zur Navigation springen

Sylter Rundschau

04. Dezember 2016 | 04:54 Uhr

Keitum im Dialog : Visionen und Realitäten

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Als erstes Projekt aus „Keitum im Dialog“ soll das Schöpfwerk am Nössedeich saniert werden. Doch es fehlt an Kompetenzen – und vor allem am Geld.

Wie geht es weiter mit der „Zukunftswerkstatt Keitum im Dialog“? Wie können die Vorschläge, Ideen und auch Visionen des zweitägigen Workshops umgesetzt werden, an dem Mitte März mehr als 160 Bürger teilgenommen hatten? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Mitglieder des Ortsbeirats auf ihrer Sitzung am vergangenen Donnerstag. Anlass war die Vorstellung eines ersten konkreten Projekts, das seit Juni in der Dorfmachergruppe „Natur und Küste“ diskutiert und erarbeitet wurde. Inhalt des Konzeptes ist der Ausbau des alten Keitumer Schöpfwerks zu einem attraktiven Ausflugsziel für Natururlauber, Radwanderer und auch Einheimische. Dadurch soll das seit vielen Jahren nicht mehr genutzte Gebäude am Ende der Koogstraße auf dem Nössedeich am südlichen Wattenmeer (siehe Foto oben) grundlegend umgestaltet werden.

Im Erdgeschoß soll ein Ausstellungsraum zur Landschafts- und Kulturgeschichte entstehen; für das Obergeschoss ist eine Naturschutzstation mit Info-Modulen über den Nationalpark Wattenmeer geplant. Denkbar wäre auch, durch den Einbau neuer größerer Fenster einen 360-Grad-Panoramablick auf die einzigartige Marschlandschaft des Unesco-Weltnaturerbes zu schaffen, heißt es in der Vorlage. Darüber hinaus könnte dort eine barrierefreie, öffentlich zugängliche Toilettenanlage eingebaut werden.

Allerdings ist das Bauwerk, das zirka 1940 errichtet wurde und ehemals als Pumpstation zur Entwässerung der Siele diente, dringend sanierungsbedürftig. Ersten Schätzungen zufolge sind mindestens 100  000 Euro erforderlich, um das Schöpfwerk wiederzubeleben. Zur Finanzierung sollen Förderanträge bei der „AktivRegion Uthlande“ sowie bei „Bingo! Die Umweltlotterie“ gestellt werden. Dadurch wäre ein Großteil der Kosten für den Bau und die Ausstattung abgedeckt, so die Hoffnung der Initiatoren. Der Rest jedoch müsste aus dem Gemeindehaushalt zur Verfügung gestellt werden. Außerdem soll das Bauamt eine Architektenauswahl treffen und die unterschiedlichen Leistungsphasen beauftragen, um eine prüffähige Kostenschätzung für die Antragsunterlagen zu erhalten.

„Das sind alles schöne kreative Ideen, aber wer soll das bezahlen?“, sagte Bürgermeister Nikolas Häckel. „Unsere Rücklagen sind fast aufgebraucht. Deshalb halte ich einen Einstieg der Gemeinde in das Projekt für schwierig bis unmöglich.“ Allein die Unterhaltung eines öffentlichen WCs in dem Gebäude würde als zu aufwändig und zu teuer erachtet – weder KLM noch der ISTS wollten das übernehmen. „Eigentlich ist das Ganze überhaupt keine Aufgabe für die Gemeinde Sylt“, erklärte Häckel. Auch, weil sich das Schöpfwerk im Besitz des Deich- und Sielverbandes befindet – „damit haben wir dort gar ja keine Zuständigkeiten.“ Doch diese Einwände des Bürgermeisters konnten den Ortsbeirat nicht davon abhalten, das Vorhaben weiter auf den Weg durch die notwendigen Instanzen zu bringen. Laut Empfehlungsbeschluss sollen als nächstes der Finanzausschuss und dann die Gemeindevertretung darüber beraten, ob und wie das erste konkrete Projekt aus der „Zukunftswerkstatt“ umgesetzt werden kann.

Aber im Friesensaal wurden auch grundsätzliche Probleme des Fortgangs von „Keitum im Dialog“ diskutiert: Außer „Natur und Küste“ gibt es drei weitere Dorfmachergruppen, die sich zu regelmäßigen Sitzungen treffen. Während bei „Identität und Dorfleben“ sowie bei „Wohnen“ die Anzahl der Mitwirkenden einigermaßen zufriedenstellend wäre, würden an der Gruppe „Tourismus“ außer ihr selbst nur zwei weitere Bürgerinnen teilnehmen, kritisiert Ortsbeiratsmitglied Cornelia Kamp. „Und das sind auch noch die Gleichen, die sich bereits in anderen Gruppen engagieren. Das ist schon sehr enttäuschend!“ Es sei ihr völlig unverständlich, warum sich in dieser, für die Ortsentwicklung überaus wichtigen Gruppe nicht zum Beispiel mehr Gastronomen oder Gewerbetreibenden beteiligen, die von der Attraktivität und Ausstrahlung des Käpitänsdorfes ja profitieren würden. Auch das Fehlen von Vertretern des ISTS bei den Treffen der Tourismus-Gruppe könne sie überhaupt nicht nachvollziehen.

Größere Übereinstimmung zwischen Politik und Verwaltung als in Sachen Schöpfwerk herrscht dagegen beim Kampf gegen den „ausufernden Schilderwald“ in Keitum. Bereits im Dezember 2014 hatte der Ortsbeirat beschlossen, das vorhandene Beschilderungssystem für private Gewerbe nicht weiter zu führen (wir berichteten). Es gäbe zu viele der Aufsteller im Dorf, die oft ungepflegt seien und teilweise auf Geschäfte oder Restaurants hinwiesen, die gar nicht mehr existierten. Das neue Konzept sieht vor, dass nur noch Orte oder Einrichtungen weiter ausgeschildert bleiben, die von allgemeinem Interesse sind – beispielsweise das Heimatmuseum, der Friesensaal, die Kirche St. Severin sowie Apotheke und Ärzte. An ausgewählten Standorten wie Bahnhof, Parkplätzen und vor dem Tourismusbüro sollen Keitum-Besucher künftig durch beleuchtete Schaukästen mit Ortsplänen informiert werden. Dort hätten dann auch Gewerbetreibende des Ortes die Gelegenheit, gegen Entgelt auf ihr Unternehmen hinzuweisen.

Alle Geschäftsleute, die bisher Schilder angebracht haben, erhalten ein „freundliches Schreiben“, wie Bürgermeister Häckel betonte, mit einer ordnungsrechtlichen Aufforderung inklusive Fristsetzung zum Entfernen ihrer Firmenschilder, aber auch mit neuen Angeboten für die Werbung in den Schaukästen. Dadurch soll versucht werden, die Kosten des Beschilderungskonzeptes komplett zu refinanzieren. Die Anschaffung der Schaukästen und die Herstellung der Ortspläne kosten zirka 15  000 Euro und werden zunächst aus dem gemeindlichen Haushalt vorgestreckt. Die jährlichen Pachtbeträge der privaten Unternehmen sollen dann zur laufenden Unterhaltung und Aktualisierung des neuen Infosystems eingesetzt werden.

zur Startseite

von
erstellt am 10.Okt.2016 | 05:09 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen