagel entsorgt werden.

„Es ist alles gut verlaufen“, sagt Uwe Schmidt vom Landesbetrieb für Küstenschutz und Nationalpark (LKN) zufrieden. Er war dafür verantwortlich, dass während der Aktion im Inselnorden alles glatt lief. Ein zunächst vorgesehener Bagger musste allerdings durch einen größeren ersetzt werden, weil der Wal „riesiger war, als zunächst angenommen“. Der „Umzug“ des Kadavers verzögerte sich dadurch. Mit zwei Baggern wurde das Tier schließlich aus dem flachen Wasser gehievt. Es roch beißend nach Verwesung, während der rund 3,84 Tonnen schwere Körper von den Mitarbeitern der Tierkörperverwertungs-Stelle in Jagel emporgehoben und in einen Spezialcontainer gelegt wurde.

Damit der leblose Körper zuvor nicht von der Tide zurück ins offene Meer gezogen wurde, hatten Feuerwehrleute in List eine spezielle Sperre um das Tier gelegt. „Außerdem haben wir ein Seil um den Schwanz gebunden, und das Ende an der Mauer befestigt“, sagt Iris Ramm, die mit rund acht Kollegen im Einsatz war. Ablandiger Wind habe dafür gesorgt, dass der ungewohnte Geruch, den der Wal verströmte, nicht so stark war.

Bevor der kopflose Wal im Container abtransportiert wurde, hatten zwei Tierärzte aus Büsum – von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
(dem Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung) – das Tier rund zwei Stunden lang untersucht. „Hoden oder eine Gebärmutter konnten wir nicht finden“, sagt Tierarzt Marco Roller (26). Sämtliche Organe seien zuvor im Meer aus der offenen Bauchhöhle gespült worden. „Wir haben Proben von Muskeln, Haut, Fett, Darm-und Mageninhalt genommen“, sagt Tina Kesselring (30). Allerdings sei das Tier „extrem doll verwest“, sagt sie. Die Untersuchung der Proben soll demnach Klarheit geben, über die Hintergründe zu Herkunft, Geschlecht, Ernährungszustand sowie Alter und Art des Tieres.

„Die Todesursache zu bestimmen wird aufgrund des schlechten Zustandes allerdings sehr schwierig“, sagt Armin Jeß von der Schutz und Entwicklungsplanung beim LKN. „Wo das Tier herkommt, und wie alt es ist, darauf bekommt man noch keine Antwort“, sagte auch Matthias Strasser, Geschäftsführer des Erlebniszentrum Naturgewalten in List. Klar sei nur, dass der Wal, aufgrund seines äußeren Zustandes, seit mehreren Wochen tot sein muss.

Der Unterkiefer des großen Säugers ist noch erhalten. Wenn auch das Skelett in einem guten Zustand ist, will Strasser dieses im Erlebniszentrum ausstellen. Der Fund sei gut dafür geeignet, um die Menschen auf Sylt auf das Thema Wale aufmerksam zu machen sowie darüber zu informieren.

Das Tier war bereits am Montag rund eine Seemeile vor der Nordspitze Sylts gesichtet worden, sagte ein Sprecher der Seenotretter in Bremen. Am Dienstag war der Kadaver dann näher an die Insel gespült worden. Um kreuzende Schiffe nicht zu behindern, hatten die Seenotretter an der Nordspitze Sylts das schwere Tier am Mittag in das Hafenbecken „gedrückt“.

Wieso das Tier angespült wurde und warum es gestorben ist, wollen Experten jetzt untersuchen. „Man kann davon ausgehen, dass es sich hier um einen Einzelfall handelt“, sagt Armin Jess vom LKN. Ob ein Zusammenhang zu den im Januar und Februar gefundenen Pottwalen besteht, sei zunächst unklar. Starker Wind, der in der vergangenen Woche auf Sylt geweht hatte, könne demnach der Grund dafür sein, weshalb der Körper nun angeschwemmt wurde.

Zuletzt war 2012 ein Zwergwal bei Sylt gestrandet. Der sechs Meter lange Wal war damals von Mitarbeitern des LKN nördlich des Hindenburgdammes geborgen worden. Er war auf Höhe der Hochwasserlinie gestrandet und wurde mit einem Kran auf einen Lkw verladen.

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erstellt am 18.Aug.2016 | 04:31 Uhr

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