zur Navigation springen

Sylter Rundschau

02. Dezember 2016 | 19:19 Uhr

Streit um Halle 28 : Verzögerungstaktik oder Fleißarbeit?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Initiatoren des Bürgerentscheids kritisieren schleppende Umsetzung. „Wir arbeiten mit Hochdruck“, hält Bürgermeister Häckel dagegen

Bitter beklagt haben sich die Initiatoren des Bürgerentscheids zum Erhalt der Halle 28 über angebliche „Verzögerungstaktiken“ von Teilen der Politik und seitens der Verwaltung. „Wir sind sehr ungehalten, dass es nicht voran geht mit der Übertragung an die Flughafen Sylt GmbH“, sagte Wolfgang Holst. Nach der Abstimmung im Hauptausschuss herrsche seit drei Wochen Stillstand, kritisierte der Archsumer Ehrenwehrführer. „Die Abrissbefürworter wollen uns noch immer ein Bein stellen. Ich sehe auch Bürgermeister Häckel als nicht neutral – er steht eindeutig auf deren Seite.“

Grund der Verärgerung der Aktivisten: Am 5. Juli hatten Hauptausschuss und Feuerschutzausschuss auf einer gemeinsamen Sondersitzung mit deutlicher Mehrheit beschlossen, die Halle 28 zur Bewirtschaftung in den Besitz der Flughafen Sylt GmbH zu übergeben. So könnte am unkompliziertesten und vor allem zeitnah der Wille des Bürgers umgesetzt werde, das Gebäude zu erhalten und künftig legal nutzen zu dürfen, hoffen die Abrissgegner. Ausdrücklich heißt es in dem, von der CDU-Fraktion formulierten Antrag: „Der Hauptausschuss empfiehlt der Gemeindevertretung, die Sanierungsmaßnahmen zum Erhalt der Halle 28 mit Hallenvorfeld umzusetzen und die Mängel laut Nutzungsuntersagung des Kreises zu beseitigen. Die Halle 28 ist in die Organisation als Ort in die Gefahrenabwehr und den Katastrophenschutz einzubeziehen“.

Doch auf der Gemeindevertretersitzung vergangenen Donnerstag kam es weder zu einer Beratung noch zu einem Beschluss - das Thema Halle 28 stand überhaupt nicht auf der Tagesordnung. Die CDU versuchte zwar, dies mit einem Dringlichkeitsantrag zu ändern, erreichte jedoch nicht die dafür notwendige Zweidrittelmehrheit. Für die Abrissgegner ein deutliches Indiz der Verzögerungstaktik in Sachen Halle 28: „So kann, so darf das Spiel nicht weitergehen. Wir wollen es, Flughafenchef Douven will es und die Bürger wollen es“, erklärte Wolfgang Holst. Auch für Lars Schmidt, ebenfalls Initiator des Bürgerentscheid, ist die Haltung der „Blockparteien“ völlig unverständlich. Zwar sei der SSW mittlerweile ausgeschert, aber SWG, SPD und Grüne würden immer noch mit Tricks versuchen, weiter auf Zeit zu spielen. Auch Schmidt kritisierte das Verhalten der Verwaltung, insbesondere von Bürgermeister Häckel: „Wir fühlen uns noch immer nicht eingebunden. Wir wissen nicht, woran wir eigentlich sind.“

Nikolas Häckel wiederum kann die Aufregung der Initiatoren des Bürgerentscheids nicht nachvollziehen: „Es wäre besser, vorher zu fragen, erst miteinander zu reden, bevor man an die Öffentlichkeit geht und sich lautstark beschwert. Unser erklärtes Ziel ist es, Vertrauen aufzubauen“, sagte der Bürgermeister auf Anfrage der Sylter Rundschau. Er habe es als Auftrag aus dem Hauptausschuss mitgenommen, vor weiteren Beratungen und einem möglichen Beschluss in der Gemeindevertretung zunächst die vielen offenen Fragen aufzubereiten und so umfassend wie möglich zu klären.

„Ich kann allen nur sagen: Wir sind extrem fleißig und arbeiten mit Hochdruck auf allen Ebenen. Alles ist voll in der Vorbereitung oder sogar bereits in der Umsetzung“, betonte Nikolas Häckel. Wie angekündigt, führe er Gespräche mit Geschäftsführer Peter Douven zu den Modalitäten einer Übertragung der Halle 28 an dessen Flughafen GmbH. Da gäbe es viel zu beachten – unter anderem müsse noch geklärt werden, in wie weit der Denkmalschutz mit dem Luftverkehrsrecht zu vereinbaren ist. Zur Ermittlung des Aufwands und der Kosten aller baulichen Arbeiten sei ein Architekturbüro der Insel beauftragt worden. Insbesondere gehe es dabei um die Sofortmaßnahmen, die der Kreis angeordnet habe. Darüber hinaus würde sich eine renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit allen finanziellen und steuerrechtlichen Aspekten befassen. Außerdem wies Häckel darauf hin, dass derzeit in Zusammenarbeit mit der Insel- und Halligkonferenz eine Risikoanalyse erstellt wird: Schließlich soll Sylt in Sachen Katastrophenschutz zu einer Musterkommune entwickelt werden für andere Gemeinden im Norden, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen.

Über die Ergebnisse der Beratungen und Verhandlungen werde er in der Sitzung des Hauptausschusses am kommenden Dienstag berichten, kündigte Bürgermeister Nikolas Häckel an. Also rechtzeitig, bevor der Antrag zur Übertragung der Halle 28 an die Flughafen GmbH am 18. August als „normaler Tagesordnungspunkt ohne Dinglichkeit“ in der Gemeindevertretung behandelt wird.

zur Startseite

von
erstellt am 27.Jul.2016 | 05:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen